Gegen Einsamkeit im Alter Henning Scherf wirbt in Rhede für Senioren-WG

Von Eva Kleinert

Wohngemeinschaften für Senioren fordert Henning Scherf. Foto: Eva KleinertWohngemeinschaften für Senioren fordert Henning Scherf. Foto: Eva Kleinert

Rhede. „Wir müssen intelligente Formen des Altwerdens gemeinsam mit den Jungen finden“ – das hat der ehemalige Bremer Bürgermeister Henning Scherf während eines Senioren- und Integrationstages im Ems-Dollart-Zentrum (EDZ) in Rhede gefordert. Im Rahmen der EDZ-Festwoche referierte Scherf vor zahlreichen Senioren sowie Vertretern sozialer Träger und Verbände über das Thema „Barrierefreies Wohnen mit und über alle Generationen“.

„Wir werden alle älter, und das ist ein Geschenk, aber man muss in das Alltagsleben Arbeit und Struktur bringen“, erklärte der 75-Jährige. Ehrenamtliche Arbeit oder Freizeitaktivitäten wie das gemeinsame Singen oder Malen sorgten dafür, dass man im Alter nicht vereinsame. „Leider ist das bei der Mehrheit der älteren Menschen aber so – über 50 Prozent leben alleine“, sagte Scherf. Eine mögliche Lösung gegen Einsamkeit im Alter seien generationsübergreifende Wohngemeinschaften (WG), empfahl Scherf, der seit 27 Jahren mit seiner Ehefrau Luise in einer derartigen WG in Bremen lebt. „Einst für Familien gebaute Häuser lassen sich intelligent für eine Wohngemeinschaft umbauen“, so Scherf. Gerade alleinstehende Bewohner könnten durch die Gemeinschaft wieder Struktur in ihren Alltag bekommen.

„Wir haben einen Platz für das Altersleben gefunden – nicht nur für die fitten Tage“, berichtete er über die eigenen Erfahrungen. Denn auch wenn ein Bewohner zum Pflegefall werde, halte die Gemeinschaft zusammen.

Wichtig für das Gelingen einer Senioren-WG sei es, Wohnanlagen nicht zu groß werden zu lassen. „In einer Heimanlage mit 800 Betten verlieren ältere Leute schnell den Überblick“, so Scherf. Darüber hinaus sollte eine WG in bestehende Nachbarschaften integriert werden. Scherf: „Wir wollen mittendrin vital alt werden können.“ Dem SPD-Politiker zufolge bietet eine WG einen weiteren Vorteil: „Die Pflege ist eher finanzierbar, als wenn man alleine wohnt.“

Scherf prognostizierte, dass in den kommenden Jahren herkömmliche Heimanlagen von dezentralisierten Wohnangeboten Konkurrenz bekämen. Bereits jetzt machten die Wohngemeinschaften für Senioren Schule: Zahlreiche Wohnprojekte mit und über alle Generationen hinweg würden beispielsweise über die Organisation „Forum für gemeinschaftliches Wohnen“ organisiert. In 23 Regionalstellen bundesweit vermittle das Netzwerk dezentralisierte Wohnformen.

Scherfs Vortrag war Teil der Festwoche im EDZ, die seit dem 29. März läuft und am Sonntag endet. Am Samstag findet EDZ-Geschäftsführer und Veranstalter Günter Terfehr zufolge der traditionelle Boxwettkampf statt. Am Sonntag bildet das Rheder Frühlingsfest inklusive der Gewerbeschau den Abschluss der Festwoche.


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