Verwaltungschef im Interview Rhedes Bürgermeister: „Es ist richtig viel los“

Von Christian Belling


bell Rhede. Krippenbau, neues Wohngebiet, Fachkräftemangel: In vielen Bereichen ist derzeit in Rhede mächtig Tempo vorhanden. Findet auch Bürgermeister Gerd Conens (parteilos). „Es ist richtig viel los“, stellt er im Interview mit unserer Redaktion fest.

Anfang März verabschiedete der Rat Rhede einen Rekord-Haushalt, der Investitionen in Höhe von 5,9 Millionen Euro vorsieht. Zahlen dieser Größenordnung hat es davor in der Einheitsgemeinde noch nicht gegeben. Was von den zahlreichen Vorhaben konnte in der ersten Jahreshälfte bereits angestoßen oder vielleicht sogar schon umgesetzt werden? Welche ursprünglich geplanten Projekte werden vielleicht geschoben?

Als wichtigstes Projekt konnte mit den Bauarbeiten für eine weitere Krippe am Nikolaus-Kindergarten begonnen werden. Und bereits jetzt hat der Gemeinderat die Zustimmung für den Bau der fünften Krippe gegeben.

Auch die Erschließung des zweiten Bauabschnittes des Wohngebietes „Südlich Spiekweg“ mit 22 Wohnbaugrundstücken ist bereits weitestgehend abgeschlossen. Hier werden in den nächsten Wochen die ersten Notartermine stattfinden. Bei bereits 15 fest reservierten Grundstücken ist die Gemeinde schon in die Planung für die Erschließung des dritten und vierten Abschnittes eingestiegen.

An vielen Stellen im Gemeindegebiet sieht man zudem die Bagger, die Kabel für den Breitbandausbau verlegen. Und bei den anderen Projekten wie der barrierefreien Umgestaltung der Außenanlagen beim Gemeindehaus in Neurhede, der Umgestaltung der Mehrzweckhalle zur zukünftigen Nutzung als Senioren- und Jugendzentrum einschließlich Teilsanierung der angegliederten Reithalle oder der Sanierung der Sieltore, werden aktuell Pläne aus- und überarbeitet, Ausschreibungen vorbereitet und Aufträge vergeben. Es ist richtig viel los.

Ausweisung neuer Baugebiete, Erweiterungen von Gewerbeflächen oder der Kita-Anbau: In Rhede passiert aktuell an vielen Stellen einiges. Sehen Sie diese rasante Entwicklung durchweg positiv oder ist Ihnen manchmal Bange, diesem Tempo nicht standhalten zu können?

Die Projekte, die von Rat und Verwaltung gemeinsam auf den Weg gebracht worden sind, sehe ich alle als durchweg positiv und für die weitere Entwicklung Rhedes als unbedingt notwendig und erforderlich an. Hierfür ist natürlich ein besonders hoher Einsatz aller Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung erforderlich, denen ich hierfür danke. Ein besonderer Dank gilt insbesondere den Kollegen im Bauamt, die mit sehr viel Einsatz und hohem persönlichem Engagement an der Umsetzung der vielen Projekte mitarbeiten. Nicht vergessen werden darf auch die Unterstützung durch gute Beratung und Vorschläge bei der Umsetzung durch Behörden und Institutionen, wie dem Landkreis und dem Amt für regionale Landentwicklung.

Mehrmals haben Sie die Einheitsgemeinde aufgrund der zahlreichen produzierenden Betriebe bereits als „Handwerks-Hochburg“ bezeichnet. Doch diese Hochburg braucht qualifiziertes Personal. Häufig wurden von Rheder Unternehmen bereits Rufe laut, dass sie keine Facharbeiter und geeignete Nachwuchskräfte mehr finden. Wie stellt sich die Situation aus Ihrer Sicht aktuell dar?

Der Facharbeitermangel ist ein inzwischen bundesweites Thema, spielt aber in Rhede aufgrund des hohen Anteils an Firmen, die Facharbeiter benötigen, eine besonders große Rolle. Aus diesen Grund haben bereits vor vielen Jahren die Gemeinde, die Ludgerusschule und die örtlichen Betriebe eine enge Zusammenarbeit vereinbart. Schüler, Eltern und Unternehmen lernen sich dadurch frühzeitig kennen und für die richtige Berufsorientierung werden viele Wege beginnend bereits ab Klasse 5 gemeinsam beschritten.

Projekte, die in anderen Regionen Deutschlands als neu und innovativ gelten, werden bei uns schon seit vielen Jahren praktiziert und umgesetzt. Die bisherigen Ergebnisse zeigen der Schule, den Schülern, den Betrieben und der politischen Gemeinde, dass wir uns auf dem richtigen Weg befinden. Bestätigt wurde uns dies auch durch die erneute Vergabe des Gütesiegels „Startklar für den Beruf“.

Auch die Rheder Betriebe gehen innovative Wege, um Facharbeiter auf die Region und die Unternehmen in der Einheitsgemeinde aufmerksam zu machen. Im Januar wurde der Imagefilm „Rhede: So viel Leben“ präsentiert. Dabei war nicht Ziel, eine schöne und funktionierende Gemeinde zu zeigen, die wir sowieso sind. Intention des Filmes war, auf Rhede regional und überregional aufmerksam zu machen und die Attraktivität der Arbeitssituation sowie der Lebensqualität insbesondere bezogen auf Wohnumstände und Perspektive zu vermitteln. Die vielen positiven Rückmeldungen nach der Erstausstrahlung, die seitdem neu bei Rheder Betrieben eingestellten Arbeitnehmer sowie der Verkauf von Baugrundstücken an junge Familien nicht nur aus Rhede zeigen uns, dass dieses Filmprojekt ein voller Erfolg ist.

Welche Rolle spielt dabei der örtliche Verein für Handel, Handwerk und Gewerbe, der alte Strukturen aufbrechen möchte und sich moderner aufstellen will?

Der HHG Rhede hat sich der positiven Weiterentwicklung der Betriebe wie auch der Kommune mit ihren Menschen, ihren Vereinen und Gruppen, verschrieben. Dieses galt schon immer, wurde mit der Neuaufstellung im Jahr 2016 noch einmal deutlicher gemacht. Themen wie die Zusammenarbeit mit der Ludgerusschule oder die Mitwirkung in anderen berufsständischen Organisationen wie der IHK, der Handwerkskammer oder der Kreishandwerkerschaft sowie der direkte Kontakt zu Rat und Verwaltung der Gemeinde waren immer schon von hoher Bedeutung und wurden dadurch, das sie als Aufgabe in die Satzung aufgenommen worden sind, nochmals deutlich bestätigt. Zusammen mit einem motivierten Führungsteam hat dieses zu einer Verdoppelung der Mitgliederzahlen auf fast 100 Betriebe und Privatpersonen geführt.

Veranstaltungen mit hoher Beteiligung der Mitglieder wie regelmäßige Unternehmertreffen zeigen den Zusammenhalt und die Stärke. Der HHG kann dadurch auch als Sprachrohr der Wirtschaft der Einheitsgemeinde zu kommunalen, regionalen wie überregionalen Themen Stellung beziehen und Maßnahmen wie das „Heimatshoppen“ unterstützen. Und, um auf die Eingangsfrage zurückzukommen, natürlich ist ein starker HHG immer auch ein starker Partner für die Schule wie für seine Mitgliedsbetriebe, so dass gemeinsame Interessen wie die im September geplante „Rheder Ausbildungsbörse“ oder ein Imagefilm zur Mitarbeitergewinnung erfolgreich umgesetzt werden können.

Anfang Mai rollte erstmals der „Mobile Einkaufswagen“ für Senioren durch die Einheitsgemeinde. Die Resonanz war bei der Premiere noch verhalten. Wie wird das Angebot mittlerweile angenommen?

Nachbarschaftliches Engagement und familiäre Unterstützung haben in Borsum, Neurhede, Brual und Rhede einen sehr hohen Stellenwert. Hier sind Strukturen über viele Jahre gewachsen und es besteht großes Vertrauen zwischen den Beteiligten, die sich beispielsweise beim Einkaufen seit langem unterstützen. Durch die „mobile Einkaufshilfe“ sollen diese Strukturen, für die wir alle dankbar sind, nicht ersetzt, sondern ein ergänzendes Angebot geschaffen werden. Dieses ergänzende Angebot wird derzeit von etwa fünf Senioren regelmäßig angenommen. Wir denken, dass die Teilnehmerzahlen zum Herbst noch gesteigert werden können. Besonders dankbar bin ich für die vielen freiwilligen Unterstützer. Aktuell stehen rund zehn Helfer als Mitfahrer sowie zur Unterstützung beim Einkauf zur Verfügung.

Zwei Dörfer – ein Ziel: Die Entwicklung des Ortes vorantreiben. Anfang des Jahres haben rund 60 Neurheder und Brualer am Auftakt des „Emsland Dorfplanes“ teilgenommen. Welche Entwicklung hat das Projekt genommen und können die Ergebnisse auch Auswirkungen auf die gesamte Einheitsgemeinde haben?

Brual und Neurhede sind neben wenigen weiteren Gemeinden im Emsland in dieses Modellprojekt aufgenommen worden. Die Stärken und Schwächen von Neurhede und Brual wurden von den Bürgern in mehreren Projektrunden mit professioneller Unterstützung ermittelt und analysiert. Handlungsempfehlungen zum Abbau von Schwächen und zum Ausbau der Stärken wurden erarbeitet und werden derzeit konkretisiert sowie Möglichkeiten einer Umsetzung geprüft. Die Ergebnisse werden im August der Bevölkerung vorgestellt und bei der Weiterentwicklung der Gemeindeteile und damit der gesamten Einheitsgemeinde Rhede berücksichtigt werden.

Worüber haben Sie als Bürgermeister am meisten gefreut, wenn sie das erste halbe Jahr 2018 kurz Revue passieren lassen? Was erwarten Sie für das zweite Halbjahr?

Es sind die bereits eingangs genannten Themen: Der Baubeginn der vierten Krippe im Nikolauskindergarten verbunden mit dem einstimmigen Votum des Gemeinderates für den weiteren Ausbau der Kindergartenlandschaft in Rhede sowie die positive Entwicklung unserer Baugebiete, nicht nur in Rhede, sondern auch in Neurhede und Brual. Für das zweite Halbjahr wünsche ich mir bei den Ausschreibungen für weitere Baumaßnahmen gute Ergebnisse, eine weiterhin gute Zusammenarbeit zwischen Gemeindeverwaltung und Gemeinderat und, dieser Wunsch mag mir auch gestattet sein, am dritten Wochenende im September gutes Wetter für gelungene Rheder Markttage, an denen Jung und Alt aus Nah und Fern in Rhede zusammenkommen und schöne Tage miteinander verbringen.


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