Historische Sieltoranlage wird saniert Über 500.000 Euro für einzigartiges Denkmal in Rhede

Von Gerd Schade


Rhede. Sie ist die einzige ihrer Art im Emsland, buchstäblich in die Jahre gekommen und deshalb dringend sanierungsbedürftig: Für mehr als eine halbe Million Euro wird die historische Sieltoranlage in Rhede saniert.

1878 – diese Jahreszahl prangt im Mauerwerk am Backsteingewölbe des älteren der beiden Sieltore im Zuge des ehemaligen Barbarey-Schlootes, über den einst die Be- und Entwässerung des Ortsteils Borsum, des Bereiches Flaar sowie des südlichen Teils von Rhede reguliert wurde. Der jahrhundertealte Graben, dessen Namensursprung „Barbarey“ nach den Worten des Rheder Ehrenbürgers und Heimatforschers Albert Vinke unbekannt ist, hatte eine Verbindung zum heutigen Emsaltarm an der Burgstraße. Überhaupt sei die historische Quellenlage zu den Sieltoren leider sehr dürftig, sagt Vinke.

Zweites Tor um 1930 gebaut

Fest steht, dass um 1930 ein zweites Tor gebaut wurde, weil die stark schwankenden Grundwasserstände nicht mehr allein von dem älteren Sieltor reguliert werden konnten. Es verfügt über einen Doppeltordurchlass und eine tiefere Drempelanlage.

Die Sieltore, die sich mithilfe einer Handkurbel öffnen und schließen ließen, büßten ihre funktionale Bedeutung vor allem mit der Eindeichung der Ems ein. Wie Vinke weiter berichtet, wurden sie in den 1970er-Jahren endgültig stillgelegt. Heute teilt die Anlage ein Naturgewässer, das Teil eines alten Emsarmes ist, in den Sielsee und einen 180 Meter langen Graben ohne direkten Gewässeranschluss.

Mit viel Herzblut

Glücklicherweise aber seien bereits vor Jahrzehnten Überlegungen zur Entfernung der Anlage verworfen worden, betont Vinke, der nach eigenem Bekunden viel Herzblut in das Sanierungsprojekt gesteckt hat. Entsprechend froh ist er nun, dass ein „einzigartiges Kulturdenkmal“ erhalten werden könne.

Die Anlage ist bereits als Baudenkmal in das Verzeichnis der Kulturdenkmale des Landes Niedersachsen aufgenommen. Nach Angaben des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege sind die Sieltore „aufgrund ihres Zeugnis- und Schauwertes für Wirtschafts- und Technikgeschichte typische Bauwerke in der historischen Kulturlandschaft der Emsniederung“.

Nach den Worten von Landrat Reinhard Winter (CDU) ist jedes der beiden Siele für sich ein technisches Baudenkmal im Sinne des Landesdenkmalschutzgesetzes. „Beide zusammen aber bilden fast schon ein kleines technisches Freilichtmuseum, an dem die technische Fortentwicklung des Wasserbaues unmittelbar ablesbar ist.“

Nicht nur Mauerwerk beschädigt

Damit das in Zukunft so bleibt, nimmt die Gemeinde gemeinsam mit weiteren Finanzpartnern nun die Sanierung in Angriff. Bürgermeister Gerd Conens (parteilos) zufolge soll die Instandsetzung bis zum Frühjahr 2019 abgeschlossen sein. Stark beschädigt sind nicht nur Mauerwerk, Natursteinplatten, Betonbau- und Holzelemente, sondern auch Stahlbau- und Maschinenteile. Noch unklar ist, ob die Stahlteile zum Zwecke des Korrosionsschutzes vorübergehend in Gänze abgebaut und abtransportiert oder ob die Arbeiten vor Ort erledigt werden können. Wie Peter Stelzer vom ausführenden Ingenieurbüro Grote (Papenburg) weiter erläuterte, werden zudem unter anderem die Ausblühungen am Mauerwerk beseitigt, das Fugenbild neu gestaltet und die Spundwände nachgearbeitet.

Nur mit Finanzpartnern zu stemmen

Das Gesamtinvestitionsvolumen beträgt 568.000 Euro. Den Löwenanteil der Kosten trägt die Gemeinde (268.000 Euro). Darin enthalten ist auch die Teilinstandsetzung der Sielstraße. Über das Amt für regionale Landentwicklung (ARL) fließen 240.000 Euro in das Projekt. Der Landkreis und die Emsländische Sparkassenstiftung steuern jeweils 30.000 Euro bei. Ohne Unterstützer könne sich die Gemeinde das Vorhaben nicht leisten, betonte Conens. Landrat Winter, Ludwig Momann (Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Emsland) und Stefan Wilkens vom ARL sprechen übereinstimmend von „gut angelegtem Geld“. Für Conens ist die Sieltoranlage Teil eines Ensembles mit Alter Rheder Kirche, St. Nikolausstift, Sielsee, Rundwanderweg und Sportanlagen.