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Rund 100 Unternehmer bei Zukunftstagen 2017 Papenburg: So lassen sich Gewohnheiten ändern

Von Gerd Schade | 02.06.2017, 20:35 Uhr

Wie sehr der Mensch an (schlechten) Gewohnheiten hängt und welche Möglichkeiten es gibt, diese vor allem auch ökologisch sinnvoll und nachhaltig zu verändern, hat der Wissenschaftler Dr. Michael Kopatz bei den ersten Zukunftstagen für Papenburg und Dörpen deutlich gemacht.

Papenburg. „Klimaschutz ist wie eine Diät. Die ersten Kilo gehen schnell runter, aber dann wird es immer schwerer“, sagte der Projektleiter am Wuppertal-Institut für Klima, Umwelt, Energie am Freitag vor rund 100 Unternehmern sowie Gästen aus Politik und Verwaltung im Alten Güterbahnhof. Der 46-Jährige, seit der Kommunalwahl im vergangenen Jahr Grünen-Fraktionsmitglied im Rat seiner Heimatstadt Osnabrück, bezeichnete in seinem engagierten Vortrag die globale Erwärmung als das größte ökologische Problem. Klimaziele lassen sich nach seiner Auffassung aber nicht allein durch technische Innovation erreichen, sondern auch durch Änderung von Gewohnheiten. Als Voraussetzung dafür müssten sich jedoch Strukturen ändern, sagte Kopatz, der seine Forschungsergebnisse zu diesem Thema unter anderem in seinem Buchprojekt „Die Ökoroutine. Damit wir tun, was wir für richtig halten“ zusammengefasst hat.

Einer der Gründe dafür, warum häufig das Gegenteil der Fall sei, sei, dass der Mensch zur Expansion neige. Allein in Deutschland würden jährlich bis zu 380.000 neue Wohnungen entstehen – bei sinkender Bevölkerungszahl. Für Biofleisch seien 2014 rund 240 Millionen Euro ausgegeben worden, für Grillgeräte im selben Jahr mehr als 1,1 Milliarden.

Kopatz hält Menschen für perfekte Verdrängungskünstler mit einem Hang zu „gelebter Schizophrenie“. Sein Beispiel: Viele Hundebesitzer seien fest davon überzeugt, dass ihr Vierbeiner eine Seele habe. Dieselben Menschen liefen aber in den Supermarkt, um dort das billigste Fleisch zu kaufen. Unter welchen Umständen die Tiere womöglich bis zu ihrer Schlachtung gehalten worden seien, werde verdrängt.

Als Beleg dafür, dass das Konzept der Ökoroutinen dennoch funktioniere, führte Kopatz den Kampf gegen das Rauchen an. „Als wir Kinder waren, galt Rauchen im Auto für die Eltern als normal. Heute grenzt es an Körperverletzung.“

Angesichts von Wettbewerbsdruck könnten indes auch Unternehmen nicht beliebig das tun, was sie für richtig halten, weil ihnen ansonsten womöglich die Pleite drohe. „Die Logik des Marktes darf man Unternehmen nicht zum Vorwurf machen“, betonte Kopatz. Geschäftsmodelle könnten sich nur ändern, wenn sich die Rahmenbedingungen ändern. „Die Richtung dafür muss die Politik vorgeben, und der Bürger muss es einfordern“, sagte Kopatz.

Die Organisatoren der Zukunftstage, deren Kern das Unternehmertreffen bildete, zogen aber nicht nur wegen des Vortrages ein positives Fazit der mehrtägigen Veranstaltungsreihe, die es in der Region in dieser Form bislang nicht gegeben hat. Im Mittelpunkt stand am Freitag neben Einblicken in innovative Betriebe der Region, die unsere Redaktion in den vergangenen sechs Tagen im Rahmen einer Porträtserie vorgestellt hat, vor allem der Austausch von unternehmerischen Ideen. Die Bürgermeister der Stadt Papenburg und der Samtgemeinde Dörpen, Jan Peter Bechtluft und Hermann Wocken (beide CDU) sprachen als Schirmherren der Zukunftstage von einem intensiven und gelungenen Tag.

Für Organisator Andreas Damke ging es nach eigenen Worten vor allem darum, Menschen zusammenzuführen – „Menschen, die Dinge erfinden, vorantreiben und den Mut haben, sie umzusetzen“. Innovation beginne in Kopf und Herz.

Wocken bezeichnete die Zeit für eine gute Zusammenarbeit im Wirtschaftsraum Papenburg-Dörpen als „wirklich reif“. Initialzündung für die Zukunftstage war die gemeinsame Bewerbung um einen Batterieproduktionsstandort für den US-amerikanischen Elektroautohersteller Tesla, das als Vorzeigeunternehmen in Sachen Innovation gilt.

Landtagspräsident Bernd Busemann erinnerte in einem Grußwort daran, wie eine bedeutende Innovation der Meyer Werft einst belächelt worden sei, als das Unternehmen den Schiffbau als erstes in Papenburg von Holz auf Stahl umstellte.