Serie „Mein Job und ich“ Campingplatzbetreiber aus Rhede: Erfolgreich, weil einfach

Von Daniel Gonzalez-Tepper


Rhede. In unserer Serie „Mein Job und ich“ sprechen diesmal Klaus und Sonja Neuenstein, Betreiber des Campingplatz Neuengland in Rhede, über das „Einfach-Konzept“, den Unterschied zwischen Dauercampern und Tagesgästen und kuriose Erlebnisse.

Herr Neuenstein, Sie sind eigentlich Landwirt. Inzwischen sind Sie Inhaber eines Campingplatzes. Wie kam es zu dem Wandel?

Klaus Neuenstein: Erste Ideen, hier im Umfeld unseres Hofs etwas touristisches anzubieten, hatten meine Eltern Gerhard und Helena Neuenstein. Sie haben im kleinen Stil unter dem Motto „Ferien auf dem Bauernhof“ Touristen in Ferienwohnungen beherbergt. Wir haben hier viel Platz, und nach Aufgabe des landwirtschaftlichen Betriebes kam meiner Frau Sonja und mir die Idee, einen Campingplatz zu eröffnen, um den Tourismus weiter auszubauen. Die Genehmigung eines Campingplatzes hat dann fast vier Jahre gedauert, richtig angefangen haben wir 2012 mit knapp 60 Stellplätzen. Inzwischen sind wir nach der bisher letzten Erweiterung 2015 bei etwa 120. Ein Bauantrag für eine Erweiterung um etwa 60 weitere Plätze läuft derzeit.

Warum ist ihr Campingplatz so beliebt, Frau Neuenstein?

Sonja Neuenstein: Ich denke, weil wir einfach geblieben sind. Bei uns gibt es fast alles ohne Aufpreis. Kinder können sich hier frei bewegen. Wir haben zum Beispiel einen Schwimmteich mit kleinem Sandstrand, einen Spielplatz, den wir 2017 komplett erneuert haben, einen Streichelzoo mit Alpakas, Ziegen und Schafen, einen kleinen Kiosk mit Aufenthaltsraum und einer überdachten Terrasse. Auch der Brötchenservice wird sehr gut angenommen. Auch die Mund-zu-Mund-Propaganda oder die Aufnahme in Campinggruppen im Internet haben ihren Teil dazu beigetragen.

Was ist Ihnen lieber. Dauercamper oder Tagesgäste?

Klaus Neuenstein: Beide sind wichtig. Die Dauercamper für das Gemeinschaftsgefühl hier auf dem Platz und die Tagesgäste, weil dadurch immer frischer Wind hineinkommt und sie auch aus betriebswirtschaftlicher Sicht wichtig sind. Man lernt immer wieder tolle Menschen kennen. Zwischen einigen untereinander und zu uns sind echte Freundschaften entstanden. Zum 50. Geburtstag meiner Frau im Mai beispielsweise gab es von Gästen als Geschenk ein Wellnesswochenende. Das war eine tolle Überraschung.

Woher stammen die Camper überwiegend?

Klaus Neuenstein: Viele Gäste stammen aus Nordrhein-Westfalen, durch die Nähe zur Autobahn 31 sind sie schnell hier, einige kommen fast jedes Wochenende. Es reisen auch viele aus den Landkreisen Leer und Aurich an oder über die Grenzen hinweg aus den Niederlanden. Camper, die auf der Durchreise sind, stammen auch mal aus Norwegen, Schweden und so weiter.

Von wann bis wann ist bei Ihnen Saison?

Sonja Neuenstein: Die Saison beginnt am 1. März, dann gibt es immer ein Begrüßungsfrühstück. Das ist wie ein großes Wiedersehen nach der Winterpause und wird immer gut angenommen. Ausgebucht beziehungsweise sehr gut besucht sind wir meist an den Feiertagen und in den Ferien. Die Saison endet dann, abhängig von den Herbstferien, Ende Oktober / Anfang November.

Was sind Ihre Hauptaufgaben als Betreiber?

Klaus Neuenstein: Meine Frau kümmert sich morgens um den Brötchenservice und den Verkauf am Kiosk. Zu bestimmten Uhrzeiten morgens und abends findet bei uns die Müllannahme statt. Wenn Gäste anreisen, begrüßen wir sie, begleiten sie zu ihrem Stellplatz, lesen den Stromzähler ab, informieren über unseren Campingplatz oder gegen Tipps für Ausflüge in der Region. Wenn Gäste abreisen möchten, steht die Abrechnung an. Zwischendurch oder abends, so wie es zeitlich passt, müssen im Büro Buchungsbestätigungen und Anfragen, Abrechnungen und Statistiken erledigt werden.

Machen Sie alles in Eigenregie?

Sonja Neuenstein: Größtenteils. Unser 14 Jahre alter Sohn Jonas hilft uns bei einigen Dingen. Für das Rasen mähen, das Reinigen des Sanitärgebäudes und der Ferienunterkünften haben wir mittlerweile drei super zuverlässige Personen auf 450-Euro-Basis eingestellt.

Gibt es auch mal Ärger mit den Campern?

Klaus Neuenstein: Eigentlich kaum. Zu Beginn der Nachtruhe um 23 Uhr laufe ich noch einmal über dem Campingplatz und sehe nach, ob alles in Ordnung ist und alles in Ruhe vonstatten geht. Gäste, die zu laut sind, werden gebeten, sich in Zeltlautstärke zu unterhalten. Für die Jugendlichen haben wir einen Raum, Chill-Scheune genannt, eingerichtet, wo sie unter sich sein können.

Haben Sie mal kuriose Erlebnisse mit Campern gehabt?

Sonja Neuenstein: Ein Ehepaar, das mit dem Wohnmobil angereist ist, hat sich mal ein ruhiges Plätzchen ohne Kinder in der Nähe gewünscht, die Aussage „Wir haben eine Kinderallergie“ fand ich schon kurios. Aber wir sind nunmal ein Platz, bei dem viele mit Kinder oder Enkelkinder anreisen, da wäre es schwierig gewesen, diesen Wunsch zu erfüllen. Wir hatten an diesem Wochenende aber auch keinen Platz frei und das Ehepaar ist weitergefahren.

Das Thema Brandschutz ist bei Campingplätzen nicht unwichtig, wie andere Beispiele zeigen. Wie haben Sie das gelöst?

Klaus Neuenstein: Unsere Wege sind breit angelegt, damit im Notfall die Feuerwehr gut durchkommt. In eigener Initiative haben wir die Feuerwehr Rhede gebeten, eine Testfahrt mit ihrem großen Löschfahrzeug zu machen. Auch wichtig sind ausreichend Feuerlöscher, eine Sammelstelle und die Teilnahme an einem Brandschutzlehrgang. Unsere Teiche dienen im übrigen als Löschteiche.

Sie haben einen Antrag auf Erweiterung gestellt. Wie kam es dazu?

Klaus Neuenstein: Die Nachfrage nach Plätzen für Dauercamping und Tagesgäste ist einfach da. Durch die Aufgabe des angrenzenden Hofes hat sich die Gelegenheit ergeben, ein etwa 15.000 Quadratmeter großes Grundstück zu kaufen. Etwa 5000 Quadratmeter möchten wir als Ausgleichsfläche nutzen und auf etwa 10.000 Quadratmeter rund 60 neue Stellplätze anlegen. Wir hoffen natürlich, dass es mit der Erweiterung klappt.

Und irgendwann übernimmt Sohn Jonas?

Sonja Neuenstein: Das wird sich zeigen. Er muss erst einmal die Schule beenden und eine Ausbildung machen. Spaß daran hätte er, glaube ich schon. Wir hoffen natürlich, dass wir gesundheitlich fit bleiben und noch etliche Jahre den Campingplatz betreiben können.