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Schiffbauer erwerben alle Anteile Papenburg: Meyer übernimmt Werft in Turku komplett

Von Gerd Schade | 15.04.2015, 12:31 Uhr

Die Papenburger Meyer Werft wird 100-prozentige Eigentümerin der Werft im finnischen Turku. Das haben die Papenburger Schiffbauer am Mittwoch mitgeteilt.

Im September 2014 hatte Meyer bereits 70 Prozent der Anteile des Unternehmens von dem finanziell angeschlagenen STX-Konzern (Südkorea) übernommen. Die übrigen 30 Prozent gingen in die Hände der finnischen Staatsregierung über. Wie die Werft weiter mitteilte, war seitens der finnischen Politik aber von Beginn an ein Ausstieg der staatlichen Beteiligung geplant. Demnach will sich der Staat in Gänze aus der Werft zurückziehen.

„Wir sind sehr glücklich zu sehen, dass sich die Werft in Turku so positiv entwickelt“, wird der finnische Wirtschaftsminister Jan Vapaavuori in einer Pressemitteilung der Werft zitiert. „Ein starkes Auftragsbuch sowie das starke Netzwerk an finnischen Lieferanten stimmen uns sehr positiv. Wir freuen uns, dass Meyer dieses Vertrauen teilt. Meyer hatte einen guten Start und brachte viele neue Aufträge nach Turku. Dazu gratuliere ich dem ganzen Team von Meyer Turku“, so Vapaavuori weiter.

Jan Meyer, Chef von Meyer Turku betont, dass die Investition der Papenburger Werft in Finnland ein großer strategischer Schritt gewesen sei, „den wir sorgfältig überlegt haben. Die gut überlegte Zusammenarbeit mit der finnischen Regierung machte es uns möglich, diesen strategisch wichtigen Schritt zu gehen.“ Meyer zeigt sich davon überzeugt, dass der Standort Turku eine sehr gute und langfristige Perspektive habe.

Wie der Papenburger Werftchef Bernard Meyer erklärt, könnten durch die enge Zusammenarbeit zwischen den Werften in Turku, Papenburg und Rostock (Neptun-Werft) „alle Standorte weiterhin nachhaltig profitieren und viele Synergien erzeugen“. (Weiterlesen: Meyer Werft sichert Standort Papenburg bis 2030)

In Finnland entstehen in den nächsten Jahren mindestens drei weitere Kreuzfahrtschiffe für die deutsche Reederei TUI Cruises sowie eine neue Fähre für die Reederei Tallink. An weiteren gemeinsamen Projekten beispielsweise für den die Carnival Corporation, den größten Kreuzfahrtkonzern der Welt, werde mit Hochdruck gearbeitet. Ende März hatte Carnival bekanntgegeben, zwischen 2019 und 2022 vier Schiffe bei Meyer bauen zu lassen – zwei in Papenburg und zwei in Turku. Auf der finnischen Werft sind 1350 Menschen beschäftigt (Weiterlesen: Großauftrag für Papenburger Meyer Werft steht)

Der Betriebsratsvorsitzende der Meyer Werft in Papenburg, Ibrahim Ergin, befürchtet keine negativen Auswirkungen durch die komplette Übernahme der Werft im finnischen Turku durch die emsländischen Schiffbauer. „Für den Standort Papenburg bedeutet das erst einmal gar nichts“, sagte Ergin am Mittwoch auf Anfrage unserer Redaktion. Er verwies auf den Standortsicherungsvertrag, wonach zurzeit alles geregelt sei. Außerdem sei die aktuelle Auftragslage „Gott sei Dank gut“, sodass sich niemand Sorgen machen müsse, betonte Ergin. Mitte Januar hatte die Meyer Werft zugesichert, den Standort Papenburg mit 3100 Beschäftigten bis mindestens zum Jahr 2030 zu erhalten. Kritiker hatten Befürchtungen geäußert, Meyer könnte Teile der Belegschaft nach Turku verlagern.

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