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Nach emotionaler Debatte Stadt soll Fördergelder für Herbrumer Halle einwerben

Von Gerd Schade | 09.06.2016, 14:07 Uhr

Ohne Gegenstimme hat sich der Papenburger Ausschuss für Soziales, Jugend, Schulen und Sport dafür ausgesprochen, Mittel aus der Städtebauförderung für ein Nutzungskonzept der Herbrumer Mehrzweckhalle einzuwerben. In die Finanzierungsmöglichkeiten sollen die Herbrumer aktiv eingebunden werden.

Welche Zukunft das sanierungsbedürftige Gebäude – die fünf Kostenmodelle der Stadtverwaltung reichen von ersatzlosem Abriss bis zur Komplettinstandsetzung als Sport- und Veranstaltungshalle – haben wird, war zwar Gegenstand einer teils emotionalen Diskussion, stand als Beschlussvorschlag aber gar nicht zur Debatte. Gleichwohl verfolgten rund 50 Herbrumer in den Zuschauerreihen des Sitzungssaales im Rathaus das nächste Kapitel des politischen Dauerbrenners . Auf Transparenten unterstrichen sie die Bedeutung der Halle für die Menschen in dem Ortsteil und machten in einer Sitzungsunterbrechung ihrem Unmut Luft.

In der Zukunftsfrage der Halle herrscht seit Jahren Stillstand. 2013 wurde die Halle aus Sicherheitsgründen für Lauf- und Ballsportarten gesperrt. Seitdem ist sie nur noch eingeschränkt nutzbar. Ein Jahr später bot die Stadt dem SV Herbrum nach einem entsprechenden Ratsbeschluss an, dem Sportverein die Halle zu übertragen und ihm die Sanierung mit einem Zuschuss von 500.000 Euro zu überlassen, fortan aber auch die jährlichen Unterhaltungskosten selbst zu schultern. Dazu sieht sich der „kleine HSV“ mit seinen rund 450 Mitgliedern nicht in der Lage. Nach seinen Planungen beträgt der Sanierungsbedarf rund 830.000 Euro.

Der Beschlussvorschlag brachte den Herbrumer Ortsvorsteher Gerd Geiger auf die Palme. „Das hätte man schon vor drei Jahren haben können“, wetterte er im Hinblick auf die vorgesehene Einbindung der Aktiven in Herbrum. Bis dato hätte es keine Versammlung mit den Vorständen der Vereine gegeben. „Da gehen einem die Haare hoch“, schimpfte Geiger. Bürgermeister Jan Peter Bechtluft (CDU) wies das zurück, der Ortsvorsteher aber blieb in Fahrt. Kopfschüttelnd bewertete er die Kostenschätzungen der Verwaltung für die Finanzierung der Zukunftsmodelle. Das teuerste, die Totalsanierung ist mit 1,8 Millionen Euro veranschlagt. „Wir wollen doch keine Halle mit goldenen Wasserhähnen“, sagte Geiger. Der Stadtverwaltung warf er vor, von der Haltung eines Abrisses nicht abrücken zu wollen.

Der Vorsitzende des SV Herbrum, Hermann Terhorst, betonte, dass die Menschen in dem Ortsteil die Halle weiterhin für Sport und Veranstaltungen nutzen wollten, um Herbrum weiterzuentwickeln. Zeiten in den anderen Papenburger Sporthallen zu bekommen, würde von Jahr zu Jahr schwieriger. Der Aschendorfer SPD-Politiker schlug vor, den in Papenburg geplanten Kunstrasenplatz in Herbrum zu errichten.

Bechtluft betonte, dass es keine Fronten zwischen der Stadtverwaltung den Herbrumern gäbe, sondern Grundlage des jetzigen Zustandes auf einem politischen Beschluss fuße. Andreas Eissing (CDU) hält den Umgang mit den Herbrumern für fragwürdig. „Sie werden hingehalten“, meinte er. Bernhard Schmees (SPD) kritisierte, dass seit drei Jahren „rumgeeiert“ würde. Marion Terhalle (FDP) hob hervor, dass die Stadt eine Verantwortung für Herbrum habe. Hermann Wessels (CDU) betonte, dass den Herbrumern zunächst am ehesten damit gedient sei, wenn der Beschluss für das Ausloten von Fördermöglichkeiten gefasst würde. „Wir sollten also aufhören, zu reden und herumzusitzen“.

Aufhorchen ließ die Forderung von Gerhard Schipmann (UBF), der sich für einen unbedingten Erhalt der Halle aussprach. Dabei ginge es auch um politische Glaubwürdigkeit. „Wir haben die verdammte Pflicht, Mittel und Wege zu finden“, sagte Schipmann. Noch im Februar hatte das UBF gefordert, den Herbrumern den 500.000-Euro-Zuschuss zu streichen.