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Autoskooter fahren auf hoher See An Bord der „Quantum of the Seas“ der Meyer Werft

Von Christoph Assies | 27.08.2014, 19:38 Uhr

Feiner Staub liegt auf Hochglanz-Arbeitsflächen, auf denen später Cocktails gemixt werden sollen. Kabel hängen viel zu lang von der Decke, und in den Restaurants fehlen Tische und Stühle: Die Atmosphäre am Mittwoch an Bord der „Quantum of the Seas“, dem neuesten Schiff der Papenburger Meyer Werft, lässt nicht darauf schließen, dass der drittgrößte Kreuzfahrtriese der Welt in rund acht Wochen fertig für Passagiere sein soll.

„Wir können uns darauf verlassen, das Schiff wird fertig“, sagt Richard Fain, Chef der US-Reederei Royal Caribbean International (RCI). Er kennt die Papenburger Schiffbauer. Zuletzt entstanden in Papenburg für die RCI-Tochter Celebrity Cruises von 2008 bis 2012 fünf baugleiche Luxusliner. Der Reedereichef lobt die Arbeit der Emsländer: „Dieses Schiff zeigt die Leidenschaft und den Stolz der Meyer Werft.“

 „Quantum Of The Seas“ liegt im Hafen der Meyer Werft 

Die „Quantum of the Seas“ bietet im Inneren viele Neuerungen im Vergleich zu anderen Kreuzfahrern. „Smartship“ nennt es die Reederei. Dahinter verbergen sich viele neue Technologien, die es bisher an Bord noch nicht gab. „Kreuzfahrten haben ab jetzt eine abenteuerliche Zukunft auf dem neuesten Stand der Technik“, sagt Fain. So können die Gäste zum Beispiel ihre Kreuzfahrt bereits zu Hause am PC beginnen und online einchecken. Die Übertragung eines Fotos und der Reisedokumente via Internet vermeidet Warteschlangen im Terminal, und „der Gast ist künftig in zehn Minuten von der Pier auf dem Schiff“, verspricht der Reedereichef. Interaktive Armbänder mit einer Radio-Frequenz-Identifizierung ersetzen die bisher bekannten Bordkarten. In dem Armband befindet sich Lesetechnik, womit bargeldlos bezahlt und die Kabinentür geöffnet werden kann.

Die auch auf anderen Schiffen vorhandenen Innenkabinen sollen mit „virtuellen Balkonen“ ein neues Raumgefühl geben. Bodentiefe Bildschirme liefern ein Livebild von mehreren Kameras an Deck und sorgen so auch in Innenkabinen – zumindest indirekt – für Tageslicht.

Seit Juni ist der künftige Kapitän Srecko Ban in Papenburg. Er vertritt gemeinsam mit dem Neubauteam der Reederei die Interessen von RCI und bereitet später mit der Crew die Indienststellung des 348 Meter langen Ozeanriesen vor. Der Kroate ist das erste Mal auf der Werft und begeistert von deren Dimensionen. „Es ist wirklich erstaunlich. Immerhin steht hier das größte überdachte Baudock der Welt. Die Kapazitäten der Werft sind für mich fast unbegreiflich“, sagt der Kapitän.

Der erste Mann an Bord bewegt sich schon jetzt zielstrebig und sicher auf dem 18 Decks umfassenden Kreuzfahrer. Auf Deck 15 ist mit „SeaPlex“ eine Art Indoor-Spielplatz entstanden. Ban kann schon jetzt mit dem ersten der Autoskooter fahren, die in dem Bereich später bereitstehen. Eine Zirkusschule und ein Basketball-Feld sorgen später zusätzlich für Unterhaltung. Abends wird „SeaPlex“ als Disco genutzt.

Bis dort aber die ersten Gäste tanzen oder Autoskooter fahren, ist auf der schwimmenden Großbaustelle noch viel zu tun. Nach der Emsüberführung am 21. September wird die „Quantum of the Seas“ am 29. Oktober an die Reederei abgeliefert.