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Kommentar Zum Vortrag in Papenburg: Vom Nachwuchs lernen

Meinung – Gerd Schade | 10.02.2017, 19:09 Uhr

Vor über 300 Zuhörern in Papenburg hat der Medienpädagoge Moritz Becker aus Hannover das Nutzungsverhalten Heranwachsender von Online-Netzwerken erklärt. Das war erfrischend, lebensnah und erkenntnisreich. Ein Kommentar.

Von der aktuellen Elterngeneration wissen die wenigsten Mütter und Väter, was es bedeutet, einen Konflikt in der Whatsapp-Gruppe der Schulklasse austragen zu müssen. Den Kurznachrichtendienst hat es zu ihrer Pennäler-Zeit noch nicht gegeben. Die meisten Schüler dürften sich hingegen kaum vorstellen können, dass überhaupt je ein Zeitalter ohne Youtube, Instagram und Smartphone existent war. Das birgt im Erziehungsalltag jede Menge Zündstoff.

Wie Balsam wirkte da der Vortrag des Medienpädagogen Moritz Becker in Papenburg. Erfrischend, unterhaltsam und lebensnah brachte er seinen mehr als 300 Zuhörern die Lebenswirklichkeit von Kindern und Jugendlichen näher und welche Rolle dabei soziale Netzwerke im Internet einnehmen. Den Stoff dafür liefern ihm die Schüler selbst – weil er sie ernst nimmt, mit ihnen spricht und ihnen zuhört. So kann er Erwachsenen anschaulich erklären, warum Schüler ihr Smartphone anders nutzen als sie und weshalb es Heranwachsenden mitunter wichtiger ist, Fotos ins Netz zu stellen, die die ältere Generationen erst gar nicht von sich machen würde.

Dabei geht es auch den Kindern und Jugendlichen nur um zwei menschliche Grundbedürfnisse, die sich online mit Likes und Kommentaren leicht befriedigen lassen: Aufmerksamkeit und Anerkennung. In den Online-Netzwerken brechen sie sich allerdings in anderen Kanälen Bahn als wenn beispielsweise kleine Kinder bei ihren Eltern um ein Lob für ihr selbst gemaltes Bild oder einen wackeligen Turm aus Bauklötzen heischen. Hier wie dort ist nichts schlimmer als Desinteresse oder gar Gleichgültigkeit.

In dieser Hinsicht können Erwachsene von ihrem Nachwuchs durchaus lernen. Denn zumindest in der Arbeitswelt sind gezielte Formen der Anerkennung vielfach lange vernachlässigt worden. Inzwischen legen aber auch im nördlichen Emsland immer mehr Unternehmen Wert auf eine aktive Feedback-Kultur. Das ist überfällig. Denn konstruktive Kritik ist für die persönliche Entwicklung ein wichtiger Faktor. Und Hand aufs Herz: Wer wird nicht gerne auch mal gelobt?