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Ein seltener Nachname Hiebing gibt es fast nur im Emsland und in Westfalen

Von Winfried Breidbach | 08.07.2014, 11:21 Uhr

Unsere Leser Anita Hiebing und Wilhelm Hiebing, beide aus Papenburg, interessieren sich für den Ursprung ihres Familiennamens. Mit rund 120 Namensträgern ist Hiebing ein relativ seltener Nachname, der sich fast ausschließlich in Westfalen und im Emsland findet. Das stärkste Namenzentrum liegt im Gebiet des Landkreises Borken. Als Namenvarianten sind die selteneren Namensformen Hibing und Hibbing anzuführen. In den Niederlanden kommt der ebenfalls seltene Name Hiebink hinzu.

Hiebing gehört zu den zahlreichen niederdeutschen und niederländischen Familiennamen, bei denen die Silbe -ing die Nachkommenschaft anzeigt. Der zugrunde liegende männliche Rufname ist in verschiedenen Schreibungen seit dem Mittelalter bezeugt. Die verfügbaren Belege kommen überwiegend aus Ostfriesland und aus dem westfälischen Münsterland. Der Name erscheint beispielsweise als Hibo, Hiebo, Hijbo, Hybo, Hibe, Hiebe und Hybe, mit Kurzvokal der ersten Silbe als Hibbo, Hibbe, Hybbe und Hibb. In den Formen Hibbo, Hibo, Hiebo, Hijbo, Hiebe und Hibe ist er in Ost- und Westfriesland noch im 20. Jahrhundert als Vorname nachzuweisen. Von diesem Männernamen ging der Familienname Hiebing (Hibing, Hibbing) aus, die Bedeutung ist „Sohn von Hiebe (Hibe, Hibbe)“.

Die historische Analyse der verschiedenen Namensformen ergibt, dass die Varianten mit Kurzvokal die älteren sind. Die Entstehung des Namens Hibbo/Hibbe ist wie folgt nachzuzeichnen: Zugrunde liegt ein Kurzname „Hildbo“ zu männlichen Rufnamen mit einem ersten Namenwort Hild- („Krieg“), deren zweites Namenelement mit b- anlautete. Dies waren die Rufnamen Hildebold, Hildbern, Hildbert und Hildebrand.

Der Kurzname Hildbo war in dieser Form von Anfang an ungebräuchlich, er wurde in unterschiedlicher Weise umgestaltet. Zunächst wurde Hildbo zu Hibbo abgeschliffen, von dieser Namensform gingen Hibbo, Hibbe aus. Dazu entstanden Hiebo, Hiebe als Varianten mit langem Vokal in der ersten Silbe. Einige Zeugnisse des Rufnamens, zumeist aus Ostfriesland und aus dem Münsterland: 1407 „Hibbe“, 1465 „Hybe“, 1468 „Hybo“, 1470 „Hibe“, 1474 „Hibo“, 1490 „Hybe“. Der zu Hibe/Hibbe gebildete Kosename Hib(b)iko ist bereits 1280 in Wismar bezeugt („Hibbeke de Vorwerke“), dann 1434 als „Hibeke“ in Pewsum.

Bei einer weiteren Entwicklungslinie wurde Hibbo mit Verschärfung von -bb- zu -pp- zu Hippo, später Hippe, umgeformt. Auch dies geschah schon recht früh, die Namensform Hippo ist bereits 1382 in Osterhusen in Ostfriesland bezeugt.

Ältester Beleg des Familiennamens: 1564 „Johan Hibbingk“ (Südkampen bei Walsrode).

Alle Teile der Serie „Namensforscher“ finden Sie hier.