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„Bewegung“ bei Bauhof-Neubau Bechtluft: Hallen-Abriss in Herbrum nicht durchsetzbar

Von Gerd Schade | 09.01.2017, 20:17 Uhr

Der Papenburger Bürgermeister Jan Peter Bechtluft (CDU) glaubt nach eigenem Bekunden nicht mehr daran, dass es politisch durchsetzbar ist, die marode Herbrumer Mehrzweckhalle abzureißen.

Die halbe Million Euro, die die Stadt dem Sportverein Herbrum als Investitionskostenzuschuss für eine Sanierung in Eigenregie in Aussicht gestellt hat, wenn er fortan die Betriebskosten trägt, bezeichnet er als „unmoralisches Angebot. Das geht nicht. Dann muss man klar sagen: Ihr müsst das Ding abreißen“, sagte Bechtluft in einem Gespräch mit unserer Redaktion.

Er wünscht sich, dass dort etwas entsteht, was für den Bedarf über den Ortsteil Herbrum hinaus interessant ist. Letztlich müsse es darum gehen, „dass mit Steuergeldern etwas angepackt wird, das dann auch intensiv genutzt wird“. Ein gutes Beispiel in Herbrum sei der Umbau der früheren Grundschule zu einem Dorfgemeinschaftshaus. Zuletzt hatte der Herbrumer SPD-Stadtratsherr Bernhard Schmees einen Sachstandsbericht der Verwaltung zur Mehrzweckhalle gefordert. Dem Verein ist der 500.000-Euro-Zuschuss zu wenig . 2016 hatte die Stadtverwaltung fünf Kostenmodelle entwickelt. Sie reichen vom ersatzlosen Abriss bis zur Komplettinstandsetzung als Sport- und Veranstaltungshalle für 1,8 Millionen Euro. Im Mai 2013 hatte der Stadtrat überraschend für eine Sanierung der Halle gestimmt.

„Mit Sicherheit Bewegung“ kommt Bechtluft in den vor Jahresfrist aus Kostengründen vorerst auf Eis gelegten Neubau des Bauhofes . Baustart für das zuletzt mit 5,5 Millionen Euro veranschlagte Projekt wird demnach voraussichtlich aber nicht vor 2018 sein.

Zunächst müssten die „zwingend notwendigsten Dinge“ am alten Standort gemacht werden, so Bechtluft. Parallel dazu werde unter Federführung von Stadtbaurat Jürgen Rautenberg überlegt, ob einzelne Dienstleistungen des Bauhofes in Zukunft auch fremdvergeben werden können. Als Beispiel nennt der Bürgermeister die Aufzucht von Jungpflanzen in Gewächshäusern. „Es wird Testläufe geben, um zu prüfen, ob ein Ankauf nicht vielleicht sinnvoller ist“, sagt Bechtluft. Das Für und Wider werde in allen Punkten sorgsam abgewogen. Gewährleistet sein muss nach seiner Auffassung, dass der Bauhof-Neubau „für die nächsten Jahrzehnte maßgeschneidert“ für die Anforderungen der Stadt sei.

Zielsetzung sei weiterhin, den Bau an der Schulze-Delitzsch-Straße zu errichten. Dort stehen laut Bechtluft ebenfalls für 2018 Arbeiten für die Erschließung weiterer Gewerbeflächen über den Königsweg hinweg an. Dasselbe gelte für die Carl-Benz-Straße.

Als ein weiteres großes Thema nennt Bechtluft ein Wohnraumentwicklungskonzept. „Papenburg wächst und wächst“, sagt er. Deshalb müsse es auch in Zukunft verstärkt darum gehen, bezahlbaren Wohnraum zur Verfügung zu stellen. „Wir brauchen Wohnraum für alle Bevölkerungsschichten“, sagt Bechtluft. In Sachen sozialer Wohnungsbau sieht der Bürgermeister mit städtischer Unterstützung vor allem den Bauverein und die Baugenossenschaft gefragt. Zwar werde in der Stadt durchaus viel gebaut, aber eher im hochpreisigen Bereich, so der Bürgermeister.

Im Hinblick auf die Unterbringung von Flüchtlingen im Stadtgebiet habe sich die Situation deutlich entspannt. Bechtluft zeigt sich dankbar dafür, dass es gelungen sei, die Schutz suchenden Menschen trotz – bedingt durch eine Vielzahl von Monteuren, Werkvertragsarbeitern und Gartenbaukräften – angespannter Lage auf dem Wohnungsmarkt dezentral unterzubringen.

Als „gut“ bezeichnet Bechtluft die Voraussetzung für eine Aufwertung des Ortskerns in Aschendorf. Grund sei die Aufnahme in gleich zwei Städtebauförderungsprogramme . Damit bietet sich nach seiner Auffassung die Möglichkeit, „städtebauliche Missstände“ wie den Schepers-Turm am alten Marktplatz und die maroden Thormann-Hallen zu beseitigen. Bechtluft zufolge muss der motorisierte Verkehr zumindest in Teilen raus aus dem Ortskern. Potenzial biete zudem der brachliegende Marienplatz.

Zu den großen Projekten für dieses Jahr gehören neben dem Neubau der Kita St. Klara, die im Sommer in Betrieb gehen soll, Umbau, Sanierung und Erweiterung der Mittelkanalschule für insgesamt rund drei Millionen Euro. Dass es bei der Planung zu Verzögerungen gekommen ist, begründet Bechtluft mit der Diskussion um die baubegleitende Kommission.