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Standort „total falsch“ TV Papenburg lehnt Kunstrasen an Kleiststraße ab

Von Gerd Schade | 06.06.2016, 21:31 Uhr

Der TV Papenburg wirft die Standortfrage für einen Kunstrasenplatz in der Fehnstadt neu auf. TV-Vorsitzender Bernd Brand kann der Einigung der Papenburger Fußballvereine, die sich auf die städtische Sportanlage an der Kleiststraße geeinigt haben, nichts abgewinnen.

Nach Brands Dafürhalten müsste der Kunstrasenplatz im Waldstadion angelegt werden. Dieser Vorschlag stößt bei den Fußballvereinen jedoch auf wenig Gegenliebe. Das geht aus der Sitzungsvorlage für die Sitzung des Ausschusses für Soziales, Jugend, Schulen und Sport hervor, der am Mittwoch, 8. Juni 2016, ab 17 Uhr im Sitzungssaal des Rathauses tagt.

Dort soll auf Antrag der CDU-Stadtratsfraktion über die Errichtung eines Kunstrasenplatzes beraten werden – Standort: Kleiststraße. Konkret soll es zunächst darum gehen, die notwendigen Fördervoraussetzungen zu schaffen. Die Kosten für einen Kunstrasenplatz sind mit rund 650.000 Euro veranschlagt.

„Hauen und Stechen“

Brand hält den Standort Kleiststraße indes für „total falsch“. Warum? „Es sind schon jetzt nicht genügend Umkleiden vorhanden“, sagt er im Gespräch mit unserer Redaktion und mit Blick auf die angrenzende Großraumturnhalle. Nach seinen Worten sind die Kabinen schon jetzt permanent belegt.

Und wenn in der aus Fußballersicht witterungsbedingt schlechten Jahreszeit plötzlich alle Mannschaften auf den Kunstrasenplatz wollten, müssten diese sich auch noch in den Umkleiden umziehen. „Ich habe das mal hochgerechnet“, sagt Brand. Demnach beziffert er die Anzahl der Mannschaften aller Papenburger Fußballvereine ab den C-Junioren aufwärts auf etwa 60. „Wer will das denn ernsthaft koordinieren? Das gibt doch ein Hauen und Stechen“, sagt er erfahrene Vorsitzende (seit 1979) des mit rund 4000 Mitgliedern größten Sportvereins im Emsland.

Schon jetzt herrsche auf der Schulsportanlage „jeden Tag Wildwest ohne Aufsicht“. Hinzu komme, dass auch die Parkplätze schon jetzt dauernd belegt seien. Vom aus seiner Sicht doppelt und dreifach erforderlichen Reinigungspersonal wolle er erst gar nicht reden.

Brand schlägt alternativ einen der beiden Nebenplätze im Waldstadion vor. Dort seien ausreichend Umkleidemöglichkeiten und auch ein Hausmeister, durch den die Aufsicht gewährleistet sei.

Weitere 500.000 Euro

Aus Sicht der Fußballvereine sprechen hingegen Feuchtigkeit des Geländes, Bodenbeschaffenheit und starker Bewuchs im Umfeld der Plätze gegen Kunstrasen im Waldstadion. Hinzu komme, dass es sich beim Waldstadion um keine „neutrale“ Spielfläche handele, da dort in erster Linie des SC Blau-Weiß 94 zuhause sei. Die Fußballvereine Blau-Weiß, Eintracht, TuS Aschendorf, SV Aschendorfermoor, SV Herbrum und SV Tunxdorf/Nenndorf plädieren deshalb für einen gemeinschaftlichen Platz „in zentraler und neutraler Lage“ an der Kleiststraße.

Auch nach Auffassung der Stadtverwaltung reichen dort die bisherigen Umkleidemöglichkeiten allerdings nicht aus. Für einen entsprechenden Neubau mit Räumen für Schiedsrichter und Abstellmöglichkeiten seien neben den Baukosten für einen Kunstrasenplatz mit weiteren 500.000 Euro zu rechnen, von denen vielleicht 100.000 Euro als Fördergelder eingeworben werden könnten.

Bernd Brand kann darüber nur den Kopf schütteln. „Da frage ich mich, woher der plötzliche Reichtum kommt?“ Wenn tatsächlich Geld da sei, müsste es nach seiner Auffassung dringend in die Sporthalle gesteckt werden – vor allem in die Heizung und Lüftung. „Beides hat eigentlich nie funktioniert“, sagt Brand. Das führe dazu, dass beispielsweise die Mitglieder der Herzsportgruppe wegen der schlechten Luft lieber zuhause bleiben würden. Er habe Bürgermeister Jan Peter Bechtluft (CDU) deshalb einen Brief geschrieben, sagt Brand. Das Schreiben sei bislang unbeantwortet geblieben.