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Johannson gründet Werbeagentur Ex-Gartenschau-Chef wagt Neuanfang in Papenburg

Von Gerd Schade | 13.08.2015, 21:28 Uhr

Der ehemalige Geschäftsführer der Landesgartenschau (LGS) 2014 in Papenburg, Lars Johannson, wagt einen beruflichen Neuanfang in der Fehnstadt.

Zusammen mit der früheren Stellvertreterin der LGS-Durchführungsgesellschaft, Janina Karasch, hat Johannson die Agentur „Nordlicht Marketing“ gegründet. Sie firmiert unter dem Dach des Verlagsgebäudes der Ems-Zeitung am Stadtpark. Das Duo ist nach eigenen Worten parallel zum Einzug in diesen Tagen bereits voll in die Akquise eingestiegen und dabei, für mehrere potenzielle Geschäftspartner nicht nur in Papenburg Konzepte zu entwickeln. Dabei würden sie ihre während der Landesgartenschau entstandenen Kontakte nutzen. „

Nicht mehr nachkarten

Wir warten nicht, bis das Telefon klingelt, sondern entwickeln selbst Ideen“, sagt Johannson.

Nachkarten im Streit mit der Stadt um die mit unerwarteten Millionenmehrkosten finanziell völlig aus dem Ruder gelaufenen Gartenschau wollen er und Karasch nicht mehr. „Wir blicken nach vorn“, sagt Johannson.

Das gilt auch für die im Zuge der Kostendebatte geplatzten Zukunftspläne von Johannson und Karasch, die nach der Landesgartenschau zentrale Rollen im neuen Förderverein für Tourismus und Stadtmarketing übernehmen sollten. Dessen Ziel ist es, die Stadt sowohl für Touristen als auch für Neubürger und Einheimische attraktiver zu machen. Dahinter steckt ein Konzept zur Steigerung der Lebensqualität, an dessen Entstehung Johannson für seinen potenziellen Nachfolgejob nach eigenem Bekunden „mit viel Herzblut und Leidenschaft“ maßgeblich mitgewirkt hatte. In dem Förderverein engagieren sich mehr als ein Dutzend Papenburger Unternehmen als Geldgeber, darunter die Meyer Werft, die Baufirma Bunte, die Hanrath-Gruppe, die Gartenbauzentrale und die Sparkasse Emsland.

 (Weiterlesen: Förderverein übernimmt Papenburg Tourismus GmbH) 

Die Pläne waren geplatzt, nachdem Johannson von der LGS-Gesellschafterversammlung abberufen worden war, weil er eigenmächtig einen Vertrag über das sogenannte Frühjahrs- und Herbstfunkeln im Stadtpark unterzeichnet hatte. Der Vorsitzende des Fördervereins, Hermann Nehe, hatte in diesem Zusammenhang in einem Interview mit unserer Redaktion von dem Wunsch nach einem „unbelasteten Neuanfang“ gesprochen.

Für die Spitzen der Papenburger Politik und Verwaltung gilt Johannson als Hauptverantwortlicher für das Millionen-Minus der Gartenschau. Nach Auffassung des städtischen Rechnungsprüfungsamtes hatte Johannson unbefugt 64 Aufträge im Gesamtwert von 5,2 Millionen Euro erteilt. Der 40-Jährige weist hingegen unverändert alle Vorwürfe zurück. „Ich habe nichts getan, was in irgendeiner Weise anrüchig gewesen wäre“, sagt er im Gespräch mit unserer Redaktion. (Weiterlesen: Papenburg beendet Aufarbeitung des Gartenschau-Minus) 

Der berufliche Neuanfang sei trotz großzügiger finanzieller Unterstützung Dritter alles andere als einfach, laufe aber ganz vielversprechend an. Das Vertrauen der Partner aus der Gartenschau-Zeit außerhalb des Rathauses sei „absolut noch da“, betont Johannson. „Ich habe bislang jedenfalls keinen Menschen getroffen, der mir Vorwürfe gemacht hat.“ Trotz der politischen Schlammschlacht der vergangenen Monate begegne er jeden Tag Leuten, die ihm positiv zusprechen würden. „Das macht Mut“, sagt Johannson.

„Papenburg hat viel zu bieten“

Aktuell sei die Agentur in konkreten Gesprächen mit der Hanrath-Gruppe, was die Vermarktung des Güterbahnhofs betrifft, der zu einer Veranstaltungshalle umgebaut werden soll . Auch mit dem neuen Geschäftsführer des Hotels Alte Werft, Arne Zierow, gebe es unter anderem Überlegungen, wie Tagungsgästen der Papenburg-Aufenthalt in Form von Freizeitgestaltung noch reizvoller als bisher gestaltet werden kann. „In diesem Bereich liegt Potenzial. Papenburg hat viel zu bieten“, sagt Johannson. Die Agentur sei aber nicht nur auf die Fehnstadt fokussiert. „Die Menschen haben Lust, etwas zu unternehmen. Langfristiges Ziel muss es sein, die Lebensqualität in der Stadt und der Region zu steigern.“

Johannson und Karasch betonen zudem ausdrücklich, dass sie sich keineswegs als Konkurrenz zu bestehenden Strukturen, sondern als Ergänzung verstehen. „Wir bieten Unterstützung an“, sagen sie. Das Portfolio der Agentur fußt auf vier Säulen: klassisches Marketing wie die Arbeit am öffentlichen Erscheinungsbild von Unternehmen (Firmenlogo, Internetauftritt), Veranstaltungen (öffentliche Events und geschlossene Firmenveranstaltungen), PR (Kampagnen, Beratung, Zusammenstellen von Pressemappen) sowie touristische Dienstleistungen. „Das Ganze muss aber erst wachsen“, sagt Johannson. Für die Aufbauphase veranschlagt der Diplom-Betriebswirt etwa drei Jahre. Ziel sei es, eine Größe von fünf bis zehn Mitarbeitern zu erreichen.

„Schwer vermittelbar“

Lars Johannson macht keinen Hehl daraus, dass er nach der Entwicklung in den vergangenen Monaten vor dem Nichts stand. „Wer bei Google in Papenburg, New York oder Schanghai meinen Namen eingibt, weiß gleich Bescheid“, sagt er. Selbst die Agentur für Arbeit habe ihn als „schwer vermittelbar“ eingestuft. Gedanken, Papenburg den Rücken zu kehren, habe er letztlich dennoch rasch verworfen – wegen der guten Geschäftskontakte, aber auch, weil er und seine Familie sich in Papenburg einfach wohlfühlen würden.