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Premiere unter freiem Himmel 300 Zuschauer sehen Kolping-Theater in Aschendorf

Von Eva Kleinert | 21.07.2014, 18:20 Uhr

Sakraler Gesang erhebt sich über der historischen Gartenanlage von Gut Altenkamp in Riesige Bilder lassen auf der Freilichtbühne im hinteren Teil des Gartens den Geist vergangener Jahrhunderte wieder auferstehen, als nicht unweit von dort ein Franziskanerkloster die Aschendorfer Ortsmitte zierte. Um die Geschichte dieses Kloster geht es schließlich auch in dem Theaterstück der Kolpingsfamilie Aschendorf, „Das Franziskanerkloster in Aschendorf und ein Volksheiliger“, das am Sonntagabend seine Premiere feierte.

Mehr als 300 Zuschauer hatte das Stück in „der besten Stube Aschendorfs“, so Hans-Ulrich Feller vom Autorenteam, trotz Regens angelockt. In drei Akten nahmen die Schauspieler diese mit auf eine Zeitreise durch die Entstehung des Klosters, das Klosterleben sowie die Blütezeit bis hin zur Auflösung. Dabei verpassten es die Aschendorfer nicht, auch auf die historischen und religiösen Ereignisse rund um das Franziskanerkloster einzugehen, das von 1679 bis 1812 in Aschendorf ansässig war. Hilfreich waren dabei Pater Lector (gespielt von Hermann-Josef Albers) und Amanda (Maria Leffers), die in einer Art Moderatorenrolle durch das Stück führten.

Vor allem die durch Reformation und Gegenreformation ausgelösten Konflikte wurden thematisiert. Besonders eindrucksvoll schaffte das eine Szene auf der Nebenbühne, die eine geheime katholische Taufe im ansonsten protestantisch geprägten Emden darstellte. Denn nicht nur um Aschendorf, wo laut „Moderatorin“ Amanda im 16. Jahrhundert der katholische Glaube fast vollständig verdrängt war, ging es in den insgesamt 19 Szenen des Stückes. Auch die Missionierungsbestreben in Ostfriesland, vor allem durch den Aschendorfer Volksheiligen und Gründer des Franziskanerklosters Antonius Schirley (Thomas Remmers), flossen in die Handlung mit ein.

Wer am Sonntag jedoch nur ein Stück über die Kirchengeschichte vermutet hatte, wurde überrascht: Dank zahlreicher Nebendarsteller erhielt auch die Aschendorfer Bevölkerung von damals eine starke Stimme. Anfangs noch skeptisch gegenüber den Mönchen, entwickelten vor allem die Wirtsleute bald einen Sinn für die Vorteile des Klosters – in Gestalt des frisch in der Klosterbrauerei hergestellten Biers.

Als erfrischender Gegensatz zu den teils zu erzählend gestalteten Passagen über die Entwicklung des Klosters lockerten hier die plattdeutschen Textzeilen der „gemeinen Bürger“ den Dreiakter auf. Aber auch die Mönche, allen voran Hans-Josef Töller, sorgten mit unterschwelliger Komik für gute Unterhaltung.

Die Herzen der Aschendorfer Zuschauer eroberten vermutlich aber die Szenen um den tragischen Einsturz der Grundmauern des Klosters. Statt aufzugeben, nachdem diese in der Anfangsbauphase nach einem verheerenden Unwetter eingebrochen waren, hieß hier nämlich die Parole: „Unerkriegen loatet Askendörper sich nicht.“

Beifall redlich verdient

Das galt auch für die Schauspieler der Kolpingsfamilie, die über die vom andauernden Regen verursachten Tonprobleme charmant hinweg agierten. Mit ihrem Einsatz, einem eher trocken anmutenden Thema frischen Wind einzuhauchen, hatten diese sich den tosenden Beifall des Publikums am Ende der Premieren redlich verdient.

Weitere Aufführungstermine sind am 25., 26. und 27. Juli um jeweils 19.30 Uhr sowie am 27. Juli um 14.30 Uhr (Seniorennachmittag). Der Eintritt beträgt 6 Euro für Erwachsene und 3 Euro für Jugendliche. Ein Familienticket kostet 12 Euro. Kinder bis zwölf Jahre haben freien Eintritt. Karten gibt es beim Kiosk Bösing in Aschendorf sowie bei Gut Altenkamp.