1600 Kilometer entfernt Rheder bringen Hilfsgüter in litauische Partnergemeinde

Von Christian Belling


Rhede. Mit Krankenhausbedarf, Schulutensilien und Rollatoren haben sich am Freitagnachmittag vier Männer aus Rhede auf den Weg in das rund 1600 Kilometer entfernte Kaisiadorys in Litauen gemacht. Für die Männer ist es nicht die erste Fahrt mit Hilfsgütern in die Rheder Partnergemeinde.

„Seit dem Jahr 2000 fahren wir einmal jährlich zu unseren Freunden ins Baltikum, meistens über Palmsonntag“, berichtet Stefan Thieke kurz vor der Abfahrt. In einem Pkw mit vollgepacktem Anhänger im Schlepptau macht er sich gemeinsam mit Rudi Bruns, Norbert Imholte und Heinz Läken auf den Weg. Rund 20 Stunden wird das Quartett brauchen, bis über Polen in Litauen ankommt. Eine Übernachtung auf halber Strecke ist nicht eingeplant. „Wir wechseln uns beim Fahren ab und machen zwischendurch die eine oder andere Pause“, erklärt Bruns.

Standards nicht vergleichbar

Ihren Ursprung haben die Transporte mit Hilfsgütern auf kirchlicher Ebene durch die Freundschaft der Kirchengemeinden in Rhede und Kaisiadorys. „Bei unseren ersten Besuchen haben wir die soziale Schieflage und die Standards gesehen, die nicht annähernd mit unseren in Deutschland vergleichbar sind“, so Bruns. Schnell entwickelte sich die „Arbeitsgruppe Litauen“, die aktuell mehr als zehn Mitglieder umfasst und Hilfe organisiert.

Gezielte Abfrage im Vorfeld

Was in der Partnergemeinde benötigt wird, fragt die Arbeitsgruppe vorher ab. „Wir wollen gezielt mit dem helfen, was unsere Freunde akut brauchen“, teilt Imholte mit. Also packte das Quartett in diesem Jahr vornehmlich Krankenhausbedarf wie OP-Kleidung, Einweghandschuhe, Bettwäsche oder Rollatoren ein. „Über die Krankenhausstandards dort habe ich mich beim ersten Besuch richtig erschrocken“, erinnert sich Bruns. Durch die stetige Unterstützung zeige sich allerdings eine Verbesserung. Die Güter für den Hilfstransport erhält die Arbeitsgruppe durch Spenden aus dem Ort.

„Es ist alles sehr gastfreundlich und sehr menschlich“

In Kaisiadorys erlebt die Gruppe aus Rhede nach eigenen Angaben jedes Jahr wieder eine enorme Dankbarkeit. „Es ist alles sehr gastfreundlich und sehr menschlich. Wir werden fast schon als Familienmitglieder aufgenommen“, so Thieke. „Es ist immer wieder toll zu sehen, wo die Hilfe hingeht und auch direkt ankommt“, unterstreicht Bruns. Untergebracht in Litauen sind die Männer in Ferienhäusern.

Vor Ort haben sich nach seinen Worten in den vergangenen fast 20 Jahren richtige Freundschaften entwickelt. „Bei jedem Besuch erwartet uns auch eine Art Unterhaltungsprogramm mit Ausflügen und dem Kennenlernen von Land und Leute.“ Ein paar Brocken in der Landessprache hätten sich die Rhede bereits angeeignet. Zum Verständigen reicht dies aber noch nicht. Im Gegenzug würden allerdings viele Litauer mit der deutschen Sprache zurechtkommen.

Partnerschaft auf Augenhöhe

Für den Ratsvorsitzenden Theo Staars (CDU), der selbst auch schon einige Male in Kaisiadorys war, stellen die regelmäßigen Transporte mit Hilfsgütern einen Beitrag für „eine lebendige Partnerschaft“ dar. Wichtig ist ihm dabei, dass diese auf Augenhöhe erfolge. „Es stehen gar nicht so sehr die Hilfsgüter im Vordergrund, sondern der Austausch und das Knüpfen von Kontakten.“ Einige Male sei auch bereits eine Gruppe aus Kaisiadorys zu einem Gegenbesuch in Rhede gewesen.

Drei Reifenplatzer bei einer Fahrt

Für die vier Männer, die sich am Freitagnachmittag auf den Weg machten, steht bereits am Dienstag wieder die Rückreise an. Hoffentlich ohne größere Probleme. „Bei einer Fahrt haben wir mal drei von vier Reifen durch Platzer verloren“, erinnert sich Bruns. Vor größere Probleme habe dies die Gruppe aber nicht gestellt. Bruns: „Ich habe selten so hilfsbereite Automechaniker gesehen wie in Polen.“