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Ernteausfälle in Südeuropa Gemüsepreis-Schock: So reagiert das Emsland

Von Daniel Gonzalez-Tepper | 07.02.2017, 13:22 Uhr

Was den Verbraucher derzeit am Gemüseregal im Supermarkt ärgert, freut die Gärtner: Wegen der großen Ernteausfälle in Südeuropa rechnet die Gartenbauzentrale (GBZ) in Papenburg mit guten bis sehr guten Erlösen in den nächsten Wochen.

„Wir gehen optimistisch in die bald beginnende Ernteperiode“, sagt Andreas Brinker, Verkaufsleiter der GBZ, einem genossenschaftlichen Zusammenschluss von etwa 45 Papenburger Gärtnereien mit Sitz an der Schulze-Delitzsch-Straße. Traditionell werden in Papenburg und den umliegenden Kommunen neben Kräutern insbesondere Gurken und Tomaten angebaut. Deren Preise sind wegen des schlechten Wetters in Spanien, Italien und auch Griechenland im Dezember und Januar zwar nicht so gravierend angestiegen wie beispielsweise bei Eisbergsalat, Brokkoli oder Paprika, liegen aktuell dennoch deutlich über dem Niveau der vergangenen Jahre. In Großbritannien wurde sogar der Verkauf von Gemüse rationiert.

 (Weiterlesen: Preisschock am Gemüseregal wegen Ernteausfällen) 

Brinker berichtet von verzweifelten Anrufen von Einkäufern großer Supermarkt- und Discounterketten, die händeringend auf der Suche nach Waren sind. „Der Markt ist wie leer gefegt, und ein knappes Angebot bedeutet immer hohe Preise“, weiß Brinker, der seit 25 Jahren im Vertrieb von Obst und Gemüse tätig ist. Solche eine Extremsituation sei aber auch ihm als „erfahrenen Hasen“ im Geschäft bisher noch nie untergekommen. „Die Tendenz, dass die Winter in Südeuropa kälter und feuchter sind und es bei uns im Sommer zu Unwettern kommen kann, hat es in den vergangenen Jahren bereits gegeben. So ein Phänomen, dass so gut wie alle südeuropäischen Länder von Ernteausfällen betroffen sind, habe ich aber noch nie erlebt“, sagt der Werlter.

Auf der Internationalen Pflanzenmesse (IPM) in Essen, auf der er im Januar mit Geschäftsführer Dirk Matuszewski war, seien die Probleme eines der Topthemen gewesen. In dieser Woche werden beide auf der Fruchthandelsmesse Fruit Logistica in Berlin vertreten sein, auch dort dürfte über Preise und Ernteausfälle debattiert werden.

Über früheren Anbaubeginn diskutiert

Im September hatte der Vertriebsleiter der GBZ mit Handelsketten darüber diskutiert, ob es Sinn macht, dass die hiesigen Gemüsegärtner früher mit der Produktion beginnen. „Normalerweise beginnt bei uns im Dezember der Anbau von Tomaten, im Januar geht es bei den Gurken los, sodass beides ab Ende Februar geerntet werden kann“, erklärt Brinker. Den Einkäufern sei jedoch letztlich das Risiko zu groß gewesen, dass aus Südeuropa doch entsprechende Liefermengen kommen und die Preise für hiesiges, entsprechend belichtetes und beheiztes Gemüse nicht konkurrenzfähig seien. Ein Trugschluss, wie sich jetzt herausstellt.

 (Weiterlesen: Trend zu Regionalität verändert Geschäfte der GBZ Papenburg) 

Brinker geht davon aus, dass die Preise erst einmal auf hohem Niveau bleiben werden, weil die Anbauregionen im Süden mindestens zehn Wochen benötigen würden, bis Kapazitäten aufgebaut sind. „Wir sind daher optimistisch, für die nächsten Wochen, aber auch für das gesamte Jahr. Ich denke, wir sind gut aufgestellt“, sagt der Vertriebsleiter, was auch für den ungebrochenen Trend nach Regionalität in den Supermarkt-Regalen gelte. „Ich denke, dass unsere Betriebe und unser Logistikstandort gut aufgestellt und bereit sind, von diesem Trend noch intensiver zu profitieren“, sagt Brinker. Und das Thema früherer Anbau im Winter 2017/2018 dürfte nach den jetzigen Kapriolen definitiv auch noch einmal Thema werden.