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Wenn man den Halt verliert 25 Jahre Wohnungslosenhilfe in Papenburg

Von Eva Kleinert | 24.07.2014, 20:07 Uhr

„Wer kein Dach über dem Kopf hat, verliert den Boden unter den Füßen“ – nach diesem Grundgedanken hilft die Wohnungslosenhilfe des Sozialdienstes Katholischer Frauen und Männer (SKFM) Papenburg seit 25 Jahren Menschen, die ohne ein festes Zuhause sind. In unserer Reihe „Thema der Woche“ stellen wir anlässlich des Jubiläums bis Samstag täglich die einzelnen Sparten der Wohnungslosenhilfe vor.

Was mittlerweile ein Geflecht aus verschiedenen Angeboten und Fachbereichen ist, hat klein angefangen. Der Trägerverein der Wohnungslosenhilfe, der SKFM, wurde 1981 offiziell gegründet. Kurze Zeit später kamen das Haus Regenbogen am Vosseberg als Unterbringungsmöglichkeit für junge Erwachsene sowie die ambulante Hilfe hinzu. Damals habe man Wohnungslosen nur ambulant oder mit einem provisorischen Schlafplatz bei der Kirchengemeinde St. Josef helfen können, berichtet SKFM-Geschäftsführer Norbert Schmidt. Der Startschuss für den eigenständigen Fachbereich der Wohnungslosenhilfe sei erst 1989 gefallen, als das Haus Arche mit zunächst einem, später fünf Übernachtungsplätzen bezogen worden sei.

25 Jahre später sind die mittlerweile 15 Ehren- und drei hauptamtlichen Sozialarbeiter nicht mehr aus Papenburg wegzudenken. Warum immer mehr Menschen auf ihre Hilfe angewiesen sind, erklärt sich Schmidt so: „Die klassischen Großfamilien gibt es nicht mehr, die früher Strukturen und Halt gegeben haben. Das Beziehungsgeflecht geht verloren.“ Den typischen Wohnungslosen gebe es aber nicht. „Hier zeigen sich alle Herausforderungen der sozialen Art, die ein Mensch mit sich rumtragen kann – von Schulden, Strafsachen, Scheidung, Diskriminierung, Überforderung, persönlichen, psychischen Problemen über Arbeitslosigkeit bis hin zur Vereinsamung.“

So unterschiedlich wie diese Probleme sind auch die Schicksale der einzelnen Klienten. Denn wer die Kontrolle über sein Leben verliere, könne sich schnell in einer „Spirale nach unten“ verfangen – oftmals unverschuldet, so Schmidt. „Ich erinnere mich noch an das Beispiel eines Mannes, der auf einen Schlag durch einen Unfall seine Kinder und Frau verloren hat.“ Abgesehen von derart individuellen Schicksalsschlägen macht Schmidt den Leistungsdruck in der Gesellschaft dafür verantwortlich, dass Menschen den Halt verlieren und auf der Straße landen. Das fange schon in jungen Jahren in der Schule an, in der viele Kinder mit ständiger Enttäuschung umgehen müssten. „Dabei ist eine gute schulische und berufliche Ausbildung und eine stabile Persönlichkeitsentwicklung die beste Prävention zur Vermeidung von Problemfällen“, so Schmidt.

Doch wie kann Betroffenen geholfen werden? Die Wohnungslosenhilfe zielt laut Schmidt darauf ab, ihren Klienten bei der Existenzsicherung zu helfen und dem Tag wieder eine Struktur zu geben. „Wir wollen, dass unsere Klienten sich hier als Mensch angenommen fühlen. Natürlich halten wir ihnen den Spiegel dabei vor. Denn damit wir ihnen helfen können, müssen sie ihre Problemlage realisieren und etwas verändern wollen.“

Welche Hilfen Betroffene in Papenburg finden können und wie sie finanziert werden, das lesen Sie bis Samstag täglich in unserer Themenreihe. Los geht es morgen unter dem Titel „Weg von der Straße“ mit der Übernachtungsstelle und Basishilfe.

Dieser Artikel ist Teil einer Serie. Dazu gehören auch: 1. Frau findet Hilfe im Papenburger Haus Arche 2. Wohnangebot in Papenburg hemmt Neustart 3. Junge Papenburger auf der Suche nach einer Bleibe 4. Papenburger mögen lieber Fleisch als Pizza 5. Tagesaufenthalt im Haus Arche