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Nackt in Vorratskammer Emsländer soll Ehefrau vergewaltigt, verletzt und eingesperrt haben

Von Joachim Dierks | 15.06.2018, 15:34 Uhr

Die 15. Große Strafkammer des Landgerichts Osnabrück verhandelt derzeit gegen einen 56-jährigen Mann aus dem nördlichen Emsland, der seine getrennt von ihm lebende Ehefrau vergewaltigt, schwer verletzt und nackt in eine Vorratskammer eingesperrt haben soll. Der Angeklagte beruft sich auf eine Erinnerungslücke aufgrund Alkoholkonsums.

Die Zeugenvernehmungen des zweiten Verhandlungstages bestätigten im Wesentlichen den Tathergang, wie ihn auch die Anklage der Staatsanwalt schildert. Demnach ist der von seiner Frau getrennt lebende Mann am Abend des 17. Februar unangemeldet in der Wohnung des Opfers aufgekreuzt, zu der er noch einen Schlüssel besaß. Die Frau habe gleich bemerkt, dass er betrunken gewesen sei. Da sie nicht gewollt habe, dass er in dem Zustand zurück in seine eigene Wohnung fährt, habe sie eingewilligt, dass er bei ihr übernachte. Die beiden hätten sich auf das Doppelbett gelegt, jeder auf eine Seite, und ferngesehen.

Plötzlich aggressiv

Dann sei der Mann in die Küche gegangen und habe etwas getrunken. Als ins Schlafzimmer zurückkehrte, sei er plötzlich aggressiv geworden. Er soll der Frau vorgeworfen haben, sie habe ein Verhältnis mit dem Sohn eines Bekannten. Die Frau, die in dem Verfahren als Nebenklägerin auftritt, bestreitet dies.

Der Angeklagte soll sich auf die Frau gestürzt, sie geschlagen, gewürgt, ihr die Kleider vom Leib gerissen und sein Opfer vergewaltigt haben. Beim Versuch zu fliehen, sei sie gestürzt. Am Boden liegend, sei sie getreten und weiter geschlagen worden. Schließlich habe der Mann die unbekleidete Frau auf den Flur gezerrt, sie in die fensterlose dunkle Vorratskammer geschoben, diese von außen abgeschlossen und sie ihrem Schicksal überlassen.

Mutter von Sohn in Kammer entdeckt

Der 20-jährige Sohn des Paares sagte aus, er sei morgens gegen 6 Uhr „vom Feiern“ zurückgekommen, habe den unüblicherweise draußen vor der Haustür wartenden Hund mit hineingenommen und ihn in die Vorratskammer führen wollen. Dabei sei er auf die wimmernde Mutter gestoßen, die schlimm zugerichtet ausgesehen habe, mit blutenden Wunden im Gesicht. Daraufhin habe der Sohn seine Geschwister informiert. Seine Schwester habe die Mutter in die Notaufnahme eines Krankenhauses gebracht. Auf die Frage des Vorsitzenden, ob er Derartiges öfters erlebt habe, antwortete der Sohn, dass es häufiger „Zofferei zuhause“ gegeben habe, auch mit blauen Flecken und Platzwunden, aber so schlimm wie bei diesem Mal noch nie. Bei körperlichen Übergriffen sei stets Alkohol im Spiel gewesen, sagte der 20-Jährige aus.

Während des dreitägigen stationären Krankenhausaufenthalts wurden nicht nur die Wunden der Frau versorgt und ihre Schmerzen gelindert, es fanden auch gynäkologische und rechtsmedizinische Untersuchungen statt. Die Ärztinnen beschrieben den Zustand der Frau als „mit Hämatomen am ganzen Körper übersät“. Die Rechtsmedizinerin ging näher auf die Würgemale am Hals ein. Sie gäben Rückschlüsse auf ein Tatgeschehen, das als „potenziell lebensgefährlich“ eingestuft werden müsse. Die Verhandlung wird am 21. Juni fortgesetzt.