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Eine gemeinsame Antwort fehlt bisher – Unsere Leser sind aufgerufen Papenburg sucht seine Stadtmitte

18.07.2012, 12:30 Uhr

Einkaufsmöglichkeiten, Naherholungsgebiet und ausreichend Wohnraum: Papenburg hat eigentlich alles, was eine Stadt ausmacht – fast alles. Denn eins fehlt: Papenburg sucht bis heute vergeblich seine Stadtmitte. Die Ems-Zeitung ist der Antwort auf der Spur.

Wo geht’s denn hier zur Stadtmitte? Wenn sich Touristen mit dieser Frage an die Papenburger wenden, sind selbst Alteingesessene überfragt. Denn aufgrund seiner Siedlungsgeschichte hat sich die Stadt nicht um einen Ortskern konzentriert, sondern ist in die Länge gewachsen. Kanäle waren daher lange Zeit die Hauptentwicklungsachsen. Die Stadt wuchs nicht um den Kanal, sondern entlang des Kanals. Für eine Stadt mit rund 35000 Einwohnern ergibt sich daraus eine ungewöhnlich große Ausdehnung. Die Stadt hat eine Länge von mehr als 12 Kilometern und erstreckt sich rund 16 Kilometer in die Breite.

Die historische Mitte Papenburgs liegt auf dem Gelände des „Forums Alte Werft“. Dort wurde im 13. Jahrhundert die Wasserburg „Papenborch“ gebaut, die Keimzelle der heutigen Stadt.

Die geografische Mitte ist etwa der Standort der Gartenbauzentrale. Das Katasteramt hat nämlich die geografische Mitte der Stadt zwischen der Schulze-Delitzsch-Sraße und dem Von-Ohrs-Weg ermittelt. Die soziale Mitte dürfte im Stadtteil Obenende liegen. Mit rund 12500 Einwohnern gibt es dort das größte Wohngebiet der Stadt.

Das sagen die Fraktionen im Papenburger Stadtrat zur Frage: Wo ist die Papenburger Mitte?

UBF-Fraktionschef Volker Eissing: Es gibt in dieser Stadt keine Stadtmitte. UWG-Fraktionschef Ralf Uchtmann: Es gibt keine! Und das ist auch gut so und eben das Besondere an Papenburg. Jeder Stadtteil hat zwar sein jeweiliges Zentrum, aber die Gesamtstadt hat keines. FDP-Fraktionschefin Marion Terhalle: Die Frage ist wirklich nicht einfach zu beantworten. Verwirrend ist aber schon, dass an der B70 Hinweisschilder in verschiedene Richtungen auf die Stadtmitte hinweisen. Gefühlt ist für mich aber das Rathaus an der Verbindungsachse B 70/Hauptkanal die Papenburger Stadtmitte, dort werden die Weichen für die künftige Entwicklung der Stadt gestellt, gemeinsam mit der Antoniuskirche, dem „langen Anton“.

SPD-Fraktionschef Peter Raske: Wozu brauchen wir einen Streit über die Stadtmitte in Papenburg? Ohne fest definierte Stadtmitte konnte Papenburg bisher sehr gut leben. Das Besondere an Papenburg ist, dass es keine allgemein verbindliche Stadtmitte gibt. Die Haushaltskonsolidierung und die soziale und wirtschaftliche Entwicklung der Stadt sind für die Politik wichtiger als eine Diskussion über die Stadtmitte. CDU-Fraktionschef Hermann Wessels: Dabei könnten unter anderem geografische, wirtschaftliche oder auch gesellschaftlich-soziale Aspekte in den Vordergrund gestellt werden. Daraus wird deutlich, dass die eingangs gestellte Frage sehr unterschiedlich beantwortet werden kann. Die Papenburger können dankbar sein, dass diese Vielfalt vorhanden ist. Jeder Bürger in der Stadt kann seine Mitte finden, und gemeinsam sollte anlassbezogen die Stadtmitte nach außen vermarktet werden.

Grünen-Fraktionschef Nikolaus Schütte zur Wick: Die Stadtmitte ist der Platz, wo sich jeder Papenburger am wohlsten fühlt!