Landmaschinen und Melktechnik aus Brual Landtechnik Wittrock hilft in komplizierten Angelegenheiten

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Rhede. Die Massenproduktion ist nicht sein Ding. „Das können andere besser“, sagt Bernd Wittrock, Geschäftsführer und Inhaber von Wittrock Landtechnik in Rhede-Brual. In großen Stückzahlen Mähdrescher, Gülleauflieger oder Melkautomaten zu bauen, dafür wäre im beschaulichen 700-Einwohner-Dorf auch gar kein Platz. Ein Porträt.

Mit Größen der Branche wie Claas arbeitet der 55-Jährige mit seinem Unternehmen aber eng zusammen und kommt häufig dann ins Spiel, wenn es kompliziert wird. So wie jüngst bei einer Anfrage aus Litauen. Ein großer Agrarkonzern aus dem osteuropäischen Land hatte auf rund 1500 Hektar Hanf angebaut. Hanf gilt als älteste Nutzpflanze der Welt und wurde bereits vor 12000 Jahren in Europa angebaut. Gleichzeitig gilt sie als pflegeleicht, nur wenige Krankheiten oder Schädlinge können ihr etwas anhaben. Die Nachfrage beispielsweise als Dämmstoff in der Automobilindustrie und bei Bekleidungsherstellern als Alternative zu Baumwolle ist hoch. „Hanf zu ernten ist aber sehr schwierig, weil die Blätter und Stängel extrem robust sind“, erklärt Wittrock. Eine zweite Herausforderung war die Erntemenge.

Innerhalb von drei Monaten schafften es die Maschinenbauer von Wittrock, einen sechs Meter breiten und bis zu zehn Stundenkilometer schnellen Hanfhäcksler zu bauen und auszuliefern. Die Ernte, die bis Mitte September eingefahren werden muss, ist damit gesichert. Und die Entwicklung des Hanfhäckslers ist noch nicht abgeschlossen: Weil aus den Samen von Hanf Öle oder Tees hergestellt werden können, entwickeln die Wittrock-Techniker den Prototyp derzeit so weiter, dass er künftig die Hanfpflanze in seine Einzelteile zerlegt und sie nicht nur in Gänze zerhäckselt.

Trend bei Mähdreschern früh erkannt

Es wäre nicht der erste Prototyp, der im Hause Wittrock entwickelt und später in die Massenfertigung bei anderen Unternehmen gehen würde. Bereits in den 1980er-Jahren, als Bernd Wittrock die Geschäfte von seinem Vater Hans übernahm und noch kaum jemand über voll automatisierte und selbstfahrende Erntemaschinen oder Datenerfassung in der Landwirtschaft sprach, entwickelte der diplomierte Maschinenbau-Ingenieur und Landmaschinentechniker einen Mähdrescher, der auf den Quadratmeter genau die geerntete Menge erfasste. Die Daten wurden in einem klobigen Erfassungsgerät gespeichert. Mit ihnen konnte der Landwirt schon damals bestimmen, wie viel Dünger er wo auf dem Acker aufzubringen hatte. „Heute ist das gang und gäbe, damals eine kleine Revolution“, erinnert sich Wittrock.

Inzwischen ist die Technik so weit, dass der Landwirt beispielsweise vorausahnen kann, wo Unkraut wachsen wird. Die Maschine, die Pflanzenschutzmittel auf die Felder aufbringt, erkennt nämlich, wie viele Unkrautsamen sich im Boden befinden, und bestimmt dadurch die Menge des Pflanzenschutzmittels, das versprüht wird. Das spart den Landwirten nicht nur Geld, sondern schont auch die Umwelt – und es ist sehr wichtig in Zeiten, in denen selbst minimalste Mengen gesundheitsgefährdender Stoffe in Produkten nachgewiesen werden können.

Grundstein für Betrieb 1924 gelegt

Den Grundstein des Unternehmens hatte der Großvater von Bernd Wittrock, Bernhard Wittrock, im Jahr 1924 gelegt. Er war Schmiedemeister, Pferde und Sensen waren in der Landwirtschaft von damals unerlässlich. „Als mein Vater Hans nach dem Zweiten Weltkrieg den Betrieb übernahm, rieten ihm die Banken noch, weiter auf Pferde zu setzen“, berichtet Bernd Wittrock aus den Erzählungen seines Vaters, der 2006 verstorben ist. Hans Wittrock aber erkannte schon früh die Vorteile von Traktor, Ottomeyer-Tiefpflügen, ersten Erntemaschinen, war aber auch im Bereich Be- und Entwässerungsanlagen und der Stromversorgung tätig. Zugute kam ihm damals der sogenannte Emslandplan, der ab 1951 viele Millionen D-Mark vornehmlich aus den USA ins damals arme Emsland spülte. Dutzende neu parzellierte und gebaute landwirtschaftliche Betriebe stattete Hans Wittrock mit Landtechnik aus und hatte somit nicht unwesentlichen Anteil am wirtschaftlichen Aufschwung in der Region.

In den 1970er-Jahren kam die Melktechnik hinzu, bei der Hans Wittrock eine pfiffige Idee hatte: Damit die Lkw der Molkereien nicht mehr täglich die zum Teil entlegen liegenden Höfe anfahren mussten, stattete er viele mit modernen Melkanlagen samt neuartiger Kühltechnik aus. Die Anlagen überließ er den Landwirten häufig kostenlos, dafür strich er den Aufschlag auf den Milchpreis ein, den die Molkereien wegen der Einsparungen in der Logistik ausbezahlten. Nicht weniger pfiffig war die Idee von Hans Wittrock, neben Landmaschinen auch Haushaltswaren und -geräte wie Waschmaschinen, Trockner und Geschirrspüler zu verkaufen. Den Bereich verantwortete seine Frau Margarete. So konnte bei Geschäften mit den Landwirten auch die Frau auf dem Hof glücklich gemacht werden, was nicht selten den Ausschlag für den Kauf einer teuren Landmaschine gab.

Inzwischen mehr als 100 Mitarbeiter

Unter der Führung von Bernd Wittrock und seiner Frau Maria, die Diplombetriebswirtin ist und sich um das Finanzwesen kümmerte, entwickelte sich das Unternehmen zu einem führenden Anbieter von Landmaschinen, Melktechnik und Motorgeräten für den Garten mit derzeit 102 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von rund 25 Millionen Euro. Haushaltswaren und -geräte gibt es seit den 1990er-Jahren nicht mehr, dafür wuchs der Bereich Melktechnik, bei dem es ähnlich wie bei den Erntemaschinen häufig darauf ankommt, die von großen Herstellern hergestellten Komponenten so zusammenzustellen oder anzupassen, wie es der Landwirt in seinem Stall benötigt.

Krisen in der Landwirtschaft in den vergangenen Jahren wurden auch deshalb gut überstanden, weil Bernd und Maria Wittrock darauf achteten, dass keiner der drei Unternehmensbereiche zu groß wurde und es immer bei jeweils etwa einem Drittel Anteil am Umsatz blieb. 2015 kam ein zweiter Standort in Georgsheil im Landkreis Aurich hinzu, mit Jens Moormann-Schmitz wurde ein zweiter Geschäftsführer eingestellt.

Vierte Generation im Unternehmen tätig

Mit Sohn Heiko Wittrock ist die vierte Generation bereits im Unternehmen tätig. Und wie groß der Familienzusammenhalt ist, verdeutlicht die Tatsache, dass alle noch lebenden Generationen auf dem Firmengelände an der Dorfstraße in Rhede-Brual leben. Dazu gehören neben Heiko Wittrock, seiner Frau Kerstin und den Kindern Hannes (sechs Monate) und Leonie (eineinhalb Jahre alt) Bernd und Maria Wittrock sowie die inzwischen 86-jährige Margarete Wittrock.

Wachstumspotenzial sieht die Familie in der weiteren Automatisierung in der Landwirtschaft sowie der Verarbeitung und Nutzung der Daten, die dabei gewonnen werden. IT-Fachwissen wird neben Maschinenbau-Kompetenz daher immer mehr gefragt sein, meint der Geschäftsführer. Als „begrenzenden Faktor“ sieht Bernd Wittrock jedoch den Nachwuchsmangel. „In den 1960er- und 1970er-Jahren fehlte es am Material, Personal zu bekommen war damals kein Problem. Heute ist Material kein Problem, und auch Arbeit ist genug da, dafür fehlt es an Personal“, verdeutlicht der 55-Jährige.


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