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Erstmals Betrieb mit Brennstoffzellen Zwei Kreuzfahrtschiffe: Neuer Auftrag für Werft Meyer Turku

Von Christoph Assies | 11.10.2016, 11:16 Uhr

Die Werft Meyer Turku, ein Tochterunternehmen der Papenburger Meyer Werft, hat einen neuen Auftrag zum Bau von zwei Kreuzfahrtschiffen. Abgeliefert werden sollen die Luxusliner mit Platz für jeweils 5000 Passagiere in den Jahren 2022 und 2024 an die US-Reederei Royal Caribbean International.

Die Neubauten der sogenannten „Icon-Class“ werden erstmals sowohl mit Flüssigerdgas (LNG), als auch – erstmals auf einem Kreuzfahrtschiff – mit Brennstoffzellen betrieben. Die US-Reederei kündigte zudem in einer Pressemitteilung an, auch die bevorstehenden Neubauten der „Quantum-Klasse“ , die 2019 und 2020 vom Papenburger Meyer-Stammsitz abgeliefert werden, mit Brennstoffzellen auszustatten.

Mit einer Kapazität von rund 5000 Passagieren werden die „Icon-Class“-Schiffe etwas kleiner als das größte Kreuzfahrtschiff der Welt („Harmony of the Seas“), das ebenfalls zur Flotte von Royal Caribbean International gehört. Nach Mitteilung der Reederei sollen die neuen Ozeanriesen bevorzugt mit LNG als Treibstoff fahren. So sollen Ausstöße von Rußpartikeln und Schwefeloxiden, wie sie bisher beim Betrieb mit Schweröl vorkommen und deshalb von Umweltverbänden kritisiert werden , verschwinden und die Reise auf See umweltfreundlicher machen.

Royal Caribbean International ist nach AIDA Cruises, Costa Crociere , Carnival Cruise Line und P & O Cruises ein weiterer Auftraggeber, der bei der Meyer Werft Neubauten mit LNG-Antrieb bestellt. Das erste Schiff, das mit dem umweltfreundlicheren Treibstoff von der Meyer Werft abgeliefert wird, ist ein noch namenloser Neubau für die Rostocker Reederei AIDA Cruises im Herbst 2018.

Eine weltweite Premiere auf einem Kreuzfahrtschiff ist der Einsatz der Brennstoffzellen-Technologie. In einer elektrochemischen Reaktion wird dabei ohne Verbrennung von Treibstoff elektrische Energie erzeugt. Harri Kulovaara, Chef-Designer von Royal Caribbean International, erklärte in der Mitteilung des Unternehmens, die Einführung von Brennstoffzellen stelle einen dramatischen Schritt nach vorn in der maritimen Industrie dar. „Wir glauben, Brennstoffzellen bieten sehr interessante Design-Möglichkeiten“, so Kulovaara. Da die Technologie kleiner und effizienter werde, würden Brennstoffzellen in signifikanter Weise den Hotelbereich des Schiffes versorgen. „Wir werden die Technologie testen, sobald wir können und die Möglichkeiten der Brennstoffzellen auf den Icon-Class-Schiffen maximieren“, so Kulovaara.

Der Werftchef von Meyer Turku, Jan Meyer, sagte zum neuen Auftrag für das finnische Tochterunternehmen der Papenburger Schiffbauer: „Unsere Partnerschaft mit Royal Caribbean hat eine Reihe bahnbrechender Schiffsklassen auf den Markt gebracht und wir sind dankbar, dass Royal Caribbean uns erneut die Möglichkeit gegeben hat, mit ihnen partnerschaftlich diese neuen Schiffe zu bauen.“

Als „Beleg für die Innovationswilligkeit und Innovationsfähigkeit des Werftenverbunds der Meyer Werften in Papenburg und Turku sowie der Neptun Werft in Rostock“ wertet der Landtagsabgeordnete und Präsident des Niedersächsischen Landtages Bernd Busemann (CDU) den erneuten Auftrag für den Bau von zwei Kreuzfahrtschiffen in Turku. „Die Auslastung der Kapazitäten an allen Standorten der Meyer Werft kommt auch dem Land Niedersachsen und dem Standort Papenburg zugute“, sagte Busemann.

Dass die jeweils über 200.000 BRZ großen Neubauten für Royal Caribbean unter anderem über Brennstoffzellen mit Energie versorgt werden sollen, unterstreiche „die technologische Spitzenstellung des Werftenverbunds Meyer, der nun insgesamt neun Aufträge mit einer Perspektive bis 2024 in den Büchern verzeichnen kann, so Busemann. Das sei ein großer Erfolg für die Leitung und die Belegschaften der Werften. Busemann abschließend: „Innovationen zahlen sich aus für den Betrieb, die Arbeitnehmer und das Land.“