Serie „Mein Job und ich“ Energietechniker aus Rhede über Höhenangst, Fachkräftemangel und E-Autos

Von Daniel Gonzalez-Tepper


Rhede. Auf die elektrotechnische Ausstattung und Wartung von Windrädern hat sich Christian Schmees und sein Unternehmen aus Rhede spezialisiert. In der Serie „Mein Job und ich“ spricht der 48-Jährige über Arbeiten in großen Höhen, Elektroautos und den Fachkräftemangel.

Herr Schmees, Elektriker kennen die meisten als „Strippenzieher“ bei der Verkabelung eines Hauses. Ist das auch bei Ihnen so?

Zu Beginn meiner Laufbahn schon. Als ich mich vor gut 14 Jahren selbstständig gemacht habe, haben wir mit ähnlichen Tätigkeiten begonnen. Nach kurzer Zeit haben wir uns gezielt auf elektrotechnische Dienstleistungen in der Industrie konzentriert. Ein großer Teil dieser Dienstleistungen bestand darin, Mobilfunkstationen elektrisch auszustatten. Durch die dabei gesammelte Erfahrung im Arbeiten in großen Höhen habe ich beschlossen, den Bereich Windkraft aufzunehmen.

Was war dabei die Herausforderung?

Um ehrlich zu sein, haben wir den ersten Auftrag zunächst etwas blauäugig angenommen, ohne exakt zu wissen, wie die Lasten Kabel, die verbaut werden müssen, in diese Höhe gebracht werden können. So ein Kabel kann schnell eine Tonne und mehr wiegen. Wir haben uns dann verstärkt mit der Windentechnik auseinandergesetzt und ein System entwickelt, das ferngesteuert funktionierte. Durch diese Spezialisierung und der Eigenentwicklung gehörten wir nach kurzer Zeit zu einer der wenigen Firmen, welche Windkraftanlagen auf Gittermasten im Bereich der Mittelspannung (bis 36 Kilovolt/36.000 Volt) verkabeln konnten, und zwar bei On- und Offshore-Windparks. Und das jetzt seit mehr als zehn Jahren, seit 2012 vom Standort Rhede aus mit mittlerweile rund 30 Mitarbeitern.

Worauf kommt es dabei als Elektriker an?

Gerade im Bereich der Mittelspannung ist höchste Präzision und Sauberkeit sehr wichtig. Bei der Kabelkonfektionierung (Zusammensetzung einzelner Kabel oder Komponenten durch Steckverbindungen oder Löttechnik, d. Red.) können schon kleine Unsauberkeiten zu gravierenden Problemen und Schäden führen. Bei großen Windkraftanlagen kosten auch schon kurze Ausfälle sehr viel Geld und müssen auf jeden Fall vermieden werden.

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Das Arbeiten auf hoher See ist nicht für jeden etwas, oder?

Die Teams sind etwa 14 Tage ununterbrochen Offshore, also vor der Küste, und arbeiten mit einer Ausnahmegenehmigung in dieser Zeit täglich bis zu zwölf Stunden, sind aber danach auch etwa 14 Tage zu Hause. Das hat Nach-, aber sicherlich auch Vorteile. Obendrein wird durch Schicht- und andere Zulagen die Arbeit sehr gut bezahlt. Zu den zwölf Stunden Arbeitszeit gehören im Übrigen auch Bereitschaftszeiten. Wenn wegen des Wetters oder anderer Komplikationen nicht gearbeitet werden kann, kommt es vor, dass die Mitarbeiter längere Zeit gar nicht aktiv im Einsatz sind.

Wo leben die Mitarbeiter beim Einsatz auf dem Meer?

Auf Plattformen oder Hotelschiffen, meist ehemaligen Kreuzfahrtschiffen. Sie werden mit dem Helikopter hin- und wieder zurück geflogen. Auch, weil eine Rettung nach einem möglichen Unfall nicht so einfach ist, werden die Mitarbeiter vor einem Einsatz intensiv darin geschult, wie sie Unfälle vermeiden. Dazu gehört auch das Tragen von Schutzkleidung bei Außeneinsätzen, um sich gegen Wind und Kälte zu schützen. Das klappt auch sehr gut, die Unfallquote auf hoher See ist sehr gering.

Sind Sie ausschließlich in Deutschland aktiv?

Nein, unsere Kunden stammen aus dem europäischen Ausland, aber auch aus dem Iran, der Ukraine und Indien. Mitarbeiter von uns sind dann zeitweise vor Ort, um zum Beispiel als Supervisor Mittelspannungsarbeiten zu begleiten.

Sie sind selber begeisterter Tesla-Fahrer, also eines Elektroautos. Warum setzen sich E-Autos in Deutschland so langsam durch?

Neben der fehlenden Ladeinfrastruktur fehlt es auch an Elektrofahrzeugen für die breite Masse. Wir wollen deshalb im Bereich Ladesäulen etwas tun. Wir haben eine Ladesäule designt, die optisch ansprechend ist, um die Investition von Unternehmen im halböffentlichen Bereich attraktiver zu machen. Da es seit diesem Jahr vom Landkreis Emsland Fördergelder für die Errichtung von Ladesäulen gibt, ist das aus meiner Sicht ein weiteres Argument dafür, dass sich sowohl Unternehmen als auch Privatpersonen mit dem Thema Ladeinfrastruktur und E-Mobilität befassen sollten.

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Wenn Sie einen jungen Elektrotechniker dabei beraten müssten, sich selbstständig zu machen, was würden Sie dem sagen?

Keine Angst vor Veränderungen zu haben, für Innovationen offen zu sein und neugierig zu bleiben. Auch in meiner bisherigen Laufbahn hat gewiss nicht alles geklappt, was ich versucht habe. Mit den meisten Dingen waren wir dann doch erfolgreich. Manchmal gehört aber auch einfach Glück dazu. Und bei schwierigen Situationen sollte man nicht schnell aufgeben. Uns ist vor einigen Jahren einmal bei einer Insolvenz eines großen Kunden aus der Windkraftbranche ein erheblicher Teil des Umsatzes weggebrochen, danach haben wir uns breiter aufgestellt und konnten gestärkt aus der Situation hervorgehen.

Wo sehen Sie in nächster Zeit noch Potenzial, von den E-Ladesäulen abgesehen?

Der Bereich Photovoltaik hat in jüngerer Vergangenheit wieder angezogen und entwickelt sich durch fallende Preise sehr gut. Im Zusammenspiel mit den passenden Batteriespeichern kann das für viele Haushalte eine sehr interessante und lohnenswerte Investition sein, auch ohne staatliche Förderung.

Spüren Sie den Fachkräftemangel?

Schon seit längerem haben wir Probleme, alle freien Stellen zu besetzen. Mittelspannungstechniker ist kein Beruf, für den man eine Ausbildung absolvieren kann. Wir sind auf Elektrotechniker angewiesen, die bereit sind, sich durch Fortbildungen und Erfahrungen zum Mittelspannungstechniker weiterbilden zu lassen. Neben Neueinstellungen bilden wir selbstverständlich auch Elektroniker für Betriebstechniker aus. Wir können mit Stolz sagen, dass alle bei uns ausgebildeten Mitarbeiter noch immer in unserem Unternehmen tätig sind. Bei uns steht allen Mitarbeitern die Möglichkeit offen, durch Spezialisierungen Karriere innerhalb des Betriebs zu machen.

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