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Azubis unterstützen Forschungsprojekt Grundriss alter Kirche in Papenburg freigelegt

Von Gerd Schade | 06.06.2018, 20:38 Uhr

Auszubildende des Katasteramtes Papenburg haben den Grundriss der alten St.-Antonius-Kirche auf dem Ceka-Parkplatz sichtbar gemacht. Das Projekt ist eine Gemeinschaftsarbeit mit der Forschungsgruppe Naturwissenschaften/Archäologie.

Für die Arbeit hat die Stadt Papenburg einen Teil des Parkplatzes gesperrt. Koordiniert von Katasteramts-Ausbildungsleiter Günter Langen nehmen Antonia Schreck (17) aus Heede und der Rastdorfer Frank Overberg (20) am Mittwochmorgen die Vermessung vor. Basierend auf einer Ursprungsmessung aus dem Jahr 1875 markieren die beiden Auszubildenden zum Vermessungstechniker einzelne Punkte mit Stangen sowie Messingbolzen im Asphalt. Letztere werden im Boden verbleiben.

Monatelange Vorplanungen

Am Ende ihrer Arbeit, der monatelange Vorplanungen vorausgegangen sind, sind 16 Punkte festgelegt. Deutlich wird, dass die im 17. Jahrhundert erbaute und rund 200 Jahre später abgerissene Kirche heute zum Teil in das Gasthaus Kuhr, das Kaufhaus Ceka, die Friederiken-Apotheke, das Tanzlokal „Saxophon“ und die danebenliegende Kneipe hineinragen würde. Deutlich wird auch, dass das Gotteshaus einst gut 31 Meter lang und 11 Meter breit gewesen ist.

Die Mitglieder der Forschungsgruppe hoffen, dass die mit Dübeln fixierten Messingbolzen nicht die einzige Sichtbarmachung des historischen Kirchengrundrisses für Einheimische und Touristen bleibt. Hans-Joachim Albers zufolge wäre eine dauerhafte Visualisierung wünschenswert – „diskret und ebenerdig“. Für ihn und seine Mitstreiter ist das Projekt Teil ihrer Aufklärungsarbeit zur Stadtgeschichte, in deren Zuge sie beispielsweise auf dem Gelände der Alten Werft auch nach dem Papenburger Befestigungsgraben und einem Brunnen suchen.

Hans-Gerd Walker als Bindeglied

Die Zusammenarbeit mit dem Katasteramt im Sinne einer ganzheitlichen Sicht der Gesamtkultur ist Albers zufolge neu und hat nach seiner Auffassung Modellcharakter. Bindeglied für das aktuelle Projekt ist Hans-Gerd Walker. Der Papenburger ist beim Katasteramt beschäftigt und Mitglied der Forschungsgruppe. Überdies wurde das Projekt nicht zuletzt dadurch erst möglich, dass die Behörde erstmals seit 30 Jahren zur Rekrutierung des eigenen Nachwuchses wieder selbst ausbildet, wie Katasteramtsleiter Ralf Kuncke sagt. Fest steht nach den Worten von Hans-Gerd Walker, dass die Auszubildenden eine Info-Stele gestalten werden, die im Umfeld des alten Kirchenstandortes aufgestellt werden soll.

Geschichte beginnt anno 1666

Die Geschichte der alten St.-Antonius-Kirche geht bis in das Jahr 1666 zurück. Seinerzeit erteilte der Bischof von Münster den Papenburgern die Erlaubnis, einen Friedhof anzulegen. Grund war die Pest, die auch in der im selben Jahrhundert gegründeten Fehnkolonie grassierte. Der Friedhof wurde auf dem Gelände des heutigen Ceka-Parkplatzes angelegt, dessen Zufahrt den Namen „Alter Kirchplatz“ trägt. Mit dem Bau des Gotteshauses wurde 1674 begonnen. Wie im Online-Kirchenführer von St. Antonius weiter nachzulesen ist, segnete Weihbischof Niels Stensen die Kirche anno 1682 ein. Knapp 100 Jahre später wurde sie vergrößert, 1799 die erste Orgel beschafft. Nachdem die neue St.-Antonius-Kirche errichtet war (Einweihung 1877) wurde die alte in den Jahren 1878 bis 1881 abgerissen. Auf ihren Grundmauern soll die erste Kirchschule erbaut worden sein. Sie wurde in den 1970er-Jahren abgerissen. Ein Teil der alten Schulgrundmauern wurde kurzzeitig sichtbar, als 2005 der Parkplatz neu gestaltet wurde.