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Zeitpunkt völlig offen Werftchef Bernard Meyer deutet seinen Rückzug an

Von Holger Szyska | 20.01.2016, 15:51 Uhr

Die Info-Veranstaltung auf der Meyer Werft, auf der dem Betriebsrat kein Rederecht gegeben wurde, sorgt auch aus einem anderen Grund für Gesprächsstoff unter den Schiffbauern in Denn dem Vernehmen nach deutete Seniorchef Bernard Meyer an, dass sein Rückzug aus der ersten Reihe absehbar ist. Nun wird gemutmaßt, dass sein Sohn Dr. Jan Meyer bald aus dem finnischen Turku nach Papenburg zurückkehren könnte.

Sinngemäß hatte Bernard Meyer vor einer Woche gegenüber der Belegschaft verlauten lassen, ihm wäre bewusst, dass seine Zeit läuft. Zwar formuliert der Werftinhaber solche Sätze für gewöhnlich mit Bedacht. Doch daraus abzuleiten, dass noch im laufenden Jahr ein neues Kapitel in der Geschichte des Familienunternehmens aufgeschlagen wird, führt aus Sicht von Werftsprecher Peter Hackmann zu weit. „Das heißt nicht, dass es in den nächsten ein bis zwei oder in drei bis vier Jahren so weit ist.“ Klar sei nur: „Es wird einen sehr ruhigen und längerfristig angelegten Wechsel geben.“

Dr. Jan Meyer (38) sei bereits jetzt häufig in Papenburg: „Es ist keineswegs so, dass er nicht im Bilde über die Situation in Papenburg ist.“ Die Aufgabenteilung in der dreiköpfigen Geschäftsführung mit Vater und Sohn Meyer sowie Lambert Kruse sei „im Moment gut organisiert“.

Die Weichen für die Stabübergabe an die siebte Meyer-Generation waren bereits zum 1. Mai 2012 gestellt worden. Seither gibt es mit Jan Meyer einen dritten Geschäftsführer. Der 38-Jährige ist seit 2008 für das familieneigene Unternehmen tätig und war bis April 2012 als Leiter der technischen Büros für den Konstruktionsprozess der Kreuzfahrtschiffe verantwortlich. Er hatte an der Jacobs-University in Bremen promoviert und zuvor auf Werften in Korea und Dänemark Erfahrungen gesammelt. Es folgte ein Master-Studium in Naval Architecture (Schiffbau) am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge/Boston (USA). (Weiterlesen: Papenburg: Meyer Werft regelt Unternehmensnachfolge) 

2014 fädelte der Juniorchef maßgeblich die Übernahme der STX-Werft in Turku ein. Anschließend zog er auch privat nach Finnland, um die Geschicke des Unternehmens als „Chief Executive Officer“ (CEO) vor Ort zu leiten. „Wann Jan Meyer als CEO nicht mehr so aktiv ist wie heute, kann ich nicht beantworten“, sagt Peter Hackmann. (Weiterlesen: Papenburg: Meyer übernimmt Werft in Turku komplett) 

Es ist aber eine Frage der Zeit, bis Bernard Meyer sich in den Ruhestand zurückzieht. Am 24. Mai vollendet der Senior sein 68. Lebensjahr. Seine berufliche Karriere auf der Werft hatte er am 24. Mai 1973 angetreten. Die Leitung übernahm er 1982 von seinem Vater Joseph.