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Vom Krieg beeinflusst Ausstellung in Aschendorf widmet sich Kunst aus Syrien

Von Gerd Schade | 11.05.2017, 20:00 Uhr

„Mosaik Syrien – Kunst und Leben“ heißt die neue Ausstellung im Gut Altenkamp in Sie wird am Sonntag, 14. Mai, um 17 Uhr eröffnet und läuft bis Ende Juli.

Im Obergeschoss des Gutsgebäudes ist das Gestell eines Krankenbettes aufgebaut – ohne Matratze und ohne Bettzeug. Stattdessen ist die von der Unterseite beleuchteten Liegefläche mit mehr als 2000 Gebissabdrücken aus Keramik übersät. Die Abdrücke stammen von den Zähnen der zeitgenössischen Künstlerin Hiba Al Ansari. Sie hat auch die gesamte Installation arrangiert.

Wie der Leiter des städtischen Fachbereichs Kultur, Marco Malorny, während eines Rundgangs durch die sich in diesen Tagen noch im Aufbau befindlichen Ausstellung erläutert, verarbeitet Al Ansari mit ihrem Werk den Tod ihres Bruders, der 2012 im seit Jahren vom Bürgerkrieg zerrütteten Syrien vom Militär erschossen wurde. „Man geht davon aus, dass er hingerichtet wurde“, fügt Ahmed Ramadan hinzu und deutet einen Genickschuss an. Der Syrer ist einer der Kuratoren der Ausstellung. Sie zeigt außer den Werken zeitgenössischer Künstler, von denen mehrere inzwischen in Europa leben, historisches Hausinventar syrischer Wohnwelten, Fotografien vom Leben auf dem Land und dem der Beduinen, nahöstliche Architektur, Installationen und Kalligrafien. Komplettiert wird sie durch eine Reihe von Infotafeln. Einige davon dokumentieren beispielsweise die Architektur in den Städten Damaskus und Aleppo. Vieles davon ist durch den Bürgerkrieg inzwischen zerstört. Das Gesamtbild der Ausstellung zeugt von „vielen kleinen Teilen des großen Mosaiks Syrien“, wie es in einem Flyer des Fachbereichs Kultur heißt.

Digitales Güterregister

„Ziel war es, eine zeitgemäße und repräsentative Ausstellung zum Thema Syrien zu machen“, betont Malorny. Das Besondere sei, dass für die Ausstellung, die aus dem Museum für Islamische Kunst der Staatlichen Museen zu Berlin im Rahmen des Föderalen Programms der Stiftung Preußischer Kulturbesitz stammt, mit mehreren Kuratoren und Künstlern zusammenarbeite. Dazu zählt Malorny zufolge auch das Syrian Heritage Archive Project – eine professionell, aber ehrenamtlich arbeitende Organisation, die ein digitales Kulturgüterregister für Syrien erstellt.

Zu den wertvollsten Ausstellungsstücken zählen einige jahrhundertealte Keramiken und Metallgegenstände wie ein Kerzenständer. Sie werden in einer Vitrine ausgestellt, in der die Luftfeuchtigkeit durch ein spezielles Gel konstant bei 30 Prozent gehalten wird.

Die zeitgenössischen Arbeiten sind nach den Worten von Kurator Ramadan derweil nicht politisch, haben aber einen politischen Hintergrund – so wie das Bett mit den Gebissabdrücken. In diese Reihe gehören Gemälde wie „Mein Land“ oder „Porträt im Schutt“, aber auch ein Werk, auf dem auf schwarzem Hintergrund unzählige Wörter in weißer Schrift und unterschiedlicher Größe prangen. Children (Kinder), Head (Kopf) und Blood (Blut) ist dort unter anderem zu lesen. Grundlage für diese digitale Arbeit des Künstlers Akram Al Halabi sind Fotos aus dem Krieg. Statt einer bildlichen Darstellung beschreibt der Künstler mit den Worten, was auf den Bildern zu sehen ist.

Haare und Beton

An unter Gebäudetrümmer begrabene Menschen erinnert ein Betonklötzchen, aus dem menschliche Haare ragen. Malorny bewertet dieses Werk als „sehr intensiv. Da kommt einem die Gänsehaut“, sagt er. Insgesamt sei augenfällig, dass alle Künstler mit gedeckten Farben arbeiten würden.

Mit der Ausstellung sollen Malorny zufolge ganz bewusst nicht nur Einheimische, sondern auch syrische Flüchtlinge angesprochen werden. Hier arbeite der Fachbereich Kultur eng mit der Migrationsberatung des Deutschen Roten Kreuzes in Papenburg zusammen.

 Die Ausstellung ist ab Sonntag, 14. Mai, täglich (außer montags) von 10 bis 14 Uhr geöffnet. Eintritt: 5 Euro (Ermäßigungen möglich).