Ein historischer Schatz zieht um Rheder Heimatarchiv wandert unters Rathausdach

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Rhede. Jahrzehntelang hat der Rheder Heimatforscher und Ehrenbürger Albert Vinke in seinem Wohnhaus ein Archiv aufgebaut, gehegt und gepflegt. Nun wandert die stattliche Sammlung unter das Dach des Rathauses der Einheitsgemeinde. Damit will der 81-jährige Vinke rechtzeitig sichergestellt wissen, dass sie erhalten, fortgesetzt und öffentlich zugänglich wird.

Die Kinder des Rheders sind längst erwachsen und aus dem Haus. Ihnen fehlten zudem Zeit und Interesse an der Fortsetzung seiner Arbeit, sagt Vinke im Gespräch mit unserer Redaktion. Deshalb sieht er sein Archiv in einem öffentlichen Gebäude gut aufgehoben.

Die Gemeinde hat für die Sammlung im Dachgeschoss Platz geschaffen, unter anderem für 70 säurefeste Kartons mit ebensolchen Umschlägen aus Vinkes heimathistorischem Schatz. Er umfasst außer der gesamten Rheder Ortsgeschichte, Dokumente über die Emsregulierung, Nachlässe und Hofgeschichten unzählige Seiten unserer Zeitung. „Die Ems-Zeitung war und ist für mich immer wichtig. Ich habe stets eine Schere neben der Zeitung liegen“, sagt Vinke.

Gruppe steckt mitten in der Arbeit

Für den Umzug und professionellen Aufbau des Archivs im Rathaus mit wertvollen Tipps aus dem Staatsarchiv und dem Diözesanmuseum in Osnabrück hat der 81-Jährige eine kleine Arbeitsgruppe um sich geschart, der außer Vinke und seiner Frau Magdalena, die seit Jahrzehnten mit großer Leidenschaft alte Schriften transkribiert, die Diplom-Bibliothekarin Maria Ruholl und Gebina Bors, eine pensionierte Lehrerin, angehören. Die Gruppe steckt mitten in der Arbeit. Derzeit wird alles inventarisiert. Jede Sammelmappe wird mit einem Inhaltsverzeichnis versehen. Zudem erstellt die Gruppe, die etwa einmal in der Woche zusammenkommt, ein Findbuch samt Stichwortverzeichnis und Verschlagwortung.

Mit Bierdeckeln angefangen

Vinkes Sammelleidenschaft beginnt im Jugendalter. Zunächst beschränkt sie sich auf Bierdeckel und Streichholzschachteln. Auch diese Sammlungen befinden sich nach wie vor im Besitz es Heimatforschers. Ein besonderer Schatz sind die mehr als 1000 Bierdeckel. Auf ihnen haben Vinke und ein Kumpel, mit dem er bis heute befreundet ist, einst handschriftliche Botschaften über Mädchen ausgetauscht, für die sie sich interessierten.

Ein Schlüsselerlebnis als Startschuss für das Heimatarchiv, mit dessen Aufbau er Anfang der 1950er-Jahre begann, existiert Vinke zufolge hingegen nicht. Als Kind hätten ihn die Erlebnisse des Zweiten Weltkrieges geprägt. In seinem 2015 erschienenen Buch über das Kriegsende in Rhede beschreibt Vinke, wie er dabei zusah, als sein damals elf Jahre alter Bruder Heinrich von einem Granatsplitter am Hals getroffen, am Rande eines Laufgrabens in den Armen seines Vaters verblutete.

(Weiterlesen: „Rhede war nur noch ein Trümmerhaufen“)

„Die Kriegserlebnisse trage ich bis heute in mir. Ich wollte alles darüber festhalten“, sagt Vinke.

Über ehrenamtliche Vereinsarbeit beispielsweise in der Kolpingsfamilie, im Kirchenvorstand und beim SuS Rhede bekommt Vinke regelmäßig Zugang zu alten Schriften. Vieles erscheint ihm ungeordnet. Dazu zählt er vor allem das Pfarrarchiv – und zwar von Handwerkerrechnungen über den Kirchenbau bis hin zu Totenbildchen. Besonders intensiv widmet sich Vinke darüber hinaus der Geschichte des Borsumer Künstlers Bernhard Heller. Die Sammelleidenschaft wächst und wächst. „Ich konnte alles gebrauchen“, sagt Vinke, der als gelernter Maurer nach einer Umschulung zum Techniker hauptberuflich 30 Jahre als Statiker tätig gewesen ist.

Bürger erster, zweiter und dritter Klasse

Als 1979 die 1150-Jahr-Feier der Einheitsgemeinde ansteht, arbeitet Vinke erstmals an einem Büchlein zum Jubiläum mit. „So fing ich mit dem Schreiben an“, sagt der 81-Jährige. Bis heute hat er etwa 20 Bücher, Hefte und Kladden veröffentlicht.

Zu den ältesten Unterlagen zählen Steuerlisten, die bis ins 14. Jahrhundert zurückreichen. Sie offenbaren außer Namen auch Hofgrößen und Anzahl von Tieren. Aus dem Jahr 1864 stammt eine Auflistung aus dem Ortsteil Brual, die – je nach Hofgröße – Bürger erster, zweiter und dritter Klasse benennt.

Bürgermeister Gerd Conens (parteilos) ist nach eigenem Bekunden dankbar für die „wertvolle Arbeit“ Vinkes und seiner Mitstreiter. Er hofft zudem, dass sich weitere Menschen finden, die der Gemeinde heimatgeschichtliches Material zur Verfügung stellen und/oder bei der Pflege des Archivs mithelfen möchten. Interessenten können sich bei der Gemeindeverwaltung und bei Vinke melden.


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