Ein Artikel der Redaktion

Kreuzfahrtschiff für Briten Papenburger Meyer Werft hievt neuen Auftrag an Land

30.09.2015, 12:00 Uhr

Die Papenburger Meyer Werft hat einen neuen Auftrag für ein Kreuzfahrtschiff an Land gezogen. Für die britische Reederei Saga Cruises wird das Unternehmen einen vergleichsweise kleinen Luxusliner bauen. Für dessen Fertigung reaktiviert die Werft wie von unserer Redaktion bereits angekündigt ihr altes Baudock.

Wie das britische Unternehmen auf seiner Webseite vermeldet, soll das erste Schiff im Sommer 2019 abgeliefert werden. Zudem gibt es eine Option für den Bau eines weiteren Luxusliners mit Ablieferung im Frühjahr 2021. Kurz darauf bestätigte die Werft den Auftrag.

Mehr Beschäftigung in der Region

„Wir freuen uns sehr und sind stolz, die ersten Schiffsneubauten für die britische Reederei liefern zu dürfen“, erklärt Werft-Geschäftsführer Bernard Meyer in einer Pressemitteilung. Die Papenburger Schiffbauer stehen nach eigenen Angaben mit dem Unternehmen seit Jahren in Kontakt. Durch die Kooperation mit Saga Cruises würden sie „wiederum mehr Beschäftigung in die Region bringen“.

Das erste Schiff wird eine Vermessung von 55.900 BRZ haben. Es wird 234 Meter lang, 30 Meter breit und soll Platz für weniger als 1000 Passagiere bieten. Zum Vergleich: Die von Meyer für die US-Reederei Norwegian Cruise Line gebaute „Norwegian Escape“, die vor knapp zwei Wochen ihre Emspassage angetreten hatte, hat eine Vermessung von 164.000 BRZ. Der Ozeanriese, der auch die Kulisse für das NDR2-Papenburg-Festival bildete, ist 326 Meter lang, fast 42 Meter breit und kann 4200 Passagiere aufnehmen.

Werft liefert 2019 drei Schiffe ab

Mit dem neuen Auftrag wird die Werft wie von unserer Redaktion bereits am späten Dienstagabend angekündigt, wieder drei Kreuzfahrtschiffe innerhalb eines Jahres abliefern. Das war zuletzt wegen der immer größer werdenden Ozeanriesen nicht mehr möglich. Anders gesagt: Das alte Baudock, das im Jahr 1987 als das damals größte überdachte Baudock der Welt entstanden war, wurde für die Komplettfertigung eines Kreuzfahrtschiffes zu klein.

Hinter Saga Cruises steckt das britsche Unternehmen Acromas Travel. Der Sitz des Unternehmens befindet sich im englischen Folkestone. Unter dem Dach der Acromas Travel arbeitet das Reiseunternehmen Acromas Holidays sowie die Schifffahrtstochter Acromas Shipping, die unter dem Handelsnamen Saga Shipping derzeit zwei Kreuzfahrtschiffe betreibt.

Reisen für Menschen ab 50

Die Reederei Saga Cruises konzentriert sich auf älteres Publikum am britischen Markt und betreibt derzeit die 1981 als „Europa“ für Hapag Lloyd in Dienst gestellte „Saga Saphhire“ und die 1989 als „Astor“ in Dienst gestellte „Saga Pearl II“. Die neuen Kreuzfahrtschiffe, die in Papenburg gebaut werden, sind die ersten Neubauten des Unternehmens und sollen nach Angaben von Saga Cruises das eigene Kreuzfahrtgeschäft in eine neue Ära führen. Robin Shaw, Chief Executive of Saga Cruises, sagt: „Dies ist ein wichtiger Meilenstein für die Zukunft von Saga Cruises und wir freuen uns dieses Schiff zusammen mit der Meyer Werft, einer der führenden Werften beim Bau von Kreuzfahrtschiffen, individuell für unsere Bedürfnisse zu entwickeln“. Neben Versicherungen, Gesundheitsleistungen werden auch Urlaubsreisen und speziell für Menschen ab 50 Kreuzfahrten angeboten.

Option für ein zweites Saga-Schiff

Mit dem neuen Auftrag von Saga Cruises wächst die Auslastung der Meyer Werft weiter. Neben dem ersten von zwei Neubauten für AIDA Cruises und einem weiteren noch namenlosen Schiff für die US-Reederei Norwegian Cruise Line, liefern die Papenburger Schiffbauer im Jahr 2019 erstmals wieder drei Kreuzfahrtschiffe in einem Jahr ab.

 (Weiterlesen: Meyer Werft baut wieder für Aida Cruises) 

Wird die Option für ein zweites Saga-Schiff in einem Festvertrag umgewandelt, sichert das die Beschäftigung am Papenburger Standort der Meyer Werft bis in das Jahr 2021. Zusammen mit dem ersten Saga-Schiff stehen damit wieder zehn Luxusliner in den Auftragsbüchern. Sie sind zurzeit ohnehin so voll wie nie. Derzeit entsteht im großen Baudock die „Oavtion of the Seas“ für die US-Reederei Royal Caribbean International. Sie soll im Frühjahr 2016 abgeliefert werden. Im Herbst des kommenden Jahres wird die „Genting World“ an die asiatische Reederei Star Cruises übergeben.

Streit mit Betriebsrat

Der bislang letzte Luxusliner aus dem Dock war die im Jahr 2013 in Dienst gestellte „AIDAstella“ (71.300 BRZ). Sie ist gut 250 Meter lang, mehr als 30 Meter breit und hat Platz für knapp 2200 Passagiere an Bord. Zuletzt wurde in dem Dock das im vergangenen Jahr abgelieferte Forschungsschiff „Sonne“ gebaut. Seitdem wird es lediglich als Produktionsstufe zum Bau von Schiffsblöcken genutzt. Das alte Dock ist 358 Meter lang, das zweite, in dem die ganz großen Ozeanriesen entstehen, misst 504 Meter.

Die Nachricht über den Neuauftrag fällt in eine Zeit, die von der Auseinandersetzung um die fristlose Kündigung des Betriebsratsvorsitzenden der Werft, Ibrahim Ergin, überschattet wird. Die Unternehmensleitung wirft Ergin vor, junge Mitarbeiter durch massiven Druck zum Eintritt in die Gewerkschaft genötigt zu haben. Ergin bestreitet das. Betriebsrat und Gewerkschaft stehen hinter ihm. Der Fall liegt inzwischen beim Arbeitsgericht Lingen, durch das sich die Werft die von den Arbeitnehmervertretern verweigerte Zustimmung zur fristlosen Kündigung ersetzen lassen will. Eine Entscheidung steht noch aus.

 (Weiterlesen: Meyer Werft geht wieder auf Betriebsrat zu) 

Parallel dazu hat die Werftleitung dem Betriebsrat ein Vermittlungsgespräch angeboten. Dafür benannte der Betriebsrat am Montag den Leiter des Instituts Arbeit und Wirtschaft der Universität Bremen, Rudolf Hickel, als Mediator vor. Die Meyer Werft will laut Werftsprecher Günther Kolbe mit einer „bedeutenden Persönlichkeit aus der Arbeitsgerichtsbarkeit“ in das Gespräch gehen.