Angehörige nicht benachrichtigt Papenburgerin erfährt nur durch Zufall vom Tod des Vaters

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Auf dem kommunalen Friedhof in Aschendorf ist der Vater von Michaela Rosema auf Veranlassung der Gemeinde Rhede anonym bestattet worden. Nun soll er ein eigenes Urnengrab auf einem evangelischen Friedhof bekommen. Foto: Gerd SchadeAuf dem kommunalen Friedhof in Aschendorf ist der Vater von Michaela Rosema auf Veranlassung der Gemeinde Rhede anonym bestattet worden. Nun soll er ein eigenes Urnengrab auf einem evangelischen Friedhof bekommen. Foto: Gerd Schade

Rhede/Papenburg. Im ersten Moment klingt es unglaublich: Ein Vater verstirbt und seine erwachsenen Töchter erfahren erst Wochen später durch Zufall davon. Genau das ist jedoch in Papenburg beziehungsweise Rhede passiert – durch eine Verkettung besonderer Umstände und aufgrund mangelhafter Kommunikation.

Der Vorfall hat zwischen den Hinterbliebenen und der Einheitsgemeinde Rhede große Irritationen ausgelöst. Michaela Rosema (28) aus Papenburg, die ältere der beiden Töchter des Verstorbenen, beklagt, dass sie nicht nur vom Ableben, sondern auch von der zwischenzeitlich auf dem kommunalen Friedhof in Aschendorf anonym erfolgten Bestattung ihres Vaters nur durch Zufall über Dritte erfahren habe. Die Kommune bedauert den Vorfall. Sie hat sich bei den Angehörigen „für etwaige Versäumnisse“ entschuldigt und ihr Vorgehen bei der Benachrichtigung von Angehörigen grundsätzlich geändert.

Kontakt vor Jahren abgebrochen

Rosema hatte nach eigenen Angaben wie auch ihre Schwester auf eigenen Wunsch seit zwölf Jahren keinen Kontakt mehr zu ihrem Vater (62). Zwar legt die 28-Jährige ihre Beweggründe im Gespräch mit unserer Redaktion dar, möchte darüber aber nichts in der Zeitung lesen. Der Papenburger, der unter gesetzlicher Betreuung stand und zuletzt pflegebedürftig war, verstarb im Oktober 2017 im Rheder Alten- und Pflegeheim St. Nikolausstift.

Wie Rhedes Bürgermeister Gerd Conens (parteilos) auf Anfrage erklärt, sei die Gemeindeverwaltung unter anderem von dem gesetzlichen Betreuer des Verstorbenen darüber in Kenntnis gesetzt worden, dass es zwar Angehörige in Person zweier Töchter gebe, „diese aber seit vielen Jahren keinen Kontakt mit ihrem Vater gehabt hatten und auch nichts mit ihm zu tun haben wollten“.

Ordnungsamt sah sich zuständig

Das Ordnungsamt der Gemeinde sei zudem davon ausgegangen, dass die Töchter Kenntnis vom Tod des Vaters hatten. Weil sie zu ihm jedoch keinen Kontakt gehabt hätten und auch nicht hätten haben wollen, sei die Gemeinde deshalb ferner der Auffassung gewesen, dass die Bestattung durch das Ordnungsamt zu organisieren sei.

Conens räumt ein, dass die Gemeinde als Ordnungsbehörde die Angehörigen hätte informieren müssen. Er betont aber, dass sie aufgrund der ihr bekannten Sachlage nach den genannten Hinweisen davon ausgegangen sei, „dass Angehörige in Kenntnis waren, sich jedoch nicht weiter kümmern würden und die Gemeinde die Bestattung zu organisieren hätte“. Dies sei leider in nahezu allen ähnlichen Fällen in der Vergangenheit so gewesen.

Als Konsequenz aus dem Vorfall wird das Ordnungsamt laut Conens bei Todesfällen in Zukunft Angehörige immer schriftlich informieren – „unabhängig davon, ob Kontakt zum Verstorbenen bestand oder ob eine Beteiligung an der Bestattung abgelehnt wird“.

Klärendes Gespräch

Michaela Rosema kann dennoch nicht nachvollziehen, dass weder sie noch ihre Schwester rechtzeitig benachrichtigt worden sind. „Solange ich nicht weiß, warum das so gelaufen ist, kann ich nicht trauern“, sagt die Papenburgerin. Zwischenzeitlich hat ein klärendes Gespräch mit Conens und dem zuständigen Ordnungsamtsmitarbeiter stattgefunden. Die 28-Jährige ist mit der Gemeinde inzwischen im Reinen.

Den Vorwurf der Pietätlosigkeit in vorangegangenen Gesprächen, den Rosema in einer zuvor von ihr angestrengten Dienstaufsichtsbeschwerde gegen den Mitarbeiter des Ordnungsamtes untermauert hatte, lässt der Bürgermeister nicht gelten. Der betreffende Mitarbeiter sei seit 23 Jahren unter anderem als Sachbearbeiter im Ordnungsamt und als Standesbeamter tätig. „Er verfügt über eine entsprechende Erfahrung auch im Umgang mit Trauernden. Beschwerden hierzu hat es bislang nicht gegeben, sodass ich ein pietätloses Verhalten auch in diesem Fall ausschließe“, betont Conens.

Michaela Rosema ist inzwischen „sehr froh darüber, dass die Gemeinde ihren Fehler eingesehen hat und Herr Conens sich im Nachhinein gekümmert hat“. Sie und ihre Schwester wollen nun gemeinsam dafür sorgen, dass ihr Vater ein eigenes Urnengrab auf einem evangelischen Friedhof bekommt.


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