Gemeinschaft seit 65 Jahren Rheder Nikoläuse sagen zur Begrüßung „Grüß‘ Gott“

Meine Nachrichten

Um das Thema Rhede Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Rhede. In Rhede hat die Nikolaus-Tradition einen langen Bart. Der Nikolaus selbst trägt einen, ebenso der Knecht Ruprecht und der Diener, die in sechs Teams jedes Jahr von Haus zu Haus ziehen und den Bürgern einen Besuch abstatten. Vor 65 Jahren gründete sich die Interessengemeinschaft (IG) Nikolaus dort.

Ewald Vooren bewegt sich lebendig durch sein Haus. Der Boss der IG Nikoläuse holt Bücher hervor, Listen, zeigt Kartons. Er stellt die Arbeit der Gruppe vor. „Hier stehen 7000 Euro herum“, sagt er und weist auf die Pappboxen voller Bärte, die am Boden stehen. Sie sind schon geöffnet. Strahlend helles blondes Büffelhaar leuchtet aus der Kiste. Es sind die Nikolausbärte. Der Diener des Teams bekommt lockiges graues Gesichtshaar, Knecht Ruprecht schwarzes, das in Wirklichkeit indisches Menschenhaar ist, wie Agnes Meyer erzählt.

Die frühere Frisörin ist die Chefin der Bärte, Perücken und auch der Gesichter. Ihr Metier sind Haarteile, die Bürsten, die Boxen mit der Theaterschminke und dem Bartkleber. Die Aufgabe liegt ihr am Herzen, die Pflege ist ihr wichtig. „Die Bärte müssen sauber sein“, sagt Meyer. Essen und Trinken ist für die Bartträger während des Einsatzes deshalb auch absolut Tabu. Angebote dieser Art in den Stuben der Besuchten müssen abgelehnt werden. Und wer mit einer Fahne erwischt wird, fliegt. „Die Bärte sind zu teuer, als dass man schludrig damit umgeht“, sagt Meyer, die mit 54 Jahren mit Abstand am längsten in der IG ist. Schon ihr Vater Heinz Velt, ebenfalls Frisör, war für das Schminken zuständig, schreibt Heimatforscher Albert Vinke in seiner Festschrift zum 40-jährigen Bestehen der Rheder Nikolaus-Aktion.

Erst war es Klamauk, seit 1953 ist es Ernst

Inzwischen gibt es sie allerdings seit 65 Jahren. Davor wurde Klamauk mit dem Brauch getrieben, sagt Vooren. Da seien junge Männer durch die Straßen gezogen und hätten junge Mädchen geärgert. Dechant Heinrich Lammen wollte dem damals ein Ende setzen. So rief er die IG ins Leben. Vooren und die anderen Helfer wollen das bewahren. Etwa 40 Menschen setzen sich in Rhede dafür ein. Vooren zeigt den kleinen Karton mit den vielen weißen Handschuhen, ein Plastikkistchen mit goldenen Bändern und Kreuzen, eine Box mit Brillen ohne Gläser. Nikolaus, Diener und Ruprecht sollen nicht erkennbar sein – von den kleinen Kindern zumindest.

Wenn es um die Nikoläuse geht, kommt viel in Bewegung. „Die Darsteller nehmen zwei Tage Urlaub“, sagt Markus Karpow, der seit 23 Jahren dabei ist und inzwischen auch Teil des Leitungsteams ist. Schüler, die mitmachen, bekommen Entschuldigungen geschrieben und dürfen vom Unterricht wegbleiben. Neben dem Nikolaus, Ruprecht und dem Diener, der Spekulatius verteilt, gehören zu den Teams außerdem Ansager. Das sind diejenigen, die in blauen Jacken zehn Minuten vor dem möglichen Nikolausbesuch an jeder Haustür klingeln und sich erkundigen, ob ein Besuch des Nikolaus-Teams gewünscht ist – ganz egal, ob dort Kinder wohnen. Wenn ja, sammeln sie obendrein die Geschenke ein und legen sie dem Knecht in die Kiepe, also seinen Korb, den er auf dem Rücken trägt.

„Seit 2008 gibt es keine Route mehr“

Wer welchen Part übernimmt, entscheidet sich in der Nikolaus-Versammlung – dem einzigen gemeinsamen Treffen aller im Jahr. Es findet wenige Tage vor den Einsätzen statt. Die Positionen können wechseln, aber: „Die müssen sich hochdienen“, sagt Vooren. Man fängt als Ansager an, später besteht die Chance auf den Nikolaus-Posten. Bei dem Treffen wie auch an der Haustür heißt es „Grüß Gott!“. Vooren sagt: „Ein Moin gibt es da nicht. Und es machen auch alle mit.“ Richtig andächtig sei die Atmosphäre bei der Versammlung, meint Karpow und ergänzt: „Das ist eine ernste Sache“. Der religiöse Bezug zum Nikolaustag, deren Namensgeber ein Bischof war, soll erhalten bleiben.

Etwas weniger ernsthaft geht es inzwischen beim Besuch der Kinder zu. „Seit 2008 gibt es keine Route mehr“, sagt Vooren und betont: „Wir sind nicht gewalttätig“. Höchstens gebe es Hinweise, die zu mehr Anstrengung im Mathe-Unterricht führen sollen, aber „dann ist es auch gut“, sagt Karpow. „Wir bestrafen keine Kinder.“ Die jahrelange Erfahrung zeigt: Zum Nikolaus-Team zu gehören ist nicht für jeden etwas. „Eine gute, ruhige Stimmung ist Voraussetzung“, sagt die IG-Maskenbildnerin Meyer. „Es ist viel Feingefühl gefragt. Manche Familien haben Schicksalsschläge hinter sich.“ Einmal sei einer der Darsteller sehr betroffen von einem Besuch zurückgekehrt und habe auch nicht wieder mitgemacht.

Zwölf Bezirke in Rhede

Die Anzahl der Haushalte ist immer unterschiedlich, Bezirke aber sind fix. Die Nikolausgemeinschaft hat Rhede in zwölf eingeteilt, die am 4. und 5. Dezember in der Zeit von 16 bis etwa 19.30 Uhr angesteuert werden. „Ich wüsste nicht, dass es eine andere Gemeinschaft gibt, die vorher nicht Geld sammelt“, sagt Vooren über die kostenlosen Hausbesuche. Geld für die Kosten gibt es von der Gemeinde und aus der Kirchenkollekte. Auch die Spekulatius werden gesponsert. Alles andere, bis zum Nähen der Kostüme, passiert ehrenamtlich. Ebenfalls als Geschenk sozusagen.


Der Nikolaustag

Der Nikolaustag wird in der Region an verschiedenen Tagen begangen. Der Überlieferung zufolge ist allerdings der 6. Dezember der Todestag des Nikolaus von Myra (heute Demre in der türkischen Provinz Antalya), wo er in der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts als Bischof wirkte. Kinder bekommen nach seinem Vorbild an diesem Tag Geschenke, weil der Nikolaus der Legende nach drei armen Schwestern Gold für ihre Aussteuer schenkte. Der Stab, den er bei sich trägt, ist Zeichen seiner Bischofswürde. Ebenfalls Legende ist, dass Nikolaus Bootsfahrern oft das Leben rettete. Er gilt als Patron der Schiffer und auch der Kaufleute. Quelle: Webseite Bistum Osnabrück

Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN