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Haus Regenbogen hilft Junge Papenburger auf der Suche nach einer Bleibe

Von Eva Kleinert | 24.07.2014, 19:34 Uhr

Wenn Lore Wittrock mit ihren Klienten aus dem Haus Regenbogen spricht, darf eines nie fehlen: ein zum Platzen gefüllter Kalender, in dem die Diplom-Pädagogin alle Termine und Fristen gesammelt hat, die die jungen Erwachsenen in der betreuten Wohngruppe bei der St.-Josef-Kirche betreffen. Im Haus Regenbogen wird jungen Erwachsene geholfen, das Führen eines eigenverantwortlichen Lebens zu lernen – angefangen bei der Einhaltung von Terminen.

Die Liste der Aufgaben, die Wittrock in den zwei Wohngruppen mit insgesamt sechs Schlafplätzen im Haus Regenbogen wahrnimmt, ist lang. „Ich wecke die Bewohner morgens, kontrolliere, ob die Wohnungen sauber sind, oder übernehme die Kontoführung. Natürlich unterhalte ich mich auch viel mit ihnen – manchmal höre ich auch einfach nur zu“, sagt Wittrock.

Häufig führten gerade Probleme mit den Eltern dazu, dass junge Erwachsene auszögen und auf der Straße oder bei Bekannten landeten, so die Pädagogin. Aus welcher Bevölkerungsschicht die jungen Menschen kämen, spiele dabei keine Rolle. „Ich habe sogar schon Akademikerkinder betreut. 90 Prozent der Bewohner kommen aus Papenburg.“ Egal, woher sie kommen, im Haus Regenbogen müssen sich alle Bewohner an die gleichen Regeln halten. Dazu zählen: das Haus sauber halten, keine Drogen, regelmäßig bei den berufsvorbereitenden Maßnahmen erscheinen und an den Hausbewohnerbesprechungen teilnehmen.

Über die beschriebenen Aufgaben hinaus kümmert sich Wittrock auch um die individuellen Probleme ihrer Schützlinge. Sie organisiert bei Bedarf einen Platz bei der Sucht- oder Schuldenberatung oder setzt sich mit den Bewohnern mit berufsvorbereitenden Maßnahmen oder Ausbildungen auseinander. Eine wichtige Stütze ist Wittrock vor allem bei Behördengängen: Sie hilft beim Beantragen von Leistungen wie Arbeitslosengeld I oder II, Kindergeld oder auch ausbildungsbegleitende Finanzmittel wie Bafög.

Das Haus Regenbogen unterscheide sich in Teilen von anderen Einrichtungen, wie Wittrock feststellt: „Wir sind hier in Papenburg schon etwas Besonderes, weil wir mit dem Haus Regenbogen eine eigene Wohngruppe für junge Erwachsene anbieten.“ Andernorts müssten sich diese meistens in reguläre stationäre Einrichtungen begeben, die nicht auf ihre Bedürfnisse angepasst seien.

Finanziert und unterstützt wird die Betreuung der jungen Erwachsenen von der Stadt Papenburg, dem Landkreis Emsland sowie durch Projektmittel und die St.-Josef-Kirchengemeinde. Alle Möbel in den Zimmern sind gespendet.

Auch die Wiedereingliederung junger Leute in Ausbildung und Beruf sei in anderen Orten verbesserungswürdig, meint Wittrock: „Die meisten Maßnahmen leisten für den Großteil der Jugendlichen sehr gute Arbeit. Ich würde mir aber wünschen, dass berufsvorbereitende Maßnahmen verstärkt ein Augenmerk auf die Problematik dieser speziellen Zielgruppe legen und nicht nur auf Beruf und Ausbildung.“

Tim hat Hilfe gefunden

Wie schwierig der Einstieg in einen geregelten Alltag ist, weiß der 25-jährige Tim. Der Papenburger kam ins Haus Regenbogen, als er, unter Drogensucht leidend, zu Hause rausgeflogen war. Die anfängliche Motivation, regelmäßig bei den berufsvorbereitenden Maßnahmen zu erscheinen, war gering. „Wenn ich ein- oder zweimal da war in der Woche, war das viel“, sagt Tim.

Mittlerweile hat er sich aber wieder an einen geregelten Tag gewöhnt und bereitet sich gezielt auf ein betriebliches Langzeitpraktikum in der Malerbranche vor – die sogenannte Einstiegsqualifizierung Jugendlicher. Derzeit wohnt Tim zwar noch im Haus Regenbogen, er weiß aber genau, wo er in zehn Jahren sein möchte: Als Geselle lebe er dann in einer eigenen Wohnung mit einer Frau oder Freundin. „Ich will einfach genug Geld haben, um über die Runden zu kommen.“

Dieser Artikel ist Teil einer Serie. Dazu gehören auch: 1. 25 Jahre Wohnungslosenhilfe in Papenburg 2. Wohnangebot in Papenburg hemmt Neustart 3. Frau findet Hilfe im Papenburger Haus Arche 4. Papenburger mögen lieber Fleisch als Pizza 5. Tagesaufenthalt im Haus Arche