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Kritik an Informationspolitik Papenburgerin schildert Chaos bei „Rock am Ring“

Von Gerd Schade | 06.06.2016, 14:55 Uhr

The Red Hot Chili Peppers, Volbeat und Deftones: Das sind nur drei der Bands, bei denen es eine Gruppe aus Papenburg auf dem Musikfestival „Rock am Ring“ in der Eifel vor der Bühne krachen lassen wollte.

Doch das individuelle Konzertprogramm versank im rheinland-pfälzischen Matsch von Mendig. Nach schweren Unwettern mit mehr als 70 Verletzten brachen die Veranstalter das Festival ab. Zehntausende Fans traten am Sonntag vorzeitig die Heimreise an.

„Wir haben es mit Humor genommen und für das Wetter kann niemand etwas, aber die Informationspolitik der Veranstalter war eine einzige Katastrophe“, sagt Dagmar Gnoth. Lautsprecherdurchsagen seien unverständlich gewesen, informiert habe sie sich letztlich über Radio.

Zum ersten Mal nach 29 Jahren hatte die Sekretärin unserer Redaktion wieder Karten für „Rock am Ring“. Ein Geschenk der Kinder. Die Vorfreude war groß. Mit einem gemieteten Caravan ging es los.

Doch der Festival-Spaß wurde schnell getrübt. Schon am ersten Tag öffnete der Himmel seine Schleusen. Und wie. „Es fing sofort richtig an zu gießen“, sagt Gnoth. Blitze zuckten, Donner grollte. Kurz darauf rückten auch schon die ersten Krankenwagen an. Nach Angaben des Roten Kreuzes waren durch Blitzeinschlag am Freitagabend insgesamt 71 Menschen verletzt worden.

Das Festivalgelände verwandelte sich derweil in eine Schlammwüste. „Wir waren trotz Regenkleidung innerhalb kürzester Zeit komplett durchgeweicht. Sie hat dem Starkregen einfach nicht standgehalten“, berichtet die Papenburgerin. Zusammen mit ihren Begleitern trottete sie zurück zum Caravan. Volbeat gab es dann zwar nur im Livestream, aber immerhin im Trockenen.

Die Hoffnung auf Besserung am Samstag erfüllte sich nicht, im Gegenteil. „Ohne Stiefel ging gar nichts“, sagt Gnoth. „Alles war total aufgeweicht und glitschig.“ Die für den Nachmittag vorgesehenen Bands spielten nicht. Das Festival war wegen erneuter Unwetterwarnungen unterbrochen worden. Am Samstagabend hatte es nach zwischenzeitlicher Zwangspause noch einmal ein Konzert auf zwei Bühnen gegeben. Dabei jubelten Zehntausende von Rockfans der kalifornischen Band Red Hot Chili Peppers zu.

Und doch erfolgte schließlich die Komplettabsage, weil für Sonntagnachmittag ein erneutes Unwetter prophezeit war und die Verbandsgemeinde den Veranstaltern die Genehmigung für die Fortsetzung des Festivals mit rund 90.000 Besuchern deshalb entzog. Konzertveranstalter Marek Lieberberg bedauerte das, sprach aber von einem Fall „höherer Gewalt“.

Für Dagmar Gnoth kam die Absage in der Nacht zum Sonntag im Nachhinein zu spät. „Das hätte eigentlich schon früher passieren müssen“, sagt sie. Tatsächlich hatte auch der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz (SPD) nach Angaben eines Ministeriumssprechers bereits eine Absage für den Samstag gefordert.

Die Papenburger sind inzwischen erleichtert, nach dem matschigen Abenteuer heil zurück zu sein. „Wir sind froh, dass alles so weit in Ordnung ist“, sagt Gnoth. Ausdrücklich lobt sie den trotz des Unwetter-Chaos gesitteten Abzug der Festivalbesucher.

Ob es vom Veranstalter Geld für die Festivalkarten zurück gibt, erscheint noch fraglich. Dagmar Gnoth zuckt mit den Schultern. „In den Allgemeinen Geschäftsbedingungen steht, dass bei jedem Wetter gespielt wird.“