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Pläne vorgestellt Kino-Familie Muckli plant in Aurich Zehn-Millionen-Euro-Neubau

Von Daniel Gonzalez-Tepper | 13.12.2016, 12:32 Uhr

Die Aschendorfer Kinobetreiber-Familie Muckli wird in Aurich in einen zehn Millionen Euro teuren Neubau einziehen. Sechs Säle wird der Neubau umfassen. Die Pläne dazu sind jetzt in der ostfriesischen Stadt vorgestellt worden. Der Einzug soll Ende 2017 über die Bühne gehen.

Der Neubau wird an der Emder Straße auf dem Gelände des ehemaligen BMW-Autohauses Asa entstehen, kündigten Astrid und Helmut Muckli bei einem Pressegespräch an. Vor Weihnachten 2017 sollen an der Emder Straße Filme laufen. Die Dimensionen werden in Teilen denen des Kino-Neubaus in Papenburg übertreffen, hieß es. Der größte Saal wird 302 Plätze haben. Das sind 32 Plätze mehr als im bislang größten Muckli-Kinosaal in Papenburg.

Gleichzeitig zu den Neubauplänen wurde bekannt, dass die Räumungsklage des Vermieters des bisherigen Standortes im Carolinenhof am Fischteichweg vom Tisch sind. Die Eigentümerin des Gebäudes, die niederländische Firma TB Investments, kann die Familie demnach nicht vor Ablauf des Mietvertrages Ende 2017 auf die Straße setzen. Die Familie hatte Mietzahlungen einbehalten, weil nach ihrer Aussage die Lüftungsanlage seit Langem nicht funktioniert. Die Minderung war laut Mucklis mit Vertretern von TB Investments abgesprochen worden. Nachdem bekannt wurde, dass Mucklis ein neues Kino an der Emder Straße bauen wollen, schickte man ihnen eine fristlose Kündigung und eine Nachforderung, die noch Mietschulden beim Voreigentümer umfasste. Dagegen klagte die Familie. Darauf folgten im August die Räumungsklage vonseiten TB Investments und dann die Widerklage der Mucklis.

Stadt Aurich zahlt Abbruch und Anbindung

Umso mehr ist die Familie, deren Verwaltungssitz sich in Aschendorf befindet, daran interessiert, dass der Neubau möglichst schnell fertig wird. Schon jetzt laufen im hinteren Teil des früheren Asa-Geländes die Abbrucharbeiten auf vollen Touren. Im Januar folgt dann an einigen Stellen der Austausch des Bodens, berichtete Aurichs Erster Stadtrat Hardwig Kuiper. Rund 50 Tonnen Erde müssen abgefahren werden, weil sie mit Öl verschmutzt sind. Der Kaufvertrag zwischen Stadt und den Mucklis ist unterzeichnet, die Zustimmung des Stadtrates am 15. Dezember dürfte reine Formsache sein.

Die Kino-Betreiberfamilie hat das einen Hektar große Grundstück inzwischen erworben. Im Kaufpreis enthalten sind die Leistungen, die die Stadt jetzt beauftragt: der Abbruch, die Entsorgung der Baustoffe sowie die verkehrliche Anbindung einschließlich Rechtsabbiegerspur aus Richtung Emden und Ampelanlage. Der Straßenausbau soll im Mai beginnen, parallel zum Kino-Neubau. Derzeit werden laut Erstem Stadtrat die Einwände des Carolinenhof-Eigentümers TB Investments und zweier Anwohner in das Bauleitverfahren eingearbeitet.

Mehr Komfort, stabile Preise

Inklusive Kino-Gebäude und Einrichtung investieren die Mucklis mehr als zehn Millionen Euro. Damit wollen sie optimalen Komfort für die Besucher bieten, wie Kathrin Muckli sagte. Dennoch blieben die Preise stabil, ergänzte ihre Schwester Astrid. Auch den Am-Platz-Service und die Tischablagen soll es im neuen Kino geben. Künftig sollen rund 200 000 Besucher pro Jahr kommen – 40 000 Gäste mehr als bisher. „Wir setzen auf junge Familien und die Enercon-Mitarbeiter“, sagte Helmut Muckli.

Alle Kinosäle werden von der Sitzplatzzahl deutlich vergrößert: Der größte Saal wird wie oben erwähnt 302 Plätze haben. Die anderen Säle fassen 250 Zuschauer, zweimal 150 und zweimal 125 Zuschauer. „Während jetzt in Aurich die kleinste Leinwand 14 Quadratmeter groß ist, wird die kleinste im Neubau 45 Quadratmeter Fläche haben“, so Kathrin Muckli. Kuiper sprach von einem ganz neuen Kino-Erlebnis und Quantensprung gegenüber dem jetzigen Carolinenhof-Kino. Alle Kinosäle sind barrierefrei geplant.

Dass im Carolinenhof ein Konkurrenz-Projekt geplant wird, macht weder Kuiper noch die Mucklis bange. An die Möglichkeiten eines Neubaus sei im Carolinenhof nicht heranzukommen, sagte Astrid Muckli. Ein Sprecher von TB Investments gab sich auf Nachfrage kämpferisch: „Da der Nachmieter für das Kino bereits feststeht und wir die Baugenehmigung für die Erweiterung erhalten haben, sehen wir positiv in die Zukunft.“ Die Pläne sehen einen Anbau und eine Sanierung vor, die Baugenehmigung liegt bereits vor. Kuiper sagte auf Nachfrage, dass die Investoren selbst zwei Kinos in Aurich wollten. „Die Stadt hat sich sehr gut entwickelt, sodass jetzt zwei Anbieter um den Standort buhlen“, so der Erste Auricher Stadtrat. Im Nachhinein jammern könne niemand: Im Carolinenhof könne Hoppe vieles ohne Genehmigung realisieren. Daher habe das Center grundsätzlich einen Vorteil gegenüber Konkurrenten.

Gedenken an Deportation von Juden

Die Kino-Betreiber werden sich auch der Historie des neuen Grundstücks stellen. Im geplanten Filmtheater an Emder Straße wird es ein Gedenken an Deportation Auricher Juden geben. „Wir wollen nicht kommentarlos einen Spaßtempel an diesen Ort setzen, sondern das Gedenken lebendig halten“, sagte Astrid Muckli. Der Neubau entsteht just an Stelle der Bullenhalle, wo in der Reichspogromnacht am 9. November 1938 in Aurich die männlichen Juden zusammengetrieben und schikaniert wurden.

Seit Anfang der Planungen zum Kino-Neubau habe die Familie betont, dass sie sich der Verantwortung des historischen Ortes bewusst sei und sich ihr stellen werde, so Muckli. Noch sei nicht ganz klar, wie. Doch die Familie stehe in Kontakt mit Wolfgang Freitag von der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Ostfriesland. Mehrere Möglichkeiten des Gedenkens stünden im Raum, so die Aschendorferin: Denkbar sei eine andere Gedenktafel als die bisherige, die auf Kniehöhe an der Extumer Straße steht und an die Misshandlung der jüdischen Auricher Bürger in der früheren landwirtschaftlichen Auktions- und Ausstellungshalle erinnert. Es sei auch über eine Skulptur gesprochen worden, die eventuell ein jüdischer Künstler aus Norden anfertigen könne, so Muckli.

Laut Erstem Stadtrat Hardwig Kuiper soll das Gedenken am neuen Kino-Standort so oder so deutlich aufgewertet werden. Er brachte die Gedenktafel am Ellernfeld als Vergleich ins Spiel, wo ebenfalls an die Leiden der Auricher Juden in der Reichspogromnacht erinnert wird.

Besucher sollen über das Geschehene sprechen können

Mucklis möchten jedoch noch weiter gehen: Neben dem stillen Gedenken in Form einer Tafel oder Skulptur soll es regelmäßige Veranstaltungen geben. Das könnte eine Filmreihe zum Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz am 27. Januar 1945 sein oder Filmvorführungen zum Jahrestag der Pogromnacht. „Beispielsweise der neue Film über Anne Frank würde passen“, sagte Muckli. Dazu könnte es dann Begleitveranstaltungen geben, damit die Besucher über das Gesehene auch sprechen können.

Schon seit Langem gebe es im Carolinenhof-Kino Beiträge im Programm-Kino und Diskussionen zum Thema Holocaust. „Das Thema Fremdenfeindlichkeit ist heute doch aktueller als bisher“, so Muckli, die sich auch in einem Projekt gegen Lepra in Indien engagiert.