EZ-Volontärin traut sich Mutprobe mit Aussicht: Auf der Gondel eines Windrades in Rhede

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Von der Gondel des Windrades aus, kann Katharina Preuth über Felder und Wälder schauen. Foto: Fabian BollVon der Gondel des Windrades aus, kann Katharina Preuth über Felder und Wälder schauen. Foto: Fabian Boll

Rhede. Auf die Gondel eines 149 Meter hohen Windrades in Rhede hat sich EZ-Volontärin Katharina Preuth getraut. Statt die Aussicht zu genießen, war sie jedoch eher panisch.

Zum Glück ist es windstill an diesem Tag. Denn auch ohne stürmische Böen ist es in fast 150 Meter auf der Gondel eines Windrades ungemütlich, zumindest für jemanden mit ausgeprägtem Respekt vor der Höhe. Während ich zwischen den gewaltigen Flügeln sitze und mich mit schwitzigen Händen am Boden unter mir festkralle, lerne ich Fabian Boll, Servicemonteur bei Enercon, Hersteller für Windenergieanlagen, kennen.


Die Servicemonteure Alexander Wilhelm (links) und Fabian Boll begleiten die Besucher in die Gondel des Windrades. Foto: Katharina Preuth


Er erzählt mir, was genau ich von hier oben sehen könnte, wenn ich nur kurz einmal hochschauen würde. Ganz vorsichtig blicke ich in die Richtung, in die er weist. Und tatsächlich, ganz weit am Horizont entdecke auch ich die weißen Hallen der Papenburger Meyer Werft, die Luftlinie immerhin fast 15 Kilometer entfernt sind. 


Die Papenburger Meyer Werft ist vom Windrad aus gut zusehen. Foto: Katharina Preuth


Ansonsten breiten sich Felder und vereinzelte Waldflächen unter uns aus. Während Boll sich leichtfüßig auf der Gondel bewegt, reicht es mir nach wenigen Minuten. Statt mich an die Höhe zu gewöhnen, beginnt eher die Panik, die ich während des Aufstieges erfolgreich unterdrücken konnte, Oberhand zu gewinnen.



Zunächst gibt es eine Sicherheitsunterweisung

Noch am Fuße der Anlage bekomme ich, bevor es hinaufgeht, neben einem Sicherungsgeschirr, einem Helm und Handschuhen, auch eine Unterweisung. Pierre Knoppe, Mitarbeiter bei Ems Windmanagement und Service Gmbh & Co. KG, erklärt, dass mich zunächst ein Zwei-Personen-Lift etwa 130 Meter nach oben fährt. 


Für den Aufstieg benötigt Katharina Preuth ein Sicherungsgeschirr. Pierre Knoppe gibt ihr eine Einweisung. Foto: Alexander Wilhelm


Die restliche Strecke müsse ich kletternd über eine Leiter bewältigen. Dafür werde ich dann an Hüfte und Brust mit der Leiter verbunden sein und verschiedene Mechaniken würden verhindern, dass ich abstürze. „Und das ist wirklich sicher?“, frage ich. „Es sei fast noch nie etwas passiert, antwortet Knoppe. Und meint das „fast“ wohl nur als Scherz. „Ernsthaft, nimm dir alle Zeit der Welt, keiner drängt dich“, versucht er mich zu beruhigen. Zunächst steige ich aber in den Lift. Dicht gedrängt stehe ich neben David Behrens, einem weiteren Servicemonteur, der heute den Job des Liftboys übernommen hat. 


Mit Servicemonteur David Behrens geht es im Lift nach oben. Foto: Alexander Wilhelm

Acht Minuten im Lift

Ganze acht Minuten braucht das wackelige Gefährt. Während dieser Zeit, die mir unendlich vorkommt, frage ich meinen Mitfahrer aus, hauptsächlich um mich abzulenken. „Seit wann arbeitest du hier? Hast du keine Angst? Was passiert, wenn ich auf der Leiter nicht weiterkomme?“ Ich kann mich an keine einzige Antwort erinnern, aber irgendwann sind wir am Ziel. Die Plattform, auf die ich hinaustrete und von der aus es per Leiter weitergeht, versperrt die Sicht nach unten. Trotzdem bleibt das mulmige Gefühl, ganz hoch oben zu sein. Doch für den Rückweg scheint es mir zu spät, die Blöße will ich mir, kurz vor dem Ziel, nicht geben. Innerhalb weniger Sekunden stehe ich schon in der Gondel. Das letzte Stück war ein Klacks. Ohne Angst stehe ich dann also endlich neben Fabian Boll, der mich oben in Empfang nimmt. „Das Schwierigste habe ich geschafft“, denke ich noch, als Boll vorschlägt, zumindest einen Blick aus der Gondel heraus zu wagen. „Nein, Nein, bitte nicht!“, will ich eigentlich sagen. „Klar, gerne, warum nicht?“, tönt es auch meinem Mund.


Mutprobe mit Aussicht: Irgendwo dahinten müsste die Nordsee sein. Foto: Katharina Preuth


Mit zitternden Beinen, vor Stolz geschwellter Brust und dem Schwur im Hinterkopf, nie wieder ein Windrad zu besteigen, komme ich nach dieser Erfahrung sicher unten an.


Kathi traut sich

In der Serie „Kathi traut sich“ geht EZ-Volontärin Katharina Preuth regelmäßig über ihre Grenzen. Heute traut sie sich auf die Gondel eines 149 Meter hohen Windrades im Windpark Rhede.

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