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Café-Bistro ein Flop Volkshochschule Papenburg laufen die Kosten davon

Von Gerd Schade | 11.12.2015, 15:43 Uhr

Der Volkshochschule (VHS) Papenburg galoppieren die laufenden Kosten davon. Sie hat deshalb bei der Stadt für 2016 eine Erhöhung des jährlichen Zuschusses um 123.000 Euro auf dann 539.300 Euro beantragt. Die Fraktionen wollen darüber im Zuge der Haushaltsberatungen für das kommende Jahr befinden. Das hat der Finanzausschuss am Donnerstagabend beschlossen.

Die VHS soll zudem für die Jahre 2017 bis 2019 eine mittelfristige Finanzplanung erstellen. Sie soll als Grundlage für eine weitere Beratung zur dauerhaften Neufestschreibung eines ausreichenden laufenden Zuschusses aus der Stadtkasse dienen. Die Liquidität der VHS gGmbH liegt derzeit immer nur knapp über den erforderlichen Beträgen. Die pünktliche Überweisung der Gehälter an die Mitarbeiter und Honorardozenten der VHS sei in nächster Zeit aber nicht gefährdet, versicherte VHS-Geschäftsführerin Natascha Hartleif.

Jährliche Mehrbelastungen

Der Beschlussfassung vorausgegangen war eine intensive Debatte, die gut anderthalb Stunden dauerte. Dabei legte Hartleif zunächst detailliert die Gründe für den Antrag dar. Sie verwies insbesondere auf zwei grundsätzliche Annahmen zur Kostendeckung aus dem VHS-Konzept aus dem Jahr 2012, „die sich leider nicht so erfüllt haben wie erhofft“. Im Prinzip ist sogar das Gegenteil eingetreten.

Wie Hartleif ausführte, habe man zum Einen durch den Neubau und die Zentralisierung der vorher über das Stadtgebiet verteilten VHS-Standorte wie die Villa Dieckhaus, den Bahnhof und Schulen mit Einsparpotenzialen gerechnet. Sie hätten die zusätzlichen Belastungen aus dem Um- und Anbau der Villa Dieckhaus weitgehend decken sollen. Stattdessen sind Hartleif zufolge jährliche Mehrbelastungen in Höhe von rund 82.000 Euro pro Jahr entstanden. Zu berücksichtigen seien Abschreibungen, Kreditzinsen, Tilgungen, Verwaltungs- und Wartungskosten. Die Sanierung der Villa war aufgrund unerwarteter Altlasten rund 1,5 Millionen Euro teurer geworden als geplant. (Weiterlesen: VHS Papenburg: Nach Millionen-Mehrkosten endlich fertig). 

Wartungskosten sind gestiegen

Dadurch relativiert sich beispielsweise auch das Einsparpotenzial bei den Energiekosten. Hartleif zufolge lagen sie vor der Zentralisierung bei rund 43.500 Euro, nun sind es knapp 41.000 Euro. Die jährlichen Wartungskosten, unter anderem für den Fahrstuhl im Neubau sowie die Brandmeldeanlage, stiegen hingegen von knapp 1700 auf nunmehr fast 10.500 Euro.

Hinzu kommt, dass sich auch die zweite Annahme trotz eines Fachgutachtens als grandiose Fehleinschätzung erwiesen hat. So ist das Café-Bistro Kutscherhaus bislang ein Flop. Statt eines prognostizierten Jahresgewinns von 174.000 Euro wurde ein Minus von 51.000 Euro eingefahren. Die Gesellschafterversammlung der VHS hat daraufhin die Reißleine gezogen und den mit Einrichtungen im Wert von 25.000 Euro ausgestattete Café auf Notbetrieb mit nur noch zwei Teilzeitkräften und geringfügig Beschäftigten umgestellt. Neues Ziel ist mittelfristig eine „schwarze Null“. Die erhofften Überschüsse zur Finanzierung des Gesamtkonzeptes würden damit dennoch fehlen. „Letzte Option ist die Schließung“, sagte Hartleif. Mit dem Café sei man auch auf Grundlage eines Gutachtens des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes „von Anfang an die Vollen gegangen“, unter anderem in der Hoffnung, das es von Bussen der Meyer-Werft-Besucher angefahren und als Kantine auch von externen Nutzern angesteuert würde.

Gesellschaftspolitische Bedeutung der Erwachsenenbildung

Bürgermeister Jan Peter Bechtluft (CDU) bescheinigte Hartleif, die als VHS-Geschäftsführerin erst seit dem Sommer 2014 im Amt ist, und Verwaltungsleiter Jörg Burkholz dennoch gute Arbeit. „Sie haben alle Register gezogen, um die Kostensituation so weit herunterzufahren, wie es überhaupt geht“, sagte Bechtluft. Die inhaltliche und gesellschaftspolitische Bedeutung der Erwachsenenbildung stünde ohnehin außer Frage. Auch fraktionsübergreifend gab es Lob für Hartleif und ihr Team. CDU-Ratsfrau Annette Pöttker würdigte insbesondere das hohe Maß an Offenheit und Transparenz, dass sie bei den vorherigen VHS-Geschäftsführern vermisst habe.

In diesem Zusammenhang geriet Hartleifs direkter Amtsvorgänger Karl-Heinz Menke in die Kritik. Offenbar habe es falsche Grundlagen für die Berechnung der fortlaufenden Kosten für den VHS-Um- und Neubau gegeben, hieß es im Ausschuss. „Ich weiß nicht, ob es richtig war, Herrn Menke zu entlasten“, meinte Petra Behnes (CDU). UWG-Ratsherr Ralf Uchtmann fühlt sich nach eigenem Bekunden von dem ehemaligen VHS-Geschäftsführer „mittlerweile getäuscht“ und Hartmut Bugiel (UBF) mutmaßte, möglicherweise „unter die Fichte geführt worden“ zu sein.

Erhöhung des Zuschusses?

Bechtluft und Hermann Wessels (CDU) warben indes eindringlich für eine Erhöhung des Zuschusses, der Hartleif zufolge ausschließlich für die Bedienung der Kredite und deren Tilgung verwendet werden soll. „Wir werden so beschließen müssen, wenn wir die VHS auf gesunde Füße stellen wollen“, sagte Wessels. SPD-Ratsherr Peter Raske sprach sich dafür aus, den Zuschuss gleich um 250.000 Euro anzuheben, „damit es keine Probleme mit der Liquidität gibt“.