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Papenburg: 73-Jähriger verurteilt 2450 Euro Geldstrafe wegen falscher Verdächtigung

Von Jennifer Kemker, Jennifer Gansefort | 22.02.2017, 12:23 Uhr

Weil er seinen damaligen Mitarbeiter zu Unrecht beschuldigt hat, Geld aus privaten Bestellungen über die Firma aus dem nördlichen Emsland nicht bezahlt zu haben, ist ein 73-jähriger Rentner vor dem Papenburger Amtsgericht wegen falscher Verdächtigung zu einer Geldstrafe von 2450 Euro verurteilt worden.

Das vorausgehende Verfahren gegen den 55-jährigen Mitarbeiter der Firma, in dem sein Chef ihn belastet hatte, ist laut der Richterin eingestellt worden. Der Anklageschrift zufolge hat der Vorgesetzte im Januar 2014 über seinen Anwalt Strafanzeige gegen seinen Mitarbeiter und damaligen Geschäftsführer der Produktionsabteilung gestellt. Dieser soll, wie es in der Firma üblich war, Material für den Privatgebrauch bestellt aber nicht bezahlt haben.

Firmenchef hielt Verdacht vor Gericht aufrecht

Der 73-jährige Beschuldigte blieb vor Gericht bei seinem Verdacht gegen den Mitarbeiter. Er sei immer noch der Überzeugung, dass dieser rechtswidrig gehandelt habe. Im Namen der Firma hätte der Mann von 2005 bis 2012 Privateinkäufe getätigt. Bezahlt wurden nach Angaben des Angeklagten aber nur die Einkäufe aus dem Zeitraum 2008 bis 2012. Als er 2012 von den Einkäufen erfahren habe, hätten sein Steuerberater sowie sein Anwalt ihm geraten, die Tat anzuzeigen. Der Beschuldigte bestritt weiter, von den Einkäufen gewusst zu haben.

Der 55-Jährige sagte in dem Prozess aus, dass jeder Mitarbeiter über die Firma Material für den Privatgebrauch bestellen konnte. Die Kosten wurden nach seinen Angaben entweder mit Überstunden oder Sonderzahlungen verrechnet. Eine Bestellung wurde nach seinen Worten mit einer Mitarbeiterin der Buchhaltung abgesprochen. Die drei Mitarbeiterinnen des Unternehmens, die für die Lohnabrechnungen und Einkäufe der Mitarbeiter zuständig waren, sagten vor Gericht aus, dass jede Rechnung vom Chef abgezeichnet werden musste, sodass der Angeklagte von den Privateinkäufen seiner Mitarbeiter gewusst habe. Eine der Frauen sagte außerdem aus, dass diese Regelung während einer Betriebsversammlung beschlossen wurde.

Zeuginnen widerlegen Aussage des Rentners

Mithilfe einer Liste hätten die Mitarbeiterinnen die Summe der bestellten Materialien in Arbeitsstunden umgerechnet, sodass sie von den Überstunden abgezogen werden konnten. Am Ende des Monats sei diese Liste zusammen mit den Lohnabrechnungen an die übrigen Mitarbeiter gegangen. „Über seinen Kopf hinweg ist nie etwas gemacht worden“, sagte eine der Zeuginnen aus.

Schließlich sah die Staatsanwaltschaft den Tatbestand der falschen Verdächtigung als erwiesen an. Alle Zeugen sowie der Geschädigte bestätigten, dass die Einkäufe geregelt waren und der Angeklagte Kenntnis darüber hatte.

Auf einen Freispruch plädierte hingegen der 73-Jährige. Er sei der Überzeugung, dass die Zeugen widersprüchlich ausgesagt hätten und wegen Prozessbetrugs zu verurteilen seien. Im vorigen Verfahren gehen den Geschädigten hätten die Zeugen darüber hinaus auch völlig anders ausgesagt als heute. Schließlich schloss sich die Richterin jedoch der Staatsanwaltschaft an, weil von den Zeugen widerlegt werden konnte, dass er nichts von den Einkäufen gewusst habe.