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Zwangsversteigerung angeordnet Kommt Kraftwerk in Papenburg unter den Hammer?

Von Gerd Schade | 22.09.2015, 20:49 Uhr

Kommt das Papenburger Biomasseheizkraftwerk unter den Hammer? Das Amtsgericht Papenburg hat die Zwangsversteigerung der Anlage im Nordhafen angeordnet. Das bestätigte Amtsgerichtsdirektor Harald Deeken am Dienstag auf Nachfrage unserer Redaktion.

Demnach hat das Gericht die Zwangsversteigerung des Kraftwerks bereits im Mai angeordnet. Derzeit prüfe eine Sachverständigenfirma in Hamburg, wie viel das Kraftwerk wert ist. „Das kann dauern“, sagte Deeken. Einen Termin für die Versteigerung gibt es demnach noch nicht. Der Amtsgerichtsdirektor rechnet damit auch nicht vor Mitte 2016. Über den Fall hatten zuerst NDR Info und die Hannoversche Allgemeine Zeitung (HAZ) berichtet, die mit einem gemeinsamen Recherchepool von mehreren Redakteuren seit einigen Jahren die Vorgänge bei dem Unternehmen Erneuerbare Energien Versorgung (EEV) AG intensiv beleuchtet.

Sitz nach Papenburg verlegt

Das Kraftwerk wird von einer Tochterfirma der EEV AG betrieben. Die AG hat ihren Sitz im Sommer von Göttingen in die Fehnstadt verlegt. Nach Berichten über eine finanzielle Schieflage des Unternehmens im vergangenen Jahr hatte die Staatsanwaltschaft Braunschweig Ermittlungen gegen führende EEV-Mitarbeiter wegen Verdachts auf Kapitalanlagebetrug aufgenommen. Nach Angaben von HAZ und NDR Info haben 2400 Anleger mehr als 25 Millionen Euro in die EEV AG gesteckt. Gartenbaubetriebe in Halte und Völlen warten indes weiter darauf, an ein von der EEV AG vor zwei Jahren angekündigtes Fernwärmenetz angeschlossen zu werden.

Das Unternehmen konnte am Dienstag auf eine telefonische Anfrage unserer Redaktion nach Angaben einer Sprecherin keine Stellung zu der drohenden Zwangsversteigerung nehmen. Deeken nennt den Vorgang für das Amtsgericht indes nicht nur ungewöhnlich, sondern auch einmalig. „Das haben wir in Papenburg mit Sicherheit noch nicht gehabt“, sagt er. Das sei allein schon daran erkennbar, dass für die Wertermittlung des Kraftwerks alle örtlichen Sachverständigen abgewunken hätten, weil die „Millionengeschichte“ für sie eine Nummer zu groß sei. Das Gericht selbst habe indes über 300 Anleger über die Zwangsversteigerung informieren müssen, so Deeken.

Bei der Fläche, auf der das Kraftwerk steht, handelt es sich nach den Worten des Amtsgerichtsdirektors um ein Erbbaugrundstück. Vollstreckt werde ein Teilbetrag aus der Grundschuld, die insgesamt 30 Millionen Euro umfasse. Abgewendet werden könne die Zwangsversteigerung nur, wenn die Schuldner bezahlen würden. „Aber danach sieht es derzeit nicht aus“, so Deeken.

Vor drei Jahren gekauft

 Vor drei Jahren hatte die EEV AG das Biomassekraftwerk für 26,5 Millionen Euro von der Etanax Holding aus Wien gekauft. Die Holding gehört der Familie des Auricher Windkraftunternehmers Günter Eisenhauer, der kürzlich bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen ist. Bis zum Verkauf war das Kraftwerk von der Firma N. prior aus Leer betrieben worden, die im Juli 2012 Insolvenzantrag gestellt hatte. Bis Oktober 2010 firmierte das Unternehmen unter dem Namen Prokon Nord. 2003 hatte es das Kraftwerk in Papenburg für rund 46 Millionen Euro errichtet.

 Im vergangenen Jahr berichteten mehrere Medien übereinstimmend, dass die EEV AG Schwierigkeiten habe, die Kaufpreise für das Kraftwerk sowie für ein Windpark-Projekt in der Nordsee zu bezahlen. Seitdem meldeten sich in unserer Redaktion immer wieder vereinzelt Anleger, die nach eigenen Angaben keinen Kontakt mehr zum Unternehmen bekamen.

In einem Schreiben an die Kapitalanleger entschuldigte sich EEV-Vorstand Bernhard Faber Ende Juni für die „mangelhafte Kommunikation der letzten Monate“. Er versprach für die Zukunft „einen regelmäßigen und vollständigen Informationsfluss“. Von der drohenden Zwangsversteigerung des Kraftwerks, das Faber zufolge ab 2016 jährlich 2,5 Millionen Euro Gewinn abwerfen soll, ist in dem vierseitigen Schreiben allerdings keine Rede.