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Bau von Kreuzfahrtschiffen Meyer-Kunde Genting wird zum Konkurrenten

Von Christoph Assies | 14.02.2017, 08:00 Uhr

Urlaub auf dem Wasser, die Kreuzfahrt wird immer beliebter. Die Nachfrage der Reedereien nach neuen Schiffen ist ungebrochen. Die schwimmenden Urlaubsresorts kommen vor allem aus Deutschland. Die Meyer Werft in Papenburg ist bis in das Jahr 2022 ausgelastet. Ein Konkurrent sind die MV Werften in Mecklenburg Vorpommern. Das Pikante: Sie wurden von einem langjährigen Meyer-Kunden gekauft.

Hinter den MV Werften, die Schiffbaustandorte in Wismar, Rostock-Warnemünde und Stralsund haben, steckt der malaysische Genting-Konzern, der auf der Papenburger Meyer Werft für die zu Genting gehörende Reederei Dream Cruises , derzeit noch die „World Dream“ im Bau hat. In Mecklenburg-Vorpommern setzen die Menschen viel Hoffnung in das Engagement der Asiaten. Vor allem auf der Werft in Wismar ist die Liste der Namen von Investoren groß: Bremer Vulkan, Aker, Wadan, zuletzt der Russe Witali Jussufov. Von Jussufov hatte Genting für 230 Millionen Euro die drei Schiffbaubetriebe übernommen.

Nun tritt Genting mit großen Zielen an. Vier Flusskreuzfahrtschiffe für die Marke Crystal River Cruises, drei Expeditions-Megayachten der „Endeavour“-Klasse für Crystal Cruises und zwei riesige Kreuzfahrtschiffe der Global-Klasse für die Genting-Marke Star Cruises sollen in den nächsten fünf Jahren bei den MV Werften gebaut werden. Die Kreuzfahrtschiffe für Star Cruises werden größer als alle bisher bei der Meyer Werft gebauten Ozeanriesen.

An der Spitze der MV Werftengruppe steht der Finne Jarmo Laakso. In Papenburg ist er kein Unbekannter. Von Ende der 1990er Jahre bis 2004 begleitete Laakso als Projektmanager den Bau der Radiance-Klasse. Eine Serie von vier Kreuzfahrtschiffen für die US-Reederei Royal Caribbean. Zuletzt war Laakso bei Meyer sogar Mitglied der Geschäftsleitung. Der Schiffbau- und Maschinenbau-Ingenieur kennt sowohl das Werft-, als auch das Reedereigeschäft.

Ursprünglich sollte neben den Standorten in Mecklenburg-Vorpommern auch die Bremerhavener Lloyd Werft eine Rolle bei den Genting-Plänen spielen. Doch daraus wurde nichts. Gekauft hat der Konzern zwar auch Lloyd, aber aus den Ankündigungen, dass in Bremerhaven, erstmals seit 2005, wieder Kreuzfahrtschiffe gebaut werden , wird nichts. Offiziell heißt es, Bremerhaven sei Reparaturstandort, doch die Docks sind leer. Rettung für die traditionsreiche Werft könnte ein Auftrag des russischen Milliardärs Roman Abramowitsch für eine 140 Meter lange Yacht bringen. Offiziell ist dieser Auftrag mit dem Projektnamen „Solaris“ aber noch nicht. Die Vertragsunterzeichnung ist aber nach Informationen unserer Redaktion wohl nur eine Frage der Zeit. Aktuell müssen dennoch rund 450 Lloyd-Beschäftigte um ihre Jobs bangen. Ein Sprecher der MV Werften war für eine Stellungnahme zur aktuellen Situation nicht zu erreichen.

In Papenburg wird derweil das letzte Genting-Schiff, die „World Dream“ gebaut. Im Herbst soll das 335 Meter lange Schiff die Meyer Werft verlassen. Dann wird sich Dream Cruises wohl, wie die anderen Genting-Marken, an die MV Werften für weitere Neubauten wenden. Meyer-Werft-Sprecher Peter Hackmann sagt dennoch: „Wir haben seit langer Zeit ein sehr gutes Verhältnis zu unserem Kunden Genting.“ Abkommen zum Schutz von eigenem Know-how beim Bau der Schiffe gibt es laut Hackmann nicht. „Die Werft hat viele eigene Patente, verfolgt Forschungsprojekte und schützt ihr Know-how vor Wettbewerbern.“, erklärt Hackmann.

Angesprochen auf die neue Konkurrenz mit den MV Werften sagt Hackmann: „Die Konkurrenz in Deutschland hat ja die gleichen Rahmenbedingungen wie wir.“ Der globale Wettbewerb sei insgesamt „sehr hart“. Aber: Bis 2023 ist Meyer mit Aufträgen für Kreuzfahrtschiffe für Kunden wie AIDA, Disney und Royal Caribbean ausgelastet. So lange im voraus, wie noch nie in der Geschichte des Traditionsunternehmens.