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Leben des Reformators vorgestellt Luther-Oratorium überzeugt in Papenburger Nikolaikirche

Von Jonas Brinker | 01.02.2017, 18:11 Uhr

Rund 100 Zuschauer haben die fulminante Vorstellung des Rock-Oratoriums „Luther! - Rebell wider Willen“ in der Papenburger Nikolaikirche besucht. Unter der Regie von Tatjana Rese zeichnete die Landesbühne Niedersachsen in musikalischer Art das Leben und Wirken Martin Luthers nach.

„Es ist eine ganz besondere Veranstaltung“, begrüßte der Pastor der Gemeinde Sebastian Borghardt die Zuschauer vor Beginn der Aufführung. Er finde es „genial, dass das Oratorium in einer Kirche stattfindet.“ Die Handlung spielt im 15. und 16. Jahrhundert und porträtiert das Leben des Reformators, gespielt von Matthias Jahrmärker. Von seinem Eintritt ins Kloster als Mönch, der Berufung als Theologieprofesser nach Wittenberg, bis hin zu seinem Tod zeigten die Schauspieler sehr detailverliebt Luthers Lebensstationen. Luthers Kampf gegen den Ablasshandel, der in der Inszenierung direkt vom Teufel vorangetrieben wurde, mündete in einem kraftvollen Ausspruch: „Ihr kauft Euch die Seelen nicht frei. Ablass ist Verrat!“

Als Höhepunkt seines Lebens gilt die Niederschrift der 95 Thesen. Hier nutzen die Schauspieler nicht nur die Bühne, sondern auch den Zuschauerraum und die Empore der Kirche, um die Thesen als Flugblätter zu verbreiten. Die anschließende Verbannung und der Bruch mit der römischen Kirche führt dazu, dass Luther vogelfrei war. Nur dank einer fingierten Entführung auf die Wartburg konnte Luther überleben und sein Hauptwerk verfassen: Die Übersetzung der Bibel in die deutsche Sprache. Die Eigendynamik seiner revolutionären Ideen führten im Volk zu reichlich Aufruhr - auch hier war das Publikum wieder quasi Teil der Inszenierung -, sodass Luther zurück nach Wittenberg ging, um die Gemüter zu beruhigen. Dieses schlug aber fehl, sodass er sich bis zu seinem Tod 1546 vor allem den Schriften widmete.

Bemerkenswert war vor allem die musikalische Darbietung unter der Leitung von Erich A. Radke. Neben exzellenten Solosängern konnte auch der 16-köpfige Chor überzeugen. Gefühlvolle Balladen mit berührenden Stimmen und Texten gehörten ebenso zum Programm wie laute und impulsive Rock-Arien, die die ganze Wut und den Ärger Luthers über die Zustände in der damaligen Welt zeigten. Kirchliche Choröle und sinnliche Duette rundeten das musikalische Programm ab. Die Live-Band nutzte den besonderen Klang und die gute Akustik der Kirche, um Gefühle auch über die Musik zu vermitteln. Hervorzuheben ist auch die kleine Bühne, die auf dem Altar der Kirche gebaut wurde. Diese wurde optimal genutzt, doch besonders das Einbinden des Zuschauerraums mit in die Handlungen war spektakulär.

Die Landesbühne Niedersachsen wird erneut mit dem Rock-Oratorium in Papenburg gastieren. Am 1. April wird in der Erlöserkirche das Stück ab 18 Uhr noch einmal aufgeführt.