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Jahrestag des Hausbrandes Ein Papenburger Unglückstag und seine Folgen

Von Stefan Prinz | 11.07.2014, 21:13 Uhr

Kein Ereignis im Emsland hat in den vergangenen Jahren zu solch bundesweiten Diskussionen geführt: Am Sonntag jährt sich der Brand in einer Papenburger Unterkunft für Werkvertragsarbeiter, bei dem zwei rumänische Arbeiter der Meyer Werft starben. Seitdem hat sich viel geändert. Eine Bilanz.

Als am Sonntagnachmittag die Papenburger Feuerwehr zwei Tote in einem ausgebrannten, mit Dutzenden Arbeiter bewohnten Haus in der Landsbergstraße meldete, ahnte niemand, welche Folgen dieses Unglück für die Meyer Werft, für die Stadt Papenburg und für die gesamte Branche der Werkvertragsarbeiter haben würde.

Folgen für die Meyer Werft: Das Traditionsunternehmen machte in den folgenden Monaten große Anstrengungen, um die Missstände zu beseitigen, die bei einigen seiner Subunternehmen offenkundig wurden. Dazu gehörten beispielsweise massive Arbeitszeitüberschreitungen. Als Reaktion auf den Tod der Männer hatte die Werft eine Sozialcharta erstellt. Sie soll Mindeststandards für die Arbeitsbedingungen von Leiharbeitern sichern. Geschäftsführer Bernard Meyer hatte erklärt, die Charta solle helfen, „schwarze Schafe“ bei den Werkvertragsunternehmen auszuschließen. Eine spezielle Arbeitsgruppe der Werft, die Taskforce, arbeitet bis heute Missstände auf und erarbeitet Standards gegen Missbrauch.

Folgen für die Stadt Papenburg: Wenige Tage nach dem Feuer stellte sich heraus, dass Dutzende Werkvertragsarbeiter in dem Wohnhaus in überfüllten Räumen lebten. Das war in Papenburg und anderen Orten der Region kein Einzelfall. Rund ein halbes Jahr nach dem Unglück hatte die Stadtverwaltung 62 Unterkünfte im Stadtgebiet auf sanitäre Anforderungen und Überbelegung überprüft. Das Ergebnis: Lediglich sieben Wohnungen wurden seinerzeit nicht beanstandet. 45Wohnungen waren überbelegt. Für die Überprüfungen hat die Stadt Papenburg das Personal im Bauamt aufgestockt.

Folgen für andere Branchen: Insbesondere auf Schlachthöfen wurde eine Diskussion um Mindestlöhne laut. Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) meinte, dass 80 Prozent aller Schlachthöfe in Niedersachsen mit Werkvertragsarbeitern arbeiten. Sögel hatte als Vorreiter Standards eingeführt, um die Situation der Werkvertragsarbeiter („Eimermenschen“) zu bessern.

Stimmen zu Diskussionen nach dem Brand: „Im Souterrain des deutschen Arbeitsmarktes haben sich unhaltbare Zustände ausgebreitet“, sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch.

Der damalige SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück lobte die Aufklärungsarbeit der Meyer Werft bei seinem Besuch in Papenburg als „vorbildlich“.