Ein Artikel der Redaktion

"Noch ein Randmarkt" Elektronische Bücher spielen in Papenburg nur eine untergeordnete Rolle

20.09.2011, 17:00 Uhr

Die Tage werden wieder kürzer, und der Herbst steht vor der Tür. Für viele Menschen genau die richtige Jahreszeit, um mal wieder ein gutes Buch zu lesen. Seit einiger Zeit gibt es dafür zwei Möglichkeiten: Entweder den guten, alten gedruckten Wälzer oder die elektronische Variante, den handlichen, leichten E-Book-Reader.

Bereits im Sommer 2010 verkündeten einige amerikanische Zeitungen, dass das letzte Stündlein des gedruckten Buches geschlagen habe. Und auch der Internet-Buchhandel-Riese „Amazon“, nach eigenen Angaben Marktführer im Bereich „E-Books“, gab bekannt, mittlerweile mehr E-Books als gedruckte Bücher zu verkaufen.

Der Papenburger Buchhändler Hans-Bernd Eissing und die Leiterin der Stadtbibliothek in Papenburg, Antje Brockhoff-Smidt, sind da ganz anderer Meinung. Während Tablet-PC und Smartphones auch in Deutschland reißenden Absatz finden, ist das Kaufverhalten der Deutschen im Bezug auf E-Books und E-Book-Reader eher verhalten.

Während einer Reise sei ihm aufgefallen, dass man im Ausland durchaus Menschen sehe, die einen E-Book-Reader in der Hand halten. In Deutschland habe er das noch nie bemerkt, sagt mit Buchhändler Eissing jemand, der es wissen muss. In sein Geschäft kommen nach seinen Angaben zwischen drei und fünf Kunden im Monat, die nach einem E-Book-Reader fragen. „Wir haben natürlich auch welche im Laden, damit wir sie den Kunden zeigen können. Ab und zu werden auch welche zum Testen mit nach Hause genommen. Gekauft werden aber nur wenige“, erklärt Eissing. Sowohl E-Books als auch die Reader seien in Deutschland noch immer ein Randmarkt, meint Eissing.

Grund dafür ist seiner Meinung nach, dass es zwei Gerätetypen gibt, mit denen sich die E-Books lesen lassen, sie aber beide Vor- und Nachteile aufweisen.

Mit den E-Book-Readern könne der Leser aufgrund der Beschaffenheit wunderbar Bücher lesen und auch E-Books aus dem Internet direkt herunterladen. Allerdings habe es aber keine weiteren Funktionen. Mit dem alternativen Gerät, dem Tablet-PC, könne der Nutzer beides, Bücher lesen und im Internet surfen. Nachteil hier sei, dass der Leser auf dem Display der Geräte nichts mehr lesen kann, sobald er in der Sonne sitze. Das wiederum haben die Reader dem Tablet-PC voraus.

Generell sieht der Buchhändler der beschworenen „Revolution“ auf dem Buchmarkt aber gelassen entgegen: „Der Tod des Buches wurde schon so oft eingeläutet, dass ich nicht mehr daran glauben kann. Als das Internet und Hörbücher aufkamen, haben auch alle Zeitungen geschrieben, dass das Buch jetzt ausgedient habe“, schmunzelt Eissing. „Wenn es auf dem Markt der E-Book-Reader eine technische Innovation gibt, kann ich mir durchaus vorstellen, dass es erfolgreich sein wird“, fügt er hinzu. Gleichwohl sei er überzeugt, dass E-Books und die gedruckten Bücher in Zukunft nebeneinander existieren können.

„Bisher hatten wir noch keine Anfrage im Bezug auf E-Books“, berichtet die Leiterin der Stadtbibliothek und katholischen öffentlichen Bücherei (KÖB) in Papenburg, Antje Brockhoff-Smidt. „Aber wenn das in Zukunft ein Thema wird, müssen wir natürlich mit der Zeit gehen“, fügt sie hinzu. Sie glaubt, dass E-Books vor allem im wissenschaftlichen Bereich von Vorteil wären, weil so mehr Nutzer auf gleiche Inhalte zugreifen könnten, beispielsweise Studenten. Auch kopieren und scannen falle dann weg. Im Bezug auf die öffentlichen Büchereien hält sie die Umsetzung allerdings für schwierig: „Es müsste entsprechende Software geben, damit sich die E-Books nach einer bestimmten Zeit nicht mehr öffnen lassen. Sonst gibt es Lizenzprobleme mit den Verlagen“, sagt sie. Auch sie ist der Ansicht, dass es noch technischer Innovationen bedarf, sowohl aufseiten der Geräte als auch im Bezug auf den Verleih in öffentlichen Bibliotheken.

Dem stimmt auch ihre Kollegin Magdalene Kempen zu: „Bis sich die E-Books durchgesetzt haben, wird es noch etwas dauern. Rein emotional wehren sich die Leute noch dagegen, ein technisches Gerät statt eines Buches in der Hand zu halten“, meint Kempen.

Und daran kann auch ein Internet-Riese wie Amazon so schnell nichts ändern.