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Persönliche Daten geändert Neuer Wirbel um Meyer-Werft-Betriebsratschef Ergin

04.11.2015, 22:09 Uhr

Die Personalie Ibrahim Ergin sorgt auf der Papenburger Meyer Werft für neuen Wirbel. Jüngster Auslöser sind nach Informationen der „Rheiderland-Zeitung“ (RZ), dass persönliche Daten des Betriebsratsvorsitzenden vor einigen Jahren geändert wurden.

Das soll zu Irritationen und einem Vertrauensbruch mit der Werftleitung geführt haben – und zwar bereits Monate vor den Nötigungsvorwürfen, wegen derer die Werft Ergin fristlos entlassen will.

Die Änderung der Daten soll ein Mitauslöser für den Konflikt zwischen dem Betriebsratschef und der Unternehmensspitze sein. Die Werft äußert sich dazu unter Verweis auf den Datenschutz nicht konkret.

 Worum geht es? Fest steht, dass Ergin seinen ursprünglichen Nachnamen Darweesh abgelegt hat. Informationen der RZ belegen, dass dies nicht die einzige Änderung gewesen ist: Der Geburtsort ist vom Libanon in die Türkei verlegt worden und auch sein Geburtsdatum wurde geändert – und zwar vom 8. Februar 1975 auf den 11. September 1980. Alle Änderungen erfolgten bereits 2011. Allerdings will die Werftleitung erst Anfang 2015 davon erfahren haben. Mit Verweis auf die Sensibilität des Geburtstagsdatums (am 11. September 2001 erfolgten die Terroranschläge in den USA) soll die Werftspitze Ergin daraufhin aufgefordert haben, diese Änderungen rückgängig zu machen – gerade vor dem Hintergrund, dass große US-amerikanische Reedereien Kunden der Werft sind.

Geburtsdaten aus familiären Gründen geändert?

 Was sagt Ergin? „Die Änderungen haben allein familiäre Hintergründe und erfolgten auf Betreiben der deutschen Behörden.“ Der Betriebsratsvorsitzende belegt dies anhand von Dokumenten. Seine Familie habe Wurzeln in der Türkei, habe aber im Libanon gelebt. Die Großmutter, die nach wie vor in der Türkei lebte, habe die Familie in der alten Heimat bei den Behörden gemeldet – „in der Hoffnung, dass wir eines Tages doch wieder in die Türkei zurückkehren“, sagt Ergin, der nach eigenen Angaben selbst nie in der Türkei lebte. Sie habe bei den Behörden auch – für alle Familienmitglieder – den 11. September als Geburtsdatum angegeben. Ein rein willkürlich gewähltes Datum, das jederzeit habe geändert werden können, so Ergin. „Diese Anmeldung erfolgte bereits im Januar 1986 – also lange vor dem 11. September 2001“, weist Ergin einen Zusammenhang mit den Anschlägen strikt zurück.

Grund für die Initiative der Großmutter sei ihre Hoffnung gewesen, dass die Familie in die Türkei komme, als es im Libanon zum Bürgerkrieg gekommen sei.

Dort lebte Ergin unter dem Namen Darweesh mit seinen Eltern und Geschwistern. Die Familie floh 1986 nach Deutschland und beantragte hier Asyl. Die von der Großmutter gemeldeten Daten in der Türkei seien allerdings weiterhin gültig gewesen, so Ergin. Dies hätten deutsche Behörden 2011 nach einem Datenabgleich festgestellt und darauf hingewiesen, führt er weiter aus. Daraufhin sei die nachträgliche Änderung erfolgt.

Ergin wollte Daten ändern

Ergin bekräftigt, dass er der Werftleitung zugesagt habe, das Geburtsdatum zu ändern und dies auch umsetzen werde. „Allein aus Eigeninteresse, denn nach den Unterlagen in der Türkei bin ich fünf Jahre jünger“, verweist er auf damit verbundene längere Arbeitszeiten.

 Was sagt die Werft? Wenig. „Die Werft ist erst vor Anfang des Jahres über Änderungen der persönlichen Daten informiert worden“, erklärt Personalchef Paul Bloem auf RZ-Nachfrage. Dadurch sei ein Vertrauensverlust entstanden.

 Warum will die Werft Ergin fristlos entlassen? Mehrere Auszubildende werfen ihm vor, sie unter Druck gesetzt und zu einer Mitgliedschaft in der IG Metall gedrängt zu haben. Ergin selbst weist die Vorwürfe als haltlos zurück und genießt die volle Rückendeckung des Betriebsrates und der Gewerkschaft. Am 17. Dezember soll das Arbeitsgericht Lingen die Kündigung verhandeln. Parallel laufen staatsanwaltschaftliche Ermittlungen, bei denen die Nötigungsvorwürfe geprüft werden. (Weiterlesen: Meyer Werft hält weitere Zusammenarbeit mit Ergin für unzumutbar)