Im Gespräch mit Gerd Conens Was Rhedes scheidendem Bürgermeister fehlen wird - und was nicht

Zu einer Fahrt mit dem Planwagen durch die Einheitsgemeinde lud das Rathausteam den scheidenden Bürgermeister Gerd Conens (Vierter von links) am Montagnachmittag ein. Foto: Christian BellingZu einer Fahrt mit dem Planwagen durch die Einheitsgemeinde lud das Rathausteam den scheidenden Bürgermeister Gerd Conens (Vierter von links) am Montagnachmittag ein. Foto: Christian Belling
Christian Belling

Rhede. Die letzten Tage als Bürgermeister der Einheitsgemeinde Rhede gemütlich ausklingen lassen? Nicht mit Gerd Conens. „Das Gegenteil ist der Fall. Hinter mir liegt so manche 70-Stunden-Woche, in denen ein Termin auf den anderen folgte“, berichtet der 56-Jährige, der am Mittwoch ein letztes Mal das Rathaus als Gemeindeoberhaupt betreten wird.

Was ihm fehlen wird und was nicht, wie er seine 14-jährige Amtszeit sieht und warum sein Sohn gar nicht damit einverstanden ist, dass er als Bürgermeister aufhört, verrät Conens im Gespräch mit unserer Redaktion. 

Entschluss nicht bereut

Überraschend hatte der parteilose Verwaltungschef im März erklärt, bei der Bürgermeisterwahl im Mai nicht für eine dritte Amtszeit antreten zu werden. Eine Ankündigung, die die Einheitsgemeinde nach seinen Worten in eine Art „Schockstarre“ versetzt habe. „In den Tagen danach habe ich viel Zuspruch erfahren. Einige versuchten sogar, mich zum Weitermachen zu bewegen.“ Doch sein Entschluss stand fest. „Und ich habe ihn auch nicht bereut“, so Conens.

„Der kann das gar nicht gut haben, dass ich aufhöre"Rhedes scheidender Bürgermeister Gerd Conens über die Reaktion seines neunjährigen Sohnes

Einen konkreten Anlass habe es nicht gegeben. Amtsmüde sei er auch nicht. Doch was bewog ihn zum Aufhören? „Ich wollte aufhören, wenn es für mich am schönsten ist. Das mache ich jetzt, denn es ist kaum noch zu toppen“, betont der 56-Jährige. Eine Entscheidung, mit der sein neunjähriger Sohn überhaupt nicht einverstanden ist. „Der kann das gar nicht gut haben, dass ich aufhöre. Schließlich sind wir jeden Morgen gemeinsam gegangen – er zur Schule und ich ins benachbarte Rathaus.“  

Anfragen liegen vor

Darauf muss der Sprössling nun verzichten. Doch wohin führt der morgendliche Weg den scheidenden Bürgermeister in Zukunft? „Es gibt keinen Plan B. Stand jetzt machte ich erst mal nichts“, so Conens. Doch das könne sich schnell ändern. Nach eigenen Angaben liegen ihm Anfragen aus der Wirtschaft sowie aus dem ehrenamtlichen Bereich vor. „Ich glaube auch nicht, dass ich lange ruhig sitzen kann. Worauf ich mich aber definitiv freue, ist die Zeit, die ich mit meiner Familie verbringen kann.“ Auch das Wissen darüber, befreit zu sein von den Zwängen, die das Amt des Bürgermeisters mit sich bringe, sorge für ein gutes Gefühl.

Ein letztes Mal den Posteingang sichten: Eine von vielen täglichen Aufgaben, die für Gerd Conens zukünftig wegfallen. Foto: Christian Belling

Gleichwohl wird Conens auch so manches vermissen. „Das Amt ist wahnsinnig abwechslungsreich“, erklärt der 56-Jährige. Dieses Amt habe er immer mit Leidenschaft und Freude, mit Herz und Seele und zum Wohle für die Bürger in Rhede, Brual, Neurhede und Borsum ausüben dürfen. „Ich habe es mit dem tollen Team des Rathauses und in stets guter Zusammenarbeit mit Orts-, Gemeinde- und Kreisräten gerne gemacht.“  

Lob für "engsten Mitarbeiter"

Besonders hervor hebt Conens die Zusammenarbeit mit seinem Stellvertreter Hermann-Josef Gerdes. „Er war mein engster Mitarbeiter und immer loyal. Bestimmt, weil wir vom Typus her unterschiedlich sind, haben wir uns so gut ergänzt und immer gemeinsam ein Ziel verfolgt.“

Bei der Vorgeschichte, die die erste Wahl Conens’ zum Bürgermeister im Jahr 2005 mit sich gebracht hatte, eine nicht selbstverständliche Zusammenarbeit. Schließlich trat Conens vor der Wahl aus der CDU aus, weil die Fraktion Hermann-Josef Gerdes zum Bürgermeisterkandidaten kürte. Als Parteiloser trat Conens dann gegen seinen langjährigen Stellvertreter an und gewann die Wahl.

Fehlendes Parteibuch hat nicht geschadet

Dass er all die Jahre kein Parteibuch hatte, habe der politischen Zusammenarbeit nicht geschadet. „Bei uns in Rhede steht über alle Parteifarben hinweg das Wohl der Gemeinde im Vordergrund.“

Seinem Nachfolger Jens Willerding (CDU), dem er alles Gute und ein glückliches Händchen wünscht, übergibt Conens nach eigenen Angaben ein „gut bestelltes Feld“. In Sachen Schule und Kita, bei der Ärzte- und Nahversorgung, dem Feuerwehrwesen sowie dem Wohnungsbau und der gewerblichen Entwicklung sei die Einheitsgemeinde gut aufgestellt. „Rhede hat eine atemberaubende Entwicklung genommen. Aber es gibt noch Ziele, die erreicht werden wollen“, weiß Conens.

Mit deren Realisierung wird der 56-Jährige an vorderster Front nichts mehr zu tun haben. Ratssitzungen werde er zunächst keine besuchen. „Beim Neujahrsempfang 2020 könnte man mich wieder im Rathaus sehen.“ 


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