Schüler thematisieren Weltkrieg Betroffenheit im Publikum nach Theater in Rhede

Bei der Uraufführung in Rhede: Andreas Scholz (links) und Gerd Specker-Dünhöft. Foto Anna HeidtmannBei der Uraufführung in Rhede: Andreas Scholz (links) und Gerd Specker-Dünhöft. Foto Anna Heidtmann

Rhede. Dass nach der Theateraufführung von „La Guerre“ in Rhede kein Beifall gespendet wurde, war vom Regisseur Gerd Specker-Dünhöft ausdrücklich erwünscht. Der Grund: In „La Guerre“ – zu Deutsch „Der Krieg“ – werden die traurigen Ereignisse des Ersten Weltkrieges mit einem direkten Bezug zur Heimat aufgearbeitet. Gespielt haben diese Szenen die 24 Schüler der Klasse 10 RS der Ludgerusschule gemeinsam mit zwölf Laienspielern der Theatergruppe Rhede.

In beeindruckender Weise stellt das Ensemble in 13 Szenen die Entwicklung von der politischen Ausgangssituation bis zum bitteren Kriegsende mit seinen verheerenden weltpolitischen Folgen dar. Beschrieben wurden unter anderem die anfängliche Euphorie und Kaisertreue einer jungen Generation, das Leid von sorgenvollen Eltern, die ihre Söhne in den Kampf ziehen lassen müssen, sowie die Verzweiflung eines jungen Soldaten, der im Sterben auf dem Schlachtfeld nach seiner Mutter ruft.

Zum Gedenken an die gefallenen Männer aus Rhede und Umgebung wurden bewusst alle 148 Namen einzeln vorgetragen. Das Publikum reagierte mit Betroffenheit und anhaltendem Schweigen, schließlich ging es um das Schicksal direkter Vorfahren. Dass es in Anbetracht der weltweiten Kriegsschauplätze dennoch Hoffnung für ein dauerhaftes und friedliches Miteinander gibt, unterstrich die letzte Szene des Stückes mit Blick auf die Europäische Union und die Versöhnungsgesten der ehemaligen Staatsmänner Willy Brandt. (historischer Kniefall in Warschau) sowie François Mitterrand (Frankreich) und Helmut Kohl (symbolhafter Händedruck am Schlachtfeld von Verdun).

Als offiziell ausgezeichnete Europaschule ist die Rheder Bildungseinrichtung ein Beispiel für nachhaltige interkulturelle Zusammenarbeit. Weltgeschichte in Verbindung mit Lokalgeschichte erfahrbar zu machen und daraus die Lehren zu ziehen ist laut Aussage von Schulleiter Hermann Wilkens der Kerngedanke des Theaterstückes , das auf den Impuls der Emsländischen Landschaft hin von Geschichtslehrern der Schule verfasst worden ist.

Die örtlichen historischen Fakten brachte der Rheder Heimatforscher Albert Vinke ein. „Nach hundert Jahren jungen Menschen im Alter von 14 bis 15 Jahren den tiefen Sinn der Kriege beizubringen ist eine Mammutaufgabe“, bestätigte Regisseur Specker-Dünhöft im Anschluss an die Vorstellung und zollte den Geschichtslehrern höchste Anerkennung für deren Arbeit. Derselben Ansicht war auch der Präsident der Emsländischen Landschaft, Hermann Bröring. Die Darstellung des Ersten Weltkriegs als Urkatastrophe und Grundstein für den Zweiten Weltkrieg sei sehr deutlich herausgearbeitet worden. „Ich stehe mit großem Respekt vor den Lehrern und Schauspielern, insbesondere den Schülern, und hätte etwas verpasst, wenn ich heute Abend nicht hier gewesen wäre“, sagte Bröring. Das Gemeinschaftsprojekt von Schule und Laienspielschar sei beispielhaft für andere Schulen, um jungen Menschen Geschichte zu vermitteln.

Weitere Aufführungen des Stücks „La Guerre“ finden am 25. und 27. November jeweils ab 19 Uhr in der Aula der Ludgerusschule statt.