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Tagesaufenthalt im Haus Arche Praktische Hilfe für Wohnungslose in Papenburg

Von Eva Kleinert | 25.07.2014, 19:30 Uhr

Eine Anlaufstelle für Menschen, die auf der Straße leben oder nach Wohnungslosigkeit endlich wieder ein festes Zuhause gefunden haben, das ist der Tagesaufenthalt im Haus Arche in Mit ganz praktischen Angeboten wie einer Fahrradwerkstatt, oder Waschmöglichkeiten sollen Betroffene mit tagesstrukturierenden Maßnahmen aus der Isolation geholt werden.

Dazu gehört laut Erich Boortz, der gemeinsam mit Veronika Wegmann den Tagesaufenthalt hauptamtlich betreut, auch der Frühstückstisch montags bis freitags. „Hier kann man bei einem Kaffee auch einfach mit anderen sprechen. In der Regel sind unsere Klienten alleine und können sich hier integrieren“, erklärt Boortz. Insgesamt 266 Besucher nutzten im Jahr 2013 den Tagesaufenthalt, davon 216 Männer und 50 Frauen.

Das Angebot sei angegliedert an die ambulante Hilfe und solle seinen Besuchern alles bieten, was sie aufgrund ihrer Wohnsituation nicht selbst haben, erklärt Sozialarbeiter Boortz. Diese können beispielsweise ihre Kleidung waschen, sich duschen, in der Ems-Zeitung blättern oder gemeinsam mit anderen fernsehen. Wer möchte, kann darüber hinaus aber auch Hilfe und Beratung bekommen, um aus seiner Problemlage herauszufinden. Unbürokratisch und präventiv könnten hier Dinge angegangen werden, bevor sie sich „wie ein Schneeball“ vergrößerten, so Boortz.

Alkoholverbot

Für Suchtkranke hält seine Kollegin Veronika Wegmann beispielsweise in Zusammenarbeit mit dem Kreuzbund ein besonders niederschwelliges Beratungsangebot vor. „In unserer Motivationsgruppe soll man ohne Alkohol aktiv Freizeit erleben“, erklärt Wegmann. Das Vorurteil, das der Großteil der Wohnungslosen suchtkrank ist, will Boortz aber nicht gelten lassen. „Der Anteil der Suchtkranken ist vergleichbar mit der Situation von Menschen, die in Wohnungen leben. Eine verlässliche Statistik hierüber gibt es leider nicht.“ Im gesamten Haus Arche gilt zudem Alkoholverbot. „Unsere Leute wissen, dass sie betrunken hier nicht vorbeizukommen brauchen“, so Boortz.

Ganz praktische Hilfe vermittelt auch Heinrich Westerhoff. Der 76-Jährige engagiert sich seit 17 Jahren als Ehrenamtlicher für den SKFM und öffnet einmal in der Woche die Fahrradwerkstatt im Haus Arche. „Die meisten leben in Wohnungen außerhalb Papenburgs, da brauchen sie ein funktionierendes Fahrrad für Behördengänge und andere alltägliche Wege“, erklärt Westerhoff. Das Fahrrad sei eine günstige Möglichkeit für die Klienten der Wohnungslosenhilfe, auch um mobil für einen Job zu sein. Die meisten Räder stammen laut Westerhoff, der 15 Jahre als Hausmeister bei der St.-Josef-Kirche gearbeitet hat, vom Fundbüro oder wurden gespendet. Mit einigen Handgriffen und Ersatzteilen bringt der Rentner die Drahtesel auf Vordermann. Wie lange er das noch machen will? „Bis ich nicht mehr Auto fahren kann“, verspricht der 76-Jährige.

Immer dienstags kümmert sich Detlef Sayk um reparaturbedürftige Möbel. Donnerstags wird gemeinsam beim Kraftsport trainiert. Gesucht werden derzeit laut Boortz noch Ehrenamtliche, die den Töpferkurs wiederaufleben lassen oder neue Vorhaben und Ideen in Angriff nehmen.

Voller Terminkalender

Neben den regelmäßigen Angeboten stehen noch zahlreiche Einzelveranstaltungen im Kalender des Tagesaufenthaltes. Dazu gehört die Weihnachtsfeier, das Bosseln, ein Fußballturnier mit anderen Einrichtungen im März, Kanutouren und Schwimmausflüge. Beim Papenburger Nikolaimarkt ist die Wohnungslosenhilfe zudem mit Selbstgebasteltem in ihrem Verkaufswagen vertreten.

Von allen Bereichen der Wohnungslosenhilfe können sich Interessierte am Sonntag ein Bild machen. Anlässlich des 25-jährigen Bestehens des Fachbereichs findet um 10 Uhr ein Gottesdienst in der St.-Josef-Kirche im Vosseberg statt. Ab 11.15 Uhr beginnen die Feierlichkeiten im Haus Arche. Hier besteht auch die Möglichkeit zu einem Rundgang.

Dieser Artikel ist Teil einer Serie. Dazu gehören auch: 1. 25 Jahre Wohnungslosenhilfe in Papenburg 2. Junge Papenburger auf der Suche nach einer Bleibe 3. Frau findet Hilfe im Papenburger Haus Arche 4. Wohnangebot in Papenburg hemmt Neustart5. Papenburger mögen lieber Fleisch als Pizza