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Fachstunden werden „entrümpelt“ In Aschendorf gehen die Unterrichtsuhren anders

Von Gerd Schade | 12.09.2011, 10:45 Uhr

In Aschendorf macht seit dem Ende der Sommerferien ein neues Zeitmodell Schule. Der Fachunterricht an der Heinrich-Middendorf-Schule beginnt neuerdings erst um 8.30 Uhr. Das Modell, das nach Angaben der Schule im nördlichen Emsland seinesgleichen sucht, soll unter anderem den Fachunterricht „entrümpeln“, Platz für freizeitpädagogische Angebote schaffen und sich dem Biorhythmus von Schülern und Lehrern anpassen.

„Wenn wir Oberschule mit Leben füllen wollen, dann müssen wir inhaltlich und formal etwas ändern“, betont Schulleiterin Erika Behrens. Es genüge nicht, einfach das Eingangsschild auszutauschen. Seit diesem Schuljahr firmiert die bisherige Haupt- und Realschule in Aschendorf als Oberschule mit teilgebundenem Ganztagsangebot (zwei Nachmittage pro Woche verpflichtender Unterricht aufwachsend ab Jahrgangsstufe 5).

Das neue Zeitmodell sieht einen „rhythmisierten Schultag“ vor, wie Thomas Springub, Mitglied der Planungsgruppe für die Oberschule, erläutert. Der Tag beginnt mit freiwilligen Angeboten. Ab 7.40 Uhr können die Schüler beispielsweise Kickern, Billard oder Tischtennis spielen. Dafür stehen zwei Aufenthaltsräume zur Verfügung, die zusammen mit den Schülern eingerichtet wurden beziehungsweise noch eingerichtet werden sollen. Geplant ist außerdem ein – ebenfalls freiwilliges – Frühstücksangebot. „Viele Schüler kommen ohne Frühstück in die Schule“, sagt Springub. In der Schule sollen die Mädchen und Jungen lernen können, was es bedeutet, in einer Gemeinschaft zu frühstücken. „Das heißt aber nicht, dass wir für belegte Brötchen sorgen, sondern die Schüler sollen ihr Frühstück schon selbst zubereiten“, so Springub.

Um 8.10 Uhr steht dann täglich und verpflichtend für alle die sogenannte Klassenzeit auf dem Stundenplan. Sie soll vor dem Beginn des Kernunterrichts Gelegenheit bieten für organisatorische Dinge und Gespräche – kurz gesagt für alles, was bisher neben dem Fachunterricht gelaufen ist.

Wechselpause

Der Klassenzeit folgt der erste Unterrichtsblock (80 Minuten), der sich, lediglich unterbrochen von einer fünfminütigen Wechselpause eine dritte Unterrichtsstunde (45 Minuten) anschließt. Erst dann gibt es die erste große Pause beziehungsweise freie Zeit (30 Minuten) mit betreutem Pausensportangebot (Basketball, Fußball).

Das neue Zeitmodell sei auch für die Lehrer eine große Umstellung gewesen, sagt der stellvertretende Schulleiter Paul Thoben. Im Gegensatz zu früher bekämen sie ihren Kaffee jetzt erst etwa eine ganze Stunde später. In diesem Zusammenhang berichtet Thoben, dass das neue Modell nicht bei allen Kollegen sofort auf Gegenliebe gestoßen sei. Das Hauptgegenargument sei gewesen, dass für den Fachunterricht im Gegensatz zu vorher nun zehn Minuten weniger zur Verfügung stünden. Die Planungsgruppe ist von dem Erfolg gleichwohl überzeugt, auch wenn wenige Wochen nach Schulstart belastbare Erfahrungswerte noch fehlen.

Zum Konzept gehören am Vormittag eine zweite Blockphase (80 Minuten), freie Zeit (15 Minuten) und eine Einzelstunde (45 Minuten) beziehungsweise das erste von zwei Zeitfenstern für die Mittagspause.

Die Heinrich-Middendorf-Schule will das Modell weiter ausarbeiten und auch die selbst gewählte Schwerpunktbildung (musisch-kultureller Bereich/sportlicher Bereich) mit Leben füllen. Beide Bereiche seien in den vergangenen Jahren aus den klassischen Stundentafeln immer weiter herausgedrängt worden, sagt Springub. Auf jeden Fall weiter ausgebaut werden soll nach dem Willen der Lehrer außerdem das freizeitpädagogische Angebot an der Heinrich-Middendorf-Schule. Dazu gehört aus ihrer Sicht nicht zuletzt ein „bewegungsaktiver Schulhof“. In diesem Punkt sieht die Schule ihren Träger, die Stadt Papenburg, dringend gefordert.