Halbes Jahr in Seoul gelebt Südkorea-Kennerin aus Rhede drückt DFB-Team die Daumen

Meine Nachrichten

Um das Thema Rhede Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Rhede. Wenn die deutsche Fußballnationalmannschaft am Mittwoch gegen Südkorea um die Qualifikation für das WM-Achtelfinale kämpft, schaut Laura Geiger aus Rhede ganz besonders hin. Ein halbes Jahr lebte und arbeitete die 21-Jährige in dem asiatischen Land, das sie tief in ihr Herz geschlossen hat.

„Ich glaube schon, dass heute in fast jeder südkoreanischen Wohnung der Fernseher läuft und das Spiel gesehen wird“, teilt Geiger im Gespräch mit. Obwohl nach ihren Worten in dem ostasiatischen Staat Baseball und Golf noch beliebter seien, hat auch das runde Leder einen hohen Stellenwert.

Nach ihrem Abitur verbrachte die Rhederin von Januar bis Juli 2016 ein halbes Jahr in Südkorea. „Ich wollte unbedingt ins Ausland. Aus meinem Abijahrgang gingen alle nach Amerika oder Australien. Das was jeder macht, wollte ich aber nicht“, erklärt Geiger, die derzeit in Groningen „International Business Management“ studiert. Also hielt sie Ausschau nach anderen Kontinenten und landete schließlich in Asien. „Ich bin offen für alles. Es hätte auch irgendwo anders auf der Welt sein können.“

Gangnam Style: „Ein schreckliches Lied“

Das es schließlich Südkorea wurde, hat sie nie bereut. „Es waren tolle und intensive sechs Monate.“ Während der Zeit arbeitete die 21-Jährige in einem Hotel in der Hauptstadt Seoul. Genauer gesagt im Stadtteil Gangnam, der international durch den Hit „Gangnam Style“ bekannt wurde. „Ein schreckliches Lied. Glücklicherweise musste ich nie den Tanz dazu aufführen“, teilt Geiger mit einem Lachen mit.

Große Wertschätzung gegenüber Deutschen

Vor ihrer Abreise aus Deutschland wurde sie von Freunden und Bekannten mit einigen Vorurteilen konfrontiert. „Die essen da doch alle Hunde, sind nur 1,50 Meter groß und haben ein gelbes Gesicht mit kleinen Augen. Das habe ich häufiger gehört, der Wahrheit entspricht dies natürlich nicht“, erklärt die 21-Jährige. Vielmehr habe sie Südkorea als ein „tolles Land mit sehr höflichen, hilfsbereiten und gastfreundlichen Menschen“ kennengelernt. Besonders gegenüber Deutschen sei der Wertschätzung groß.

Nie mit Jogginghose aus dem Haus

Die Rhederin beschreibt die Südkoreaner als ein technisch sehr fortschrittliches, aber stilles Volk, gar nicht so laut und bunt wie gedacht. „In der U-Bahn hört man kein Kind schreien. Das ist bei uns schon anders.“ Was ihr besonders auffiel, ist das „immer perfekte Styling“ der Südkoreaner. „Da geht keiner mit einer Jogginghose aus dem Haus. Auch nicht zum Bäcker um die Ecke.“

Garküchen auf der Straße

Auch das landestypische Essen hat es Geiger angetan. „Mit einem asiatischen Restaurant in Deutschland ist dies aber nicht zu vergleichen.“ Besonders lecker sei „Kimchi“, ein eingelegter Kohl mit einem „sehr intensiven Geruch.“ Auch an den Garküchen auf der Straße mit Teigtaschen oder Gemüsepfannkuchen habe sie Gefallen gefunden. Dies in der deutschen Heimat nachzukochen, sei kaum möglich. „Dafür fehlen hier einfach die Supermärkte, die solche Zutaten in ihrem Sortiment haben.“ Was ihr in Asien aber kulinarisch gefehlt habe, war das deutsche Brot. „Ich weiß, das sagt jeder. Aber in Südkorea ist alles süß.“ Bei ihrer Rückkehr nach Deutschland haben die Eltern zum Flughafen Salami- und Käsebrote mitgebracht. „Danach stand mir nach den sechs Monaten einfach der Sinn.“

„Nordkorea macht eh nichts“

Ein „mulmiges Gefühl“ hatte die 21-Jährige während ihrer Zeit in Südkorea hinsichtlich des Konfliktes mit dem nordkoreanischen Nachbarn. „Seoul ist 60 Kilometer von der Grenze entfernt. Näher dran war ich auch nie“, erinnert sich Geiger. Auf die Südkoreaner habe die politische Situation indes keinen Einfluss auf ihr Leben. „Die denken sich, dass Nordkorea eh nichts macht. Eine Wiedervereinigung wünschen sich aber alle.“

Bald in Bangkok

Für die Studentin könnte sich schon bald die Möglichkeit für eine baldige Rückkehr nach Südkorea ergeben. Während ihres Studiums ab August ein sechsmonatiges Auslandssemester in Bangkok auf dem Plan. „Ich habe schon einige Einladungen von Freunden für einen Abstecher nach Südkorea bekommen“, so Geiger.

Doch das ist noch Zukunftsmusik. Viel näher dran ist da das Spiel der Deutschen am Mittwoch gegen Südkorea. Wem sie die Daumen drückt? „Ganz klar für Deutschland. So weit geht die Zuneigung dann doch nicht.“


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN