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Zurück zur Normalität Wohnangebot in Papenburg hemmt Neustart

Von Eva Kleinert | 24.07.2014, 19:34 Uhr

„Jetzt reiß dich doch einfach mal zusammen“ – diesen Satz haben vermutlich nicht wenige im Kopf, wenn sie von Menschen lesen, die jegliche Kontrolle über ihr Leben verloren haben.

Nicht anders ging es Klaus (Name von der Redaktion geändert), bevor er 2013 erst beruflich am Ende war, dann Frau und Haus verlor, dabei mit Alkoholproblemen sowie Depressionen zu kämpfen hatte und am Ende sogar auf der Straße landete. Dass er sich heute auf dem Weg zurück zur Normalität befindet, habe er auch der ambulanten Hilfe des Papenburger Sozialdienstes Katholischer Frauen und Männer (SKFM) zu verdanken, so der Mittfünfziger.

„Ich weiß nicht, was zuerst da war. Der Alkohol oder die Depressionen, aber ich war an einem Punkt, an dem mir alles egal war und ich keinen Antrieb mehr hatte“, erinnert er sich. Trauriger Höhepunkt sei der Tag gewesen, an dem ihn seine Schwester vor dem Haus Arche abgesetzt habe. In der Basishilfe sei er zunächst untergekommen, bis ihn die ambulante Hilfe in eine ihrer zwölf Übergangswohnungen im Stadtgebiet vermittelt habe. Hier helfen Lore Wittrock und Karin Müller wohnungslosen Klienten, die weg von der Straße und zurück zu einer Wohnung und einem strukturierten Alltag wollen. Angepasst an die individuellen Probleme ihrer Klienten, ziehen die beiden dabei alle Register – von der Arbeits- und Wohnungsbeschaffung über Behördengänge bis hin zur Schuldenberatung oder Betreuung bei Krankheit oder Behinderung. Dabei greifen Müller und Wittrock zurück auf das Netzwerk des SKFM, der mit Einrichtungen wie der Bewährungshilfe, der Suchtberatung, aber auch der Stadt und Ärzten zusammenarbeitet. Aber auch das Stellen von Anträgen nimmt einen großen Teil ihrer Arbeit ein, denn häufig haben ihre Klienten alle ihre Unterlagen verloren.

Neuer Lebensmittelpunkt

„Unser Angebot schließt sich direkt an die Basishilfe an und kümmert sich um Menschen, die wohnungslos sind oder die von Wohnungslosigkeit bedroht sind und sich einen neuen Lebensmittelpunkt aufbauen wollen. Am Anfang der Betreuung steht als Erstes ein ausführlicher Antrag für Menschen mit besonderen sozialen Schwierigkeiten, der an den Landkreis Emsland geschickt werden muss“, erklärt Sozialarbeiterin Müller. Auch Personen, die aus der Haft entlassen werden und vor ihrer Zeit im Gefängnis bereits wohnungslos waren, würden hier aufgenommen. Wie bei allen Angeboten der Wohnungslosenhilfe steht laut Diplom-Pädagogin Wittrock die Motivation der Klienten am Anfang allen Handelns. „Wir können niemanden bedrängen. Einige fragen aber auch von sich aus.“

In der ambulanten Hilfe gelte es, die Klienten „dort abzuholen, wo sie stehen“, so Wittrock. „Oft geht es auch darum, sie wieder gesundheitlich auf die Beine zu stellen.“ Andere wiederum würden mit etwas Hilfe wieder zu „vollständigen Mitgliedern der Gesellschaft“ werden.

Bis es so weit ist, werden einige Klienten in Übergangswohnungen untergebracht, während andere auf dem privaten Wohnungsmarkt unterkommen. Dort werden sie weiterhin von der ambulanten Hilfe begleitet. „Der Wohnungsmarkt in Papenburg ist aber extrem ausgelastet. Die Ablehnung in der Bevölkerung gegenüber dieser Klientel ist groß“, so Wittrock. Dabei seien viele Klienten „ganz ordentliche und saubere Leute“. Müller appelliert hier eindringlich an die Mithilfe der Vermieter, denn „ohne Wohnung gibt es keine Arbeit und ohne Arbeit keine Wohnung – das ist ein Kreislauf.“

Diesen Kreislauf will auch Klaus durchbrechen. „Ich habe wieder Lebensmut gefasst. Mein Ziel ist es, 100 Prozent gesund zu werden“, sagt er mit Blick auf seine Depressionen und Alkoholprobleme. Um sich wieder an einen geregelten Alltag zu gewöhnen, will er sich mit leichten Tätigkeiten wie dem Zeitungsaustragen oder Ein-Euro-Jobs wieder hocharbeiten. Zwar bereut er es, die „verlorene Zeit“ nicht wiederzubekommen, aber in der Betreuung habe er auch einen Freund fürs Leben gefunden. „Den hätte ich sonst nie kennengelernt“, sagt Klaus.

Dieser Artikel ist Teil einer Serie. Dazu gehören auch:

 1. 25 Jahre Wohnungslosenhilfe in Papenburg2. Junge Papenburger auf der Suche nach einer Bleibe3. Frau findet Hilfe im Papenburger Haus Arche4. Papenburger mögen lieber Fleisch als Pizza5. Tagesaufenthalt im Haus Arche