Gründer von LandsAid Rheder ist in den Krisengebieten der Welt unterwegs

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Hans Musswessels ist gebürtiger Rheder. Foto: Simone ScharnitzHans Musswessels ist gebürtiger Rheder. Foto: Simone Scharnitz

Rhede. Die Mitgliederversammlung der Hilfsorganisation LandsAid findet am Wochenende in Rhede statt, in der Heimat des Gründungsmitgliedes Hans Musswessels. Zu diesem Anlass spricht er im Interview mit unserer Redaktion über vergangene Projekte und gefährliche Einsätze.

Was war das größte Projekt in letzter Zeit?

Das größte Projekt war im Kongo, in Bukavu, eine Stadt mit mehr als eine Millionen Einwohnern. Das Projekt hat ein Volumen von circa 400.000 Euro. Es wird hauptsächlich über ein Programm des Bundesamtes für Entwicklung und Zusammenarbeit finanziert. Wir haben ein bestehendes, nennen wir es mal, Krankenhaus saniert, für Strom gesorgt und medizinisches Equipment bereitgestellt, darunter Operationsgeräte und ein Sonargerät. Das Ganze begleitet über zwei Jahre.

Was haben sie in den zwei Jahren genau gemacht?

Ehrenamtliche von uns haben Schulungen für Hebammen gegeben und zur medizinischen Früherkennung. Und sie haben die Mitarbeiter vor Ort in der Handhabung des Sonogerätes geschult. Das ist oft das Problem, dass man medizinisches Gerät zur Verfügung stellt, aber es nicht genutzt wird, weil keiner weiß, wie man damit umgeht. Damit die Geräte langfristig genutzt werden können, haben wir sie auch vor Ort gekauft. Das ist erst einmal etwas teurer, aber sie können dann dort gewartet werden. Sonst stehen die Geräte nach einem halben Jahr ungenutzt herum. Insgesamt sind wir dreimal mit vier Leute hingeflogen.

Waren Sie auch dabei?

Als das Projekt 2016 angefangen hat, bin ich in den Kongo geflogen. Es ist mir wichtig, dass, wenn ein Projekt beginnt, ich vor Ort bin. Ich komme auch aus der Medizin, da konnte ich meine Erfahrung mit einbringen.

An welchem Projekt arbeiten Sie zur Zeit?

Ich bin selbst nicht mehr so viel unterwegs, wir haben uns neu aufgestellt. Dieses Jahr werde ich aber wahrscheinlich noch nach Liberia fahren, da stehen wir mit einem neuen Partner in Kontakt. Bevor wir die Zusammenarbeit aufnehmen, führen wir einen sogenannten „cross check“ durch. Zum einen schicken wir grundsätzlich jemanden hin, um den Partner zu prüfen, aber wir versuchen auch über verschiedene Plattformen Informationen über die NGOs im Land zu bekommen. Meine Einreise ist geplant, aber manchmal ist es schwierig. Zum Beispiel versuchen wir seit Monaten, in den Jemen einzureisen, aber es ist kein Einreisevisa zu bekommen.

Was geschieht, wenn sie im Jemen nicht vor Ort helfen können?

Wir unterstützen unseren Partner finanziell. Sie verteilen Hygiene-Kits und bauen die Sanitäranlagen in einer Schule wieder auf. Die Hygiene ist enorm wichtig, denn nur so können Krankheiten wie Cholera eingedämmt werden. Und Cholera ist im Jemen ja bereits ausgebrochen.

Verfolgt LandsAid noch weitere aktuelle Projekte?

Wir versorgen Flüchtlinge aus Ost-Ghouta, östliche von Damaskus. Viele von ihnen sind nach Jordanien an die syrische Grenze geflohen, dort haben sich wilde Camps gebildet, um die sich die Regierung nicht kümmert. Im Juli geht ein Team von uns runter, um die wichtigste medizinischen Versorgung vorzunehmen und um Ersthelfer auszubilden. Es müssen auch Brunnen gebohrt werden, um gefiltertes Wasser zur Verfügung zu stellen. Das Projekt ist komplett über Spenden finanziert. Wir sind zwar auch Mitglied von „Aktion Deutschland Hilft“, einem Zusammenschluss verschiedener NGOs, und partizipieren von Sammelspenden, aber wir freuen uns natürlich auch über Spenden.

Welche Herausforderung für LandsAid wird bei der Mitgliederversammlung in Rhede im Mittelpunkt stehen?

Wir werden sicherlich diskutieren müssen, ob wir mit unserem Portfolio noch auf dem richtigen Weg sind. Wir wollen nicht nur medizinische Erstversorgung leisten, sondern uns längerfristig engagieren. Ein Thema sind Unterkünfte nach Krisen, da müssen wir uns weiterentwickeln und Expertise erlangen. In Haiti ging es um vorübergehende Maßnahmen, darum, den Menschen ein Dach über den Kopf zu geben. Nach dem Hurrikane auf den Philippine steht der Wiederaufbau im Vordergrund. Da sind wir schon seit zwei Jahren aktiv. Weil wir uns längerfristig engagieren wollen, sind wir auch nicht überall. Unsere Schwerpunkte liegen in Ostafrika und Pakistan.

Den Verein LandsAid gibt es seit elf Jahren. Hat sich in dieser Zeit die Arbeit verändert?

Ja, das Ansehen von Hilfsorganisationen ist weniger geworden. Wenn wir früher mit einem weißen Wagen und Flaggen durch Krisengebiete gefahren sind, dann wurde das akzeptiert, heute ist das Gegenteil der Fall. Von den Kriegsparteien werden wir gezielt als Opfer von Angriffen ausgewählt. Sie wollen nicht, dass es nach außen dringt, was sie dort machen und dass westliche Medien berichten. Hinzukommt das Problem, in Länder einzureisen, in denen es Krisen gibt. Unsere Arbeit wird dadurch sehr erschwert. Die bürokratischen Hürden für die Einreise haben massiv zugenommen. Die Regierungen wollen kontrollieren, wer im Land ist und welche Informationen hinausgehen.

Der Verein ist auf Spenden angewiesen. Wie hat sich die Spendenbereitschaft der Menschen entwickelt?

Unsere Mitgliederversammlung findet auch darum in Rhede statt, weil wir uns bei den Emsländern bedanken wollen. Die Emsländer haben durch ihre Unterstützung dazu beigetragen, dass es LandsAid heute noch gibt. Darum wollen meine Kollegin Gaby Breuckmann aus Meppen und ich unseren bayrischen Mitarbeitern zeigen, wo wir beide aufgewachsen sind und von wo die vielen Spenden kommen.


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