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Mittagessen für Wohnungslose Papenburger mögen lieber Fleisch als Pizza

Von Eva Kleinert | 24.07.2014, 19:33 Uhr

Wer auf der Straße lebt oder sich kein ausgewogenes Mittagessen leisten kann, der muss in Papenburg keinen Hunger leiden. Zu verdanken ist das den ehrenamtlichen Köchen des Mittagstisches, eines Angebots des Sozialdienstes Katholischer Frauen und Männer (SKFM) in Beim Mittagstisch im Haus Arche geht es aber um mehr als eine reine Mahlzeit, wissen die Helfer.

Unter kaltem Wasser spült Luzia Thür die Paprika ab, während Agnes Kuiper schon einmal die Salatgurke von ihrer grünen Schale befreit. Als sich die Gruppe zum Foto aufreihen soll, stellt SKFM-Mitarbeiterin Veronika Wegmann schmunzelnd klar: „So viel wie heute ist sonst in der Küche natürlich nicht los, Donnerstag kocht unser ehrenamtlicher Helfer William Heps sogar alleine.“ Beim Blick auf die zahlreichen Stammgäste des Mittagstisches ist das kaum vorstellbar. Denn vor allem montags und mittwochs sind rund 20 bis 25 Gäste zu versorgen. Aber auch die Küchenteams dienstags und donnerstags haben alle Hände voll zu tun. 2013 wurden 1529 Mittagessen serviert – allesamt mit einem Salat, einem Nachtisch und natürlich einem Hauptgang.

Was besonders beliebt bei den Gästen des Mittagstisches ist, weiß Aline Sayk, die seit zweieinhalb Jahren immer mittwochs hinter dem Herd steht. „Fleisch und deutsche Hausmannskost werden am liebsten gegessen, aber auch der Salat gehört dazu. Pizza ist echt unbeliebt, die kann man sich ja auch günstig in den Ofen schieben.“ Damit auch regelmäßig Fleisch auf die Speisekarte wandern kann, ist der Mittagstisch auf Spenden angewiesen. „Lebensmittel erhalten wir vom sozialen Kaufhaus, aber das Fleisch muss oft dazugekauft werden“, berichtet Sozialarbeiterin Wegmann. Umso willkommener seien auch materielle Spenden. Denn der Mittagstisch müsse sich mit seinen niedrigen Preisen selbst finanzieren. 1 Euro kostet die Mahlzeit für Gäste mit einer Kundenkarte des Sozialen Kaufhauses, 2 Euro für alle anderen.

Seit seiner Gründung 1997 erfreut sich das Angebot wachsender Beliebtheit. Das mag neben dem guten Essen auch an der Atmosphäre in Küche und Speiseraum liegen. „Der Mittagstisch dient als Tagesstruktur. Hier kann man Leute treffen, viele freuen sich richtig auf die Gespräche, weil sie sonst einfach häufig alleine sind“, erklärt Wegmann. Aus diesem Grund holt montags und mittwochs ein ehrenamtlicher Fahrer einige Klienten des SKFM, die nicht mobil sind, aus ihren Wohnungen ab und fährt sie zum Haus Arche.

Helfer gesucht

Udo Sap, der immer montags und dienstags kocht und ansonsten auch gerne einspringt, wünscht sich Verstärkung am Herd. „Manchmal kann das schon stressig werden. Mir macht das Kochen aber einfach Spaß. Die Mentalität und der Zusammenhalt untereinander sind toll“, schwärmt der gelernte Koch, der seit zehn Jahren ehrenamtlich für den SKFM aktiv ist. Profi am Herd müsse man aber nicht sein. Nur Spaß in der Küche, den sollte man haben, findet Sap.

„Der Umgang mit den Gästen hier holt einen auf den Boden der Tatsachen zurück und lässt einen anders mit Leuten umgehen. Man bekommt so unheimlich viel zurück“, findet Sayk, die hauptamtlich in der Systemgastronomie tätig ist. Als ehrenamtliche „Küchenfeen“ stehen die insgesamt zehn Helfer auch nicht nur hinter dem Herd. „Wir haben schon gemeinsam gegrillt und richten jedes Jahr eine Weihnachtsfeier aus. Ostern feiern wir mit einem Osterfeuer gemeinsam mit der St.-Josef-Kirchengemeinde, und am 1. Mai stellen wir einen Maibaum auf“, so Wegmann. Ein Mittagessen im Haus Arche – das ist tatsächlich mehr als nur eine Mahlzeit.

Dieser Artikel ist Teil einer Serie. Dazu gehören auch: 1. 25 Jahre Wohnungslosenhilfe in Papenburg 2. Junge Papenburger auf der Suche nach einer Bleibe 3. Frau findet Hilfe im Papenburger Haus Arche 4. Wohnangebot in Papenburg hemmt Neustart 5. Tagesaufenthalt im Haus Arche