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Tonnenschwere Schiffsteile Premiere beim Schiffbau auf der Meyer Werft

Von Christoph Assies | 15.08.2014, 17:19 Uhr

Es war eine ereignisreiche Woche auf der Papenburger Meyer Werft. Am Mittwoch ist das drittgrößte Kreuzfahrtschiff der Welt, die „Quantum of the Seas“, ausgedockt worden, am Donnerstag sind in einem bisher einmaligen Manöver die zwei 60 Meter hohen und 41,4 Meter breiten Schwimmteile für das Schwesterschiff „Anthem of the Seas“ im Baudock zusammengeführt worden.

Verantwortlich für das Manöver war Ralph Zimmermann. Der 52-jährige Vermessungsingenieur war vorher unter anderem bei Airbus und Lufthansa Technik beschäftigt und ist selbst begeistert von den Dimensionen. „Ich bin ja seit 2010 auf der Meyer Werft beschäftigt und kenne die Ausmaße der Schiffe. So große Teile habe ich jedoch bisher noch nicht bewegt. In so einer Größenordnung hat wohl auch anderswo noch keiner Schiffsteile zusammengefügt.“

 Nachdem am Mittwochabend beide Schwimmteile zurück in das Baudock der Werfthalle geschleppt worden waren , wurde am Donnerstag mit dem Zusammenführen der beiden etwa 20000 Tonnen schweren Schiffsteile begonnen. Dazu wurde das Wasser schrittweise aus dem Dock gepumpt. „Das erste Schwimmteil, das bereits seit Anfang Juni im Werfthafen lag, ist das Element mit den Maschinen. Hier sind die vier Motoren schon an Bord, und somit ist das Element schwerer als das zweite Schwimmteil“, erklärt Zimmermann. Das schwerere Element werde somit als Erstes auf die Pallungen, die Stützen unter dem Schiffsrumpf am Dockboden, aufsetzen. „Wir ziehen dann mit Winden das zweite Schwimmteil auf wenige Millimeter heran und kontrollieren mit unseren Messungen, dass beide Elemente passgenau voreinander liegen. Wenn das der Fall ist, können die Elemente verbunden werden“, so Zimmermann.

Während bei der Verlängerung von Kreuzfahrtschiffen große Elemente nach dem Auseinanderschneiden des Rumpfes auf Schienen gesetzt und somit auch relativ problemlos wieder zusammengeführt werden könnten, ist in diesem Fall die Herausforderung, „dass beide Elemente frei schwimmen“, sagt Zimmermann.

Seit über einem Jahr liefen die Vorbereitungen für die Umsetzung der neuen Schwimmteil-Baustrategie. Das Finale mit dem Zusammenführen der Segmente für die „Anthem of the Seas“ ging am Freitagnachmittag über die Bühne. Zimmermann und seine Kollegen hatten richtig gemessen. In den nächsten Wochen geht der Stahlbau für das insgesamt 348 Meter lange Kreuzfahrtschiff weiter. Dank der neuen Bauweise ist nach Angaben von Werftsprecher Günther Kolbe schon am 22. September der Stahlrohbau des Schiffes komplett. Dann liegen auch schon Blöcke für ein Schwimmteil für das nächste Kreuzfahrtschiff „Norwegian Escape“ im Dock, und irgendwann wird Ralph Zimmermann mit seinem Team erneut riesige Schiffselemente zusammenführen.